Herausforderungen vernetzt begegnen

Die automatica setzt 2023 in München zu einer neuen, außerplanmäßigen Runde an. Was in Sachen KI, nachhaltige Produktion und Linderung des Fachkräftemangels im Messegepäck steckt.

Die automatica 2023 lockt mit den Trendthemen KI und nachhaltige Produktion. Bild: Sebastian Resch/Messe München
Die automatica 2023 lockt mit den Trendthemen KI und nachhaltige Produktion. Bild: Sebastian Resch/Messe München
Sandra Lehmann
Fachmesse

Knapp zwölf Monate nachdem sich die internationale Robotik- und Softwarebranche in München zur ersten automatica nach der coronabedingten Zwangspause getroffen hat, dreht sich vom 27. bis 30. Juni 2023 auf dem Münchner Messegelände erneut alles um Automatisierung, Robotik und intelligente Vernetzung. Grund dafür ist laut Veranstalter, der Messe München GmbH, der Wechsel der Leistungsschau in einen neuen Rhythmus. Von 2023 an trifft sich die Automatisierungsbranche zweijährlich in der bayerischen Landeshauptstadt, immer in ungeraden Jahren parallel zur LASER World of PHOTONICS, einer Messe für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Photonik.

Darüber hinaus wolle man seitens der Messegesellschaft den Besuchern Wege aufzeigen, mit den aktuellen Anforderungen umzugehen, die aus geopolitischen Verwerfungen entstehen oder aus neuen Handlungsfeldern. „Unser Leben wird immer stärker von globalen Herausforderungen wie Lieferkettenproblematik oder Fachkräftemangel bestimmt. Robotik und Automation als Schlüsseltechnologien bieten hierfür die passenden Lösungen“, so die Messeprojektleiterin Anja Schneider. „Nur intelligent automatisiert und digital vernetzt lässt sich wirtschaftlich und nachhaltig produzieren. Wie das funktioniert, zeigt die automatica in München.“ 2022 verzeichnete die Leistungsschau mehr als 28.000 Besucher und 574 Aussteller.

In den Mittelpunkt der Messe stellt der Veranstalter in diesem Jahr drei Leitthemen: digitale Integration und KI, nachhaltige Produktion sowie die Zukunft der Arbeit. Der Bereich digitale Integration und KI thematisiert unter anderem Augmented/Virtual Reality, Möglichkeiten der Bildverarbeitung, Digital Twins sowie Standards für die vernetzte Produktion.

„Betrachtet man den Entwicklungssprung, den diese Zukunftstechnologien innerhalb nur eines Jahres vollzogen haben, wird schnell klar, mit welcher Dimension wir es hier zu tun haben. Es geht um eine neue Ära der Automation mit gewaltigem Impact auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“, so Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation, im Vorfeld der automatica.

Entscheidend, so die Messe München, werde es deshalb sein, wie schnell es der Industrie gelingt, das ganze Potenzial dieser Technologien auszuschöpfen. Zwar sieht eine große Mehrheit der Unternehmen künstliche Intelligenz als Chance, aber nur neun Prozent setzen sie bereits tatsächlich ein. Das ergab eine Studie des Digitalverbands Bitkom, für die im Herbst vergangenen Jahres 606 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus allen Branchen in Deutschland befragt wurden.

42 Prozent sind sogar der Meinung, den Anschluss verpasst zu haben. Bitkom-Präsident Achim Berg relativiert diese Einschätzung: „KI ist immer noch eine junge Technologie. Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Wer sich jetzt ernsthaft mit KI beschäftigt, kann sich immer noch Wettbewerbsvorteile erarbeiten.“ Dazu können Interessierte KI-basierte Technologien im Rahmen der Messe live in Aktion erleben. Der Robotikanbieter Kuka (Halle A4, Stand 431) etwa adressiert das Trendthema gleich mit mehreren Exponaten. Das Augsburger Unternehmen hat beispielsweise den „KUKA Dome“ im Messegepäck, eine Leinwandkuppel, in der reale Produktionsanlagen in rund 90 Sekunden visuell für die Besucher erlebbar werden.

Bildverarbeitungssysteme – zu sehen auf den Messeständen von ifm (Halle B5, Stand 502), Cognex (Halle B5, Stand 500) und vielen weiteren Anbietern – liefern Echtzeitbilder der Umgebung und die neuesten Modellgenerationen lernen mithilfe von KI, die Umwelt immer besser zu interpretieren.

Digital Twin in Aktion

Am Messestand des Anbieters Stäubli (Halle B5, Stand 329) können sich Besucher über den digitalen Zwilling informieren. Hier steht er direkt neben einer realen Demozelle, in der ein Roboter die Handhabung von Batteriezellen übernimmt.

Die Fortsetzung des Machine Learning, einer Komponente der künstlichen Intelligenz, ist Dreh- und Angelpunkt des Messeauftritts der Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS (Halle A4, Stand 321). Das sogenannte automatisierte maschinelle Lernen soll aus Sicht der Wissenschaftler dabei helfen, den Lebenszyklus von KI-Systemen besser zu analysieren und damit Prozesse in Produktion und Logistik effizienter abzubilden.

Das Thema nachhaltige Produktion setzt sich auf der automatica 2023 aus den Elementen CO2-Neutralität, Kreislaufwirtschaft, Wandelbarkeit der Produktion und KI sowie GreenTech zusammen. Ziel ist es laut Messe München zu zeigen, dass intelligente Automation dazu beitragen kann, angestrebte Klimaziele zu erreichen und Produktions- sowie Logistikprozesse nachhaltiger und ressourcenschonender zu gestalten. Darüber hinaus möchte der Veranstalter nach eigenen Angaben aufzeigen, dass Green Technologies wie Fotovoltaik, Windenergie, Brennstoffzelle und E-Mobilität neue Märkte für Unternehmen eröffnen.

Diese neuen Marktchancen zeigen sich bei einigen Anbietern der Branche bereits in einer erhöhten Nachfrage, wie Volker Spanier, Leiter Industrierobotik bei Epson, sagt: „In jüngster Zeit mehren sich die Anfragen aus den Bereichen Batterie- und Brennstoffzellenfertigung. Hier wird es bald um ähnlich hohe Stückzahlen wie in der Fotovoltaikindustrie gehen. Entscheidend für Europa wird sein, wo sich dieses Geschäft künftig abspielt. Noch kommen nahezu alle Ausrüster der Gigafactories aus Asien. Vielleicht liefert die automatica hier vielversprechende Ansätze, insbesondere für die erst jetzt aufkommende Brennstoffzellenfertigung.“

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Die Zukunft der Arbeit ist eng mit den Begriffen Mensch-Maschine-Kollaboration, Servicerobotik sowie Mobile Robotik verknüpft. Unter dem Motto „ease-of-use“ sollen auch KMUs sowie weniger automatisierte Branchen weit über das produzierende Gewerbe hinaus Zugang zur Automation und somit Unterstützung bei der Kompensation des Fachkräftemangels erhalten, heißt es vonseiten des Veranstalters. Welche Möglichkeiten sich für die verschiedenen Wirtschaftszweige und Branchen zur Entlastung von Arbeitskräften bieten, können Interessierte im Rahmen der Messe erfahren.

Für die Logistik liege der Fokus unter anderem auf einer flexibleren Aufgabenverteilung. Roboter könnten unterstützt durch KI und Bildverarbeitung etwa bei der Kommissionierung und Sortierung passgenauer und individueller genutzt werden. Künftig wird, so die Erwartung der Experten, die Automatisierung manueller Arbeitsabläufe durch eine Kombination neuer Technologien den Unterschied in der Wettbewerbsfähigkeit der Logistikdienstleister machen. Tobias Kieferl, Product & Market Manager Logistics der Robotics Division von Yaskawa, ist sich sicher: „Wer hier durch flexible und zugleich hoch automatisierte Systeme die Effizienz der Prozesse maximieren und kurze Taktzeiten bieten kann, wird im Vorteil sein.“

Lauschen und testen

Immer leistungsfähigere AGV spielten dabei eine tragende Rolle, so derVeranstalter. Wie die jüngsten Generationen dieser Fahrerlosen Transportsysteme aussehen und was sie leisten, werde sich ebenfalls auf der automatica zeigen. In jedem Fall erlaube der Einsatz von AGV und AMR die Abkehr von starr verketteten Prozessen zugunsten hochflexibler Intralogistik- und Produktionsstrukturen.

Darüber hinaus erwartet die Besucher nach Veranstalterangaben an den vier Messetagen ein umfangreiches Rahmenprogramm. Neben bewährten Formaten wie der Start-up Arena, den Gemeinschaftsständen für industrielle Bildverarbeitung oder Smart Maintenance sowie den Forenbühnen fokussiere die automatica 2023 folgende Themen: Mobile Roboter in der Produktion, Servicerobotik und die Förderung von Nachwuchskräften. „Die Schwerpunkte im Rahmenprogramm besitzen ein großes Potenzial für Dialog und Diskussionen. Hiervon versprechen wir uns einen besonderen Mehrwert für alle Teilnehmer“, sagt Anja Schneider. Wie der Veranstalter betont, stehen in der „TestZone“ für Robotermodelle in diesem Jahr außerdem insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit noch geringem Automationsgrad im Mittelpunkt.

Sandra Lehmann

automatica 2023

Ort: Messe München, Eingang Ost

Belegte Hallen: B4, B5, B6, A4, A5, A6

Öffnungszeiten: 27. bis 29. Juni: 9:00 bis 17:00 Uhr 30. Juni: 9:00 bis 16:00 Uhr

Tagesticket: 36 Euro (online) 54 Euro (vor Ort)

Vier-Tages-Ticket: 69 Euro (online) 103 Euro (vor Ort)

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Seite 56 bis 57 | Rubrik PROGNOSEN