Digitalisierung: Schritt für Schritt

Wie kleine und mittlere Logistikdienstleister ihre Prozesse ohne eigene IT-Abteilung oder große eigene Ressourcen digitalisieren können – darum drehte sich ein LOGISTIK HEUTE-Onlineseminar mit Bosch und der Spedition H.J. Becker.

 Bild: pusteflower9024/AdobeStock
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Matthias Pieringer
Digitalisierung

Wie können kleine und mittlere Speditionen ihre Prozesse digitalisieren, ohne über eine eigene IT-Abteilung zu verfügen? Diese Frage erörterte am 7. November das LOGISTIK HEUTE-Onlineseminar „Der Weg in die Digitalisierung am Beispiel der Spedition H.J. Becker“, das von Redakteur Gunnar Knüpffer moderiert wurde. Die nordrhein-westfälische Spedition H.J. Becker ist mithilfe des „Bosch L.OS (Logistics Operating System)“ in die weitere Digitalisierung eingestiegen und hat dies mit einem überschaubaren Aufwand bewerkstelligt, wie Katja Moll, Geschäftsführerin des Logistikdienstleisters, den Teilnehmern erläuterte.

„Wir haben zusammen mit einem Partner, Amazon Web Services, einen offenen Marktplatz aufgebaut, wo wir verschiedenste digitale Services und Lösungen von anderen Bosch-Einheiten, aber auch von externen Partnerfirmen, anbieten. Mit dem Ziel, die Prozesse in der Transportlogistik zu digitalisieren“, sagte Christian Goerke, Senior Partner Manager, Robert Bosch GmbH, über das Logistics Operating System. Die Kernzielgruppe sind dabei nach seinen Worten die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich häufig aufgrund von fehlenden IT-Strukturen, Ressourcen oder fehlender Zeit schwertun, in die Digitalisierung einzusteigen oder weitere Schritte zu gehen.

Die cloudbasierte Serviceplattform bietet digitale Lösungen in den Kategorien Fahrermanagement, Abrechnung & Factoring, Flottenmanagement, Kraftstoff, Energie & Nachhaltigkeit, Routenplanung & Lkw-Parkplätze, Supply Chain Visibility und Transportmanagement.

Partner gefunden

Katja Moll von der 1975 gegründeten, im Futtermittelbereich tätigen Spedition H.J. Becker sagte über die Digitalisierungsbemühungen, „dass wir auch an unsere Grenzen gekommen sind“. Viele Bereiche seien sehr zeitaufwendig. Der Alltag laufe aber einfach weiter, „wie jeder von uns weiß, der selbstständig ist und ein kleines Unternehmen hat“. Sie freue sich sehr, einen Partner wie Bosch gefunden zu haben, so Moll. Mit der Digitalisierung verfolge der familiengeführte Logistikdienstleister das Ziel, eine Vereinfachung von Abläufen im Unternehmen zu erreichen. „Der erste Punkt war für mich, dass wir die Disposition mobilmachen mussten, und es war für uns ganz wichtig, dass wir unsere Fahrer, die Mitarbeiter, mit ins Boot nehmen.“ Dabei sei es nicht um ein Kontrollieren gegangen, sondern darum, zusammen eine Lösung zu finden.

Auf der Messe transport logistic in München sei man gemeinsam mit der Spedition H.J. Becker zu Partnern des Bosch Logistics Operating Systems gegangen, danach habe man eine Priorisierung vorgenommen und sei mit einem dedizierten Thema gestartet, berichtete Goerke. Es habe sich nach den Gesprächen schnell gezeigt, dass der größte zu schaffende Mehrwert für den Logistikdienstleister darin lag, den digitalen Tachografen einzuführen mit einem Telematiksystem. Nun müssten die Fahrzeiten nicht mehr mit einem Download Key ausgelesen werden, sondern die Abläufe seien digitalisiert und die Spedition profitiere von der automatischen Archivierung.

„Wir hatten eine Situation, dass ein Fahrzeug recht viel unterwegs war, bis alles komplett vollendet war, und ich habe das vom Ablauf her so gehandhabt, dass ich alle Fahrzeuge umgestellt haben wollte, um dann den nächsten Schritt gemeinsam zu gehen“, berichtete Moll.

Mit offenen Karten

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„Wie wurden die Mitarbeiter in die Digitalisierung einbezogen?“, fragte Moderator Knüpffer. „Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Wir haben erst mal dieses Gefühl vermittelt, was es überhaupt bedeutet, digital zu sein“, so Moll. Es sei nicht von jetzt auf gleich passiert, „das finde ich sehr wichtig“.

Das Ziel sei, die Hürden oder auch den Einfluss auf das Tagesgeschäft so gering wie möglich zu halten, wenn digitale Prozesse eingeführt werden, erläuterte Christian Goerke von Bosch. Die Vereinfachung durch das neue System liege für sie darin, so Geschäftsführerin Katja Moll, „dass ich alles direkt auf dem Bildschirm habe und sofort umschalten kann, wenn es irgendwelche Fragen gibt. Der Zeitaufwand hat sich für mich unheimlich reduziert.“ Hinzu komme noch, dass sie aus dem Homeoffice arbeite und ihr Bruder Christian Becker am Standort in Ottmarsbocholt im Unternehmen sei und er genauso integriert sei. Man könne sich bei Abwesenheitennun gegenseitig besser vertreten. „Das ist eine sehr große Entlastung beim Zeitmanagement für uns.“

Das Thema Parken sei ein Bereich, der sie sehr interessiere und bei dem man in Zukunft eventuell noch weitere Schritte zusammen mit Bosch gehen werde, gab Moll in dem Onlineseminar in Sachen Digitalisierung als Ausblick.

Matthias Pieringer

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Seite 50 bis 51 | Rubrik PROGNOSEN