Logistikberufe: Gekommen, um zu gehen

Jörg Tylinda arbeitet als Interim Manager im Bereich Supply Chain Management und Logistik. Das bedeutet, dass er nie lange in einem Unternehmen bleibt. Wie das seine Sicht auf die eigene Karriere verändert hat und warum Abschiedsschmerz für ihn nichts Negatives ist.

 Bild: WindyNight/AdobeStock
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Sandra Lehmann
Logistikberufe

Jörg Tylinda hatte in seinem Berufsleben bereits viele Positionen – Director, Manager, Projektleiter. Das liegt allerdings nicht daran, dass er so oft den Arbeitgeber gewechselt hat, sondern an seinem eigentlichen Beruf: Tylinda ist InterimManager und spezialisiert auf Supply Chain Management und Logistik. Heißt: Alle sechs bis neun Monate wartet auf den Freiberufler ein neuer Mandant und damit auch eine neue Herausforderung. „InterimManager werden meist geholt, weil eine offene Position nicht so schnell besetzt werden kann oder weil ein dringender Change-Prozess im Unternehmen ansteht, für den der Blick eines außenstehenden Experten hilfreich ist. Größtenteils vergeht von der Anfrage bis zum ersten Arbeitstag dann weniger als eine Woche. Das bedeutet, man muss möglichst schnell in der neuen Situation ankommen und sich in die Strukturen vor Ort einarbeiten“, sagt Tylinda.

Unterstützung bekommt der Logistikexperte dabei von einem sogenannten Provider, einer Art Personalagentur, die auf die Vermittlung von InterimManagern spezialisiert ist. In Tylindas Fall ist das die Ludwig Heuse GmbH interim-management.de mit Sitz in Kronberg am Taunus. Die Agentur, seit 1993 spezialisiert auf kaufmännische und technische Projekte im In- und Ausland, hat in der Regel bereits im Vorfeld längeren Kontakt zum Mandanten und hält für den jeweiligen InterimManager Informationen zu den Gegebenheiten vor Ort und dem Ziel des Auftrags bereit.

Ins kalte Wasser zu springen bleibt Tylinda zufolge trotzdem nicht aus. Deshalb setzt der gelernte Industriekaufmann vor allem auf eine ausgeprägte Hands-on-Mentalität und gute Kommunikation. „Ich finde es wichtig, vom ersten Tag an zu signalisieren, dass ich Lösungen gern gemeinsam mit den Mitarbeitern finden möchte. Nicht nur, weil mir das Kooperative enormen Spaß bereitet und man auf die Unterstützung der Belegschaft angewiesen ist. Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass es nicht zum Erfolg führt, einem gewachsenen Team Entscheidungen von oben herab aufzudrücken“, betont Tylinda.

Problemanalyse gefragt

Essenziell, um ans Ziel zu kommen, ist laut dem InterimManager auch, sich immer selbst ein Bild von den Verhältnissen beim Mandanten zu machen. Nur dann könne man schnell einschätzen, wo etwaige Herausforderungen liegen. „Das kann bei jedem Kunden etwas Anderes sein. Manchmal ist der Zusammenhalt in einer Abteilung zerrüttet, beim nächsten Unternehmen fehlt es an Kooperation oder effizienten Prozessen. Um mit dieser Vielfalt umgehen zu können, sollte man tiefes logistisches Fachwissen und sozial-kommunikative Kompetenz gleichermaßen mitbringen“, so Tylinda. Hilfreich ist dem Fachmann zufolge auch eine hohe Flexibilität – nicht nur, um den ständigen örtlichen Veränderungen gewachsen zu sein. „In der Logistik gibt es ja oft festgelegte Standards für Prozesse. Allerdings werden diese in jeder Firma unterschiedlich ausgestaltet. Darauf muss man sich mental einstellen können. Dafür ist aber auch jeder Arbeitstag und auch jeder Auftrag – unabhängig von der Größe des Unternehmens – wahnsinnig spannend.“

Sich schnell in Projekte einzuarbeiten und ebenso rasch Ergebnisse zu liefern, erzeuge aber auch Druck, wie Tylinda sagt. Etwas, das der InterimManager als Herausforderung und Chance zugleich sieht. „Wer nur ein halbes Jahr Zeit hat, jahrelang gepflegte Routinen aufzubrechen und eine Veränderung herbeizuführen, muss vom ersten Tag an mit voller Kraft dabei sein. Schließlich muss man sich an dem messen lassen, was am Ende eines Mandats auf der Habenseite steht.“ Und nicht immer sind die gemeinsam erarbeiteten Neuerungen von langer Dauer. So hat Tylinda es bereits erlebt, dass die beschlossenen und eingeführten Änderungen nach seinem Weggang nicht konsequent umgesetzt wurden. Für den Restrukturierungsfachmann ist das jedoch eher Ansporn statt Niederlage. „Natürlich ist es erst einmal enttäuschend, wenn so etwas vorkommt. Allerdings komme ich dann auch schnell an den Punkt mir zu überlegen, was ich beim nächsten Mal besser machen und wie ich künftige Kunden nachhaltiger von Innovationen überzeugen kann.“

Neuer Fokus

Diese Einstellung hat auch mit Tylindas Blick auf das Thema Karriere zu tun, der sich seit seinem Einstieg ins InterimManagement vor einigen Jahren verändert hat. „Bevor ich diese Aufgabe übernommen habe, war ich 25 Jahre bei einem großen US-amerikanischen Konzern im Bereich Supply Chain Management und Logistik beschäftigt. Und natürlich hat man dort auch das eigene Vorwärtskommen im Hinterkopf. Ich habe mich beispielsweise jahrelang zum Director Materials einer Business Unit im Konzern hochgearbeitet.“ Bei seiner jetzigen Tätigkeit stehe jedoch immer das Projektziel im Fokus, nie der InterimManager selbst. Deshalb bedeutet beruflicher Erfolg für Tylinda heute vor allem, Meilensteine für den Mandanten zu erreichen. „Ich sage zu Beginn eines Auftrags gern den Satz ‚Ich komme, damit ich wieder gehen kann‘. Das heißt für mich, ich bin in einem Unternehmen, um für andere Verbesserungen umzusetzen oder kurzfristig eine entstandene Lücke zu kompensieren, nicht um befördert zu werden.“

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Kunden ärgern sich nicht mehr über zu große Pakete

Anders als man erwarteten könnte, ist es dafür aus Tylindas Sicht aber nicht notwendig zu neuen Teamkollegen auf Distanz zu bleiben – im Gegenteil. Der persönliche Umgang mit seinen Mandanten ist für den InterimManager von großer Bedeutung. Denn nur wer sich auf Mitmenschen einlässt, kann sie aus Perspektive des Logistikexperten für ein gemeinsames Ziel begeistern. Auch wenn das den Abschied am Ende eines Projektes nicht leichter macht. „Eine gewisse Wehmut ist in den meisten Fällen durchaus vorhanden. Aber das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Herzlich verabschiedet zu werden, zeigt ja auch, dass man etwas bewegt hat. Und mit Mitarbeitern ehemaliger Mandanten auch hinterher noch in Kontakt zu bleiben, ist für mich definitiv eine der schönsten Seiten an meinen Beruf.“

Außerdem geht auch Tylinda selbst nie mit leeren Händen aus einem Mandat heraus, wie er betont. „Ich möchte nicht nur etwas dalassen, sondern auch etwas mitnehmen. Zum Beispiel Fachwissen, aber auch Anregungen für künftige Aufträge oder einen besonders gelungenen Weg, ein gemeinsames Projekt umzusetzen.“

Sandra Lehmann

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