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Logistikberufe: Am liebsten bis zur Rente

Jennifer-Joy Ziegler ist Staplerfahrerin beim Logistikdienstleister Geis – und sie liebt ihren Job. Was das mit Fairness, der Suche nach Abwechslung und Souveränität zu tun hat.

Jennifer-Joy Ziegler ist Staplerfahrerin beim Logistikdienstleister Geis. In ihrem Job zählen vor allem Genauigkeit und Souveränität. Bild: Geis
Jennifer-Joy Ziegler ist Staplerfahrerin beim Logistikdienstleister Geis. In ihrem Job zählen vor allem Genauigkeit und Souveränität. Bild: Geis
Sandra Lehmann
Logistikberufe

Im Jahr 2018 fand man an der Hochschule Augsburg im Rahmen des Forschungsprojekts „MoLa – Motivationssteigerung für logistische Fach- und Hilfskräfte im Lager“ heraus, dass Mitarbeiter aus der Lagerlogistik ihren Job in den meisten Fällen gern machen und Freude an ihren Aufgaben haben. Zumindest dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auf Jennifer-Joy Ziegler, Staplerfahrerin beim Logistikdienstleister Geis in Gochsheim, trifft diese Annahme voll und ganz zu: „Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem ich keine Lust hatte zur Arbeit zu gehen oder mich mein Job gelangweilt hat. Im Gegenteil, ich lerne immer noch dazu oder bekomme eine neue Aufgabe“, sagt Ziegler über ihre Tätigkeit, zu der sie eher zufällig kam.

Nachdem sich die heute 29-Jährige zunächst zur Kinderpflegerin und dann zur Hotelfachangestellten hatte ausbilden lassen, verbrachte sie einige Zeit in der Gastronomie – arbeitete sogar im Ausland. Allerdings stand ihr irgendwann nicht nur der Sinn nach Abwechslung, sondern auch nach geregelten Arbeitszeiten. „Ein Freund, der bei Geis arbeitete, schwärmte mir von seinem Job dort vor. Die Aussicht in einem Zweischichtsystem eine bessere Work-Life-Balance zu finden und außerdem noch mal etwas Neues anzufangen, machte mich sehr neugierig. Deshalb habe ich mich einfach beworben“, erklärt Ziegler. Mit Erfolg – schon nach kurzer Zeit ist die junge Frau Teil des Geis-Teams, das sich um den Kunden Intersport kümmert,und wird dank Staplerschein von der Quereinsteigerin zur geschätzten Vollzeitkraft.

„Meistens lagere ich die Ware, die für den Tag gebraucht wird, aus dem Hochregallager so um, dass die Kommissionierer darauf zugreifen können. Oder bringe die angelieferten Produkte vom Wareneingang zu den vorgesehenen Plätzen, um die Kollegen zu unterstützen. Außerdem springe ich auch gern an anderen Stellen ein, wenn Not an der Frau ist. Das bringt Abwechslung in den Joballtag“, so Ziegler. Dafür lässt sie sich auch gern immer wieder in neue Tätigkeiten einlernen oder bildet sich weiter. „Momentan lasse ich mir zum Beispiel zeigen, wie unser Lagerverwaltungssystem funktioniert, damit ich in der Kommissionierung arbeiten kann, wenn dort jemand Urlaub hat oder krank ist.“

Die Motivation, sich neue Aufgaben zu erschließen, findet Ziegler vor allem in zwei Dingen: dem Team vor Ort und der Tatsache, dass ihre Arbeit physisch und nicht rein digital stattfindet. „Ich sehe am Ende des Tages, was ich geleistet habe. Das ist schön und erfüllend. Außerdem geht bei uns nichts ohne gute Kommunikation. Weil sich Prioritäten schnell ändern können, haben wir sehr engen Kontakt zu den Mitarbeitern im Kommissionierbereich. Das stärkt das Wir-Gefühl, das hier ohnehin großgeschrieben wird“, erklärt Ziegler.

Teamgeist als Hilfestellung

Dieser Teamgeist hätte ihr vor allem am Anfang geholfen, einen leichten Einstieg in die Logistik zu finden – und bestimmte Eigenschaften, die die junge Frau bereits mit im Gepäck hatte. So sagt die ehemalige Gastronomiefachkraft, dass Genauigkeit, Verlässlichkeit, Stressresistenz und Souveränität wichtig sind, um in der Logistik zu bestehen. „Um den Kollegen die Arbeit zu erleichtern, ist es wichtig, Waren für die Kommissionierung richtig vorzusortieren. Schuhe etwa der Größe nach, damit das richtige Produkt schneller gepickt werden kann.“ Das Wichtigste, so Ziegler, sei aber ein höflicher und fairer Umgang miteinander – gegenüber Kollegen, Fahrern, die Ware anliefern, und natürlich auch der Chefetage. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einem dann in der Regel derselbe Respekt entgegengebracht wird. Diese Atmosphäre macht für mich das Besondere an meinem Arbeitgeber aus und trägt dazu bei, dass ich gern hier bin.“

Fairness und Unterstützung habe Ziegler auch während der Coronapandemie erfahren. „Da unser Kunde ein Retailer ist, hatten wir während des Lockdowns viel weniger zu tun als vorher. Anstatt nach Hause zu gehen, haben wir als Team gefragt, ob wir nicht irgendwo anders gebraucht werden. Und so durften viele von uns bei den Kollegen aushelfen, die über Geis für den Medizintechnikhersteller Fresenius arbeiten, worüber sich auch die Kollegen dort aufgrund der hohen Auftragszahlen sehr gefreut haben.“

Dabei werde Ziegler als Frau genauso anerkannt wie alle männlichen Kollegen. „Ich habe im Job tatsächlich noch nie negative Erfahrungen wegen meines Geschlechts gemacht. Es gibt gelegentlich Männer, die ein bisschen erstaunt sind, wenn Sie merken, dass ich ihnen gerade den Lkw entladen habe. Aber da schwingt eher Anerkennung mit. Und auch hier gilt: Wer nett ist, wird genauso behandelt.“

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Ohne Logistik geht nichts

Um anderen zu zeigen, dass ein Job in der Logistik Spaß machen kann, hat sich Ziegler für die Kampagne „Logistikhelden“ der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ ablichten lassen. „Ohne Logistik geht nichts. Das habe ich in meinem Job sehr schnell gelernt. Diese Erkenntnis möchte ich an andere weitergeben und damit auch etwas für das Image des Wirtschaftszweigs tun“, sagt sie. Dieses Image entspreche nämlich aus Sicht der Logistikerin nicht der Realität. „Bevor ich bei Geis anfing, dachte ich immer, dass es in so einem Logistikzentrum sicher irgendwie schmuddelig ist. Seitdem ich hier arbeite, weiß ich:Das Gegenteil ist der Fall.“

Genau deshalb möchte Ziegler dem Wirtschaftsbereich noch länger treu bleiben. „Wenn es nach mir geht, dann gerne bis zur Rente.“ Um ihren Job macht sie sich auch im Zuge zunehmender Automatisierung keine Sorgen. „Ich denke, dass es für den Fall, dass es mal einen Ausfall des Systems gibt, den Menschen neben der Maschine immer geben muss. Denn es muss jemand wissen, wie man einen Stapler richtig bedient und wie man mit einer Pickliste umgeht, auch wenn wir hier am Standort mit Google Glass und anderen innovativen Techniken arbeiten.“ Zudem soll der Sitz im Flurförderzeug nicht die letzte Station für Ziegler sein. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, irgendwann eine Führungsposition zu übernehmen“, sagt sie. Allerdings nicht in einem Büro, wie sie betont, sondern weiterhin in der Fläche. „Da fühle ich mich am wohlsten.“

Sandra Lehmann

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Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE