Studium: Ausbildungsschmiede für die Logistik

An der DHBW Mosbach lassen Partnerunternehmen ihre angehenden Fach- und Führungskräfte ausbilden. Zum Angebot zählt der Studiengang BWL – Handel – Warenwirtschaft 
und Logistik.

Der Campus der DHBW Mosbach: Gegründet 1980 als Außenstelle der Berufsakademie Mannheim, ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach seit 2009 Teil der DHBW. Bild: DHBW Mosbach
Der Campus der DHBW Mosbach: Gegründet 1980 als Außenstelle der Berufsakademie Mannheim, ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach seit 2009 Teil der DHBW. Bild: DHBW Mosbach
Matthias Pieringer
Studium

Das Wahrzeichen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach – ein restauriertes Schwungrad mit Antriebskolben, das mitten am Campus steht – symbolisiert ihre technische Ausrichtung. Dennoch qualifiziert sich hier ein kleiner Teil der Studentenschaft für die Fach- und Führungsebene in der Logistik: Jedes Jahr entscheiden sich etwa 40 junge Menschen für den Studiengang BWL – Handel – Warenwirtschaft und Logistik.

Vergangenen Oktober begrüßte die DHBW am Campus in Mosbach, einer fränkisch geprägten Stadt im nördlichsten Zipfel von Baden-Württemberg, 1.020 neue Studenten – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. 551 BWLer nahmen ihr Bachelorstudium an der Fakultät Wirtschaft auf – knapp die Hälfte der angehenden Betriebswirte sind Frauen (46 Prozent). Die BWL-Studenten starten mit der Theoriephase, die zwölf Wochen dauert; anschließend folgt die Praxisphase im Unternehmen. Das duale Prinzip „ein Vierteljahr an der Hochschule, ein Vierteljahr im Unternehmen“ gilt auch hier in Mosbach. Die Hochschule ist einer von neun Standorten der DHBW in Baden-Württemberg.

Prof. Dr. Dietmar W. Polzin ist Leiter des Studiengangs BWL – Handel – Warenwirtschaft und Logistik und damit für die Organisation des Studiengangs, die Dozenten und die Entwicklung des Curriculums verantwortlich. Der gelernte Betriebswirt war vor seiner Lehrtätigkeit zehn Jahre lang bei Daimler in Stuttgart tätig, zuletzt im Vertrieb Nutzfahrzeuge. Er sagt: „Im Studiengang BWL-Handel an der DHBW Mosbach erhalten die Studierenden eine ganzheitliche, betriebswirtschaftliche Grundlagenausbildung. Gleichzeitig erfordert die berufliche Praxis jedoch, dass sich zukünftige Fach- und Führungskräfte rechtzeitig funktionale Expertise erarbeiten können.“ Daher verknüpft der Studiengang grundständige BWL-Inhalte mit entsprechenden Vertiefungsmöglichkeiten in der Industrie- und Handelslogistik.

1.100 Partnerunternehmen

Insgesamt gibt es 1.100 Partnerunternehmen, die ihre angehenden Fach- und Führungskräfte in Mosbach ausbilden lassen. Um sich als dualer Partner zu qualifizieren, müssen die Unternehmen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: eine gewisse Größe, definierte Verantwortlichkeiten, die Dokumentation der Praxisausbildung – all das müsse gewährleistet sein, erläutert Polzin und ergänzt: „Wir arbeiten mit vielen dualen Partnern aus dem Lebensmittelhandel zusammen, wie etwa die Schwarz Gruppe, Edeka, Norma, Lidl, Kaufland, Penny und Rewe. Hinzu kommen B2B-Händler wie Würth oder Berner, Industrieunternehmen wie der Fördertechnikhersteller Linde Material Handling oder Unternehmen aus dem Automotive-Bereich wie Audi in Neckarsulm.“

Da die DHBW eine staatliche Hochschule des Landes Baden-Württemberg ist, werden keine Studiengebühren fällig. Studenten erhalten von ihrem Partnerunternehmen eine Vergütung, die zwischen 1.200 und 1.800 Euro liegt, weiß Polzin und meint: „Das ist weit mehr als der BAföG-Satz, unsere Studierenden können gut davon leben.“

Doch nicht nur die Studenten profitieren vom dualen System: Das Thema der Bachelorarbeit wird eng mit dem Partnerunternehmen abgestimmt und die Ergebnisse kommen dem Betrieb zugute. Beispielsweise wurden in einer Arbeit automatisierte Tools zur CO2-Messung verglichen. Der Bachelorstudent kontaktierte die Softwareanbieter und bewertete, welches Tool am besten den Anforderungen des Betriebs entsprach. Auch neue Technologien stehen im Fokus der Bachelorarbeiten: Es wird etwa analysiert, wie sich Fahrerlose Transportsysteme in bestehende Lager integrieren lassen oder welche Herausforderungen zu bewältigen sind, wenn sich Roboter mit dem Menschen einen Arbeitsplatz teilen.

Themen mit hoher Aktualität

Allesamt also Problemstellungen mit hohem Praxisbezug und hoher Aktualität, die mit wissenschaftlich korrekten Methoden untersucht werden. „Zu 90 Prozent wird in den Bachelorarbeiten ein Erkenntnisfortschritt erzielt und sie landen nicht im ‚Papierkorb‘“, erklärt Polzin.

Dass Themen wie Nachhaltigkeit und die Digitalisierung die Logistik in hohem Maße prägen, spiegelt sich ebenfalls im Curriculum wider. Prof. Dr. Matthias Laforsch, Professor für BWL –SCM, Produktion, Logistik und Unternehmensführung, hält Vorlesungen über Entsorgungslogistik und Kreislaufwirtschaft. Um praxisbezogene Inhalte zu vermitteln, setzt man an der DHBW Mosbach auch verstärkt auf die Unterstützung durch externe Referenten und holt sich die Logistikkompetenz „von außen“. Über 60 Prozent der Lehrveranstaltungen werden von externen Lehrbeauftragten gehalten. Dieses Semester hält beispielsweise Dr. Volker Lange vom Fraunhofer IML in Dortmund eine Vorlesung über aktuelle technologische Trends in der Handelslogistik.

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„Geforscht wird an der DHBW Mosbach immer mit Blick auf die Ausbildung der Studenten; Forschungsvorhaben, für die man Drittmittel wirbt, sind eher die Ausnahme“, antwortet Polzin auf die Frage nach speziellen Forschungsprojekten. Seine Forschung konzentriert sich auf die Verkehrs- und Distributionslogistik und hier vor allem auf die multimodalen Verkehre.Wie und wo kann der Güterverkehr auf Binnen- und Küstenwasserstraßen verlagert werden? Auf diese Frage erhalten die Studenten der DHBW Antwort von Gastdozenten des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC), das mit der Hochschule seit 2007 kooperiert. Das SPC stellt regelmäßig Referenten, die zeigen, wie leistungsfähig das System Wasserstraße ist, und unterstützt damit die Ziele des Hamburger Vereins zur Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs e.V. nach außen. Den Verantwortlichen liegt viel daran, schon an den Hochschulen die zukünftigen Logistikverantwortlichen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Fit in Theorie und Praxis

Nach drei Jahren Studium, das vom dreimonatigen Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen geprägt ist, haben die ausgebildeten Betriebswirte sowohl theoretische Grundlagen als auch die im Berufsalltag erforderliche Handlungs- und Sozialkompetenz erworben. Etwa 35 Logistiker verlassen die DHBW Mosbach jährlich mit einem Bachelorabschluss. „Schon relativ schnell kommen unsere Absolventen in Fach- und Führungspositionen beispielsweise als Team- oder Projektleiter oder als Logistikspezialistin“, betont Polzin.

Er schätzt, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte der Bachelorabsolventen einen Master „dranhängen“ werden, entweder gleich im Anschluss an den Bachelor oder nach ein paar Jahren Berufserfahrung. Dazu müssen sie an das Center of Advanced Studies (CAS) der DHBW wechseln – dort können sie sich unter anderem zum Master in Supply Chain Management Logistik & Produktion weiterqualifizieren.mp

Autorin: Susanne Frank, freie Autorin, München.

 

Forschung für die Logistik

Teil 18:.

DHBW Mosbach

Bisher erschienen:

Teil 1, 5 / 2022: Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT), Universität Stuttgart

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Teil 15, 10 / 2023: DHBW Mannheim

Teil 16, 11 / 2023: Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen

Teil 17, 12/2023: Hochschule Worms

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Seite 26 bis 27 | Rubrik PROFILE