Logistikberufe: Immer wieder anders

Andreas Fleischer, Geschäftsführender Gesellschafter des Logistikimmobilienentwicklers DF Industrial Partners (DFI), ist in seiner Karriere oft zu neuen Ufern aufgebrochen – einer Sache aber immer treu geblieben.

 Bild: DFI (Montage: Bartl)
Bild: DFI (Montage: Bartl)
Sandra Lehmann
Logistikberufe

Für Andreas Fleischer, heute Co-Founder und Geschäftsführender Gesellschafter des Logistikimmobilienentwicklers DF Industrial Partners AG (DFI), weist Ende der 90er-Jahre erstmal alles auf eine klassische Karriere als Bauingenieur hin. Nach erfolgreich beendetem Studium des Civil Engineering steigt Fleischer wie geplant in die Baubranche ein und wirkt an der Errichtung von Wohnhäusern mit. Allerdings hat das Leben andere Pläne mit dem gebürtigen Castrop-Rauxler. Durch Zufall entdeckt Fleischer in der Zeitung eine Anzeige des Einzelhandelsriesen Lidl – gesucht werden Mitarbeiter im Bereich Lagerbau. Fleischer bewirbt sich und startet in eine spannende berufliche Phase.

„Ich durfte bei Lidl nicht nur europäische Logistikprojekte und Standards mitplanen, sondern auch viel reisen. Für einen Berufsanfänger ist das natürlich eine tolle Sache. Außerdem konnte ich sehr viel lernen“, sagt Fleischer. In dieser Zeit begleitet der Immobilienexperte unter anderem die Markteintritte des Neckarsulmer Handelsunternehmens in Dänemark und Norwegen. Vollkommene Zufriedenheit möchte sich bei Fleischer allerdings nicht einstellen.

„Der Bau von Distributionszentren war damals bei Lidl keine Aufgabe mit der höchsten Priorität. Dementsprechend habe ich mich anderweitig orientiert.“ Allerdings nur was den Arbeitgeber angeht – thematisch fühlt sich Fleischer schon damals im Bereich Logistikimmobilien zu Hause. Aus einem einfachen Grund, wie er sagt: „Ich mochte von Beginn an die Ehrlichkeit und Authentizität, die in der Logistik herrschen. Es gibt kein überflüssiges Tamtam – im besten Sinne sind die Verantwortlichen dort ‚hemdsärmelig‘ und zupackend. Damit heben sich Logistiker sehr positiv von weiten Teilen der Immobilienwirtschaft ab.“ Außerdem schätzt Fleischer die Vielfalt, die ihm seine Tätigkeit bietet. „Alles, was wir konsumieren oder in die Hand nehmen, lag vorher mal in einem Lager. Das bietet ausreichend Potenzial für ein ganzes Berufsleben.“

Grund genug für Fleischer, sich 2006 bei einem belgischen Logistikimmobilienentwickler zu bewerben. Da meint es das Berufsschicksal erneut gut mit ihm. „Noch bevor ich meinen Job dort beginnen konnte, wurde die Plattform von dem australischen Unternehmen Goodman übernommen. Aus meiner Sicht ein wahrer Glücksfall, denn es bedeutete mehr Investitionen und auch eine andere Perspektive.“

Auch für ihn selbst brechen durch den Wechsel andere Zeiten an. Weil verschiedene Führungskräfte das Unternehmen verlassen, erhält Fleischer, der bislang in der technischen Umsetzung tätig war, die Chance in den Vertrieb von Logistikimmobilien hineinzuschnuppern. Ein Bereich, in dem sich der Manager sofort wohlfühlt. Deshalb zögert er auch nicht, als Goodman ihm anbietet komplett dorthin zu wechseln. „Inhaltlich war das Beraten sofort meins, ich habe auch gemerkt, dass ich das gut kann. Hinzu kam, dass ich durch meine Erfahrungen in der operativen Umsetzung Kunden immer genau sagen konnte, was geht und was vielleicht eher schwierig ist.“

Zielführende Strategie

Bei Goodman kann Fleischer sich jedoch nicht nur beruflich weiterentwickeln. Auch die Wirtschaftskrise von 2008, die ein schwerer Schlag für die Logistikimmobilienwirtschaft ist, übersteht er dort. „Goodman hatte glücklicherweise eine gute und zielführende Strategie parat, um schnell aus dem Krisenmodus herauszukommen. Dadurch konnten wir uns rasch wieder auf das Wesentliche konzentrieren, während andere noch mit sich selbst beschäftigt waren“, so der Fachmann. Das macht man sich bei Goodman zunutze, um große Projekte anzuschieben, an denen auch Fleischer beteiligt ist. „Wir haben in dieser Zeit angefangen viel für Amazon zu entwickeln, aber auch für Zalando und die Automotivebranche.“

Gestärkt mit viel Erfahrung macht sich Fleischer 2014 erneut auf zu neuen Karriere-Ufern und wechselt zum britischen Entwickler Segro, wo er auch gleich neue Themen in Angriff nimmt. Statt großen Logistikzentren auf der grünen Wiese widmet sich der Experte einem damals noch wenig beachteten Trend: der letzten Meile. Urbane Logistik und wie man diese in Sachen Standorte sinnvoll umsetzen kann, werden sein neues Steckenpferd. „Ich war sehr froh, dass ich dieses Thema für Segro frühzeitig aufgreifen und für das Unternehmen etablieren konnte. Wir waren dadurch mit die ersten, die sich mit Logistikbauten in städtischen Räumen auseinandergesetzt haben“, erläutert Fleischer.

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Rund vier Jahre widmet er sich deshalb der Umsetzung dieser Bauarten, bis es für ihn abermals Zeit wird, seiner Karriere eine neue Wendung zu geben. „In meinem Herzen war ich ehrlich gesagt schon immer mehr Entrepreneur als Angestellter. Meine Eltern waren beide selbstständig, das hat mich sehr geprägt. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis auch ich etwas Eigenes aufziehe.“ Für diese wichtige Entscheidung in seinem Leben nimmt sich Fleischer sogar ein Sabbatical – möchte sich genau überlegen, wie es weitergehen soll. „Es war für mich sehr wichtig, mal richtig den Kopf frei zu bekommen und außerhalb von Planungen und Reportings zu leben. Ich habe mich in dieser Zeit auch viel um meine Familie gekümmert und etwa unser Haus am Düsseldorfer Stadtrand umgebaut“, erläutert Fleischer.

Sozialstandards wichtig

2019 tut sich der Unternehmer dann mit Dr. Wolfgang Dietz, dem Vorstandsvorsitzenden der Dietz AG, zusammen, um gemeinsam Logistikflächen zu entwickeln, die mehr sein sollen als große graue Boxen am Autobahnrand. Schon zu diesem Zeitpunkt spielen beispielsweise Sozialstandards beim Bau für Fleischer eine wichtige Rolle. Ein Thema, aus dem für den Manager etwas viel Größeres wird. „Nachhaltigkeit – das ist ja inzwischen fast ein Unwort – ist für mich die Herausforderung der Zukunft. Vor allem, wenn es um Logistikimmobilien geht. Überhitzte Städte, der steigende Flächenverbrauch und der Umgang mit Fahrern und Mitarbeitern werden uns noch lange beschäftigen. Je eher wir uns diesen Dingen mit klugen Lösungen widmen, desto besser“, so Fleischer. Aus diesem Grund engagiert er sich für dieses Thema auch ehrenamtlich – etwa als Vorstandsmitglied der Initiative Logistikimmobilien (Logix). „Wir müssen eine neue Art von Logistikimmobilien entwickeln, die auf unsere gesellschaftlichen Ziele einzahlen – zum Beispiel auf den Green Deal der EU. Das schafft die Logistikimmobilienwirtschaft aber nur gemeinsam. Deshalb möchte ich allen zurufen, macht mit und macht euch Gedanken!“

Auch in seinem eigenen Unternehmen wird Nachhaltigkeit in allen ihren Aspekten deshalb zukünftig das vorrangige Thema sein. Wie in den Jahren zuvor auch, verknüpft Andreas Fleischer dieses Ziel mit einem kleinen Neuanfang. Seit dem Frühjahr 2021 ist er alleiniger Gesellschafter der DF Industrial Partners AG. „Das Joint Venture war eine tolle Sache und hat mich sehr bereichert. Aber jetzt bin ich auch glücklich Entscheidungen alleine treffen zu können.“

Sandra Lehmann

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Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE