Karriere: Logistik im Blut

Patrick Groth ist mit dem Wirtschaftszweig Logistik aufgewachsen und hat sich später selbst für eine Karriere in diesem Bereich entschieden. Was ihn an dem Thema fasziniert und warum er Freiheiten im Job für essenziell hält.

Patrick Groth und seine Mitgründer bei Logatik sind spezialisiert auf Process Mining in der Logistik. Bild: VectorMine/AdobeStock
Patrick Groth und seine Mitgründer bei Logatik sind spezialisiert auf Process Mining in der Logistik. Bild: VectorMine/AdobeStock
Sandra Lehmann
Logistikberufe

Seine ersten Berührungspunkte mit der Logistik hat Patrick Groth, Gründer und Geschäftsführer der Logatik GmbH mit Sitz in Erlangen, bereits in jungen Jahren: Mit gerade mal 15 Jahren steht Groth in einem damals frisch erbauten Logistikzentrum des Konsumgüteranbieters Conrad Electronic in Wernberg-Köblitz – und ist sofort fasziniert. „Es war riesig, hoch automatisiert und ziemlich komplex. Da ich bereits seit meiner Kindheit ziemlich technikaffin bin, hat das Distributionszentrum sofort eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt“, erklärt der Jungunternehmer.

Logistik von Anfang an

Aber auch die Tatsache, dass er quasi im Wirtschaftszweig Logistik aufgewachsen ist, schürt sein Interesse für das Thema früh. Groths Vater, selbst sein ganzes Berufsleben lang in der Logistik tätig, war bereits bei Conrad Electronic angestellt und ist aktuell Logistikverantwortlicher beim Musikhaus Thomann. „Das Thema war natürlich meine ganze Kindheit und Jugend über präsent. Und natürlich tausche ich mich besonders heute, wo ich selbst im dem Bereich arbeite, regelmäßig mit meinem Vater aus“, so Groth. Über die Jahre entwickelt der Unternehmensgründer aber nicht nur eine Faszination für den Wirtschaftszweig, sondern auch Respekt für die Menschen, die dort tätig sind. „Einen meiner ersten Ferienjobs hatte ich bei Conrad Electronic in der Versandabwicklung. Ich habe damals fertige Pakete in Container sortiert. Das ist sehr anstrengend. Aber ohne all die Menschen, die diesen Job machen, würde kein einziger Artikel je beim Kunden ankommen.“

Obgleich für Groth weitere Nebenjobs und Praktika in der Logistik folgen, nimmt seine Karriere zunächst eine andere Wendung. Er studiert Informatik und arbeitet anschließend für Konzerne wie Deloitte oder Siemens. Erst als er beschließt, sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen, kommt ihm die Logistik wieder in den Sinn. „Das Beeindruckende an diesem Thema ist ja, dass man als Privatperson immer denkt, das geht einen nichts an, damit hat man nichts zu tun. In Wirklichkeit ist es aber ja so, dass Logistik unser ganzes Leben beeinflusst, weil ohne sie nichts geht. Daran habe ich mich erinnert, als erstmals die Idee aufkam, was Eigenes auf die Beine zu stellen“, sagt Groth. Davon, wie essenziell Logistik ist und wie wichtig vor allem reibungslose Prozesse sind, kann er auch seine beiden Logatik-Mitgründer überzeugen.

Zeitgleich möchte Groth die Chance wahrnehmen, ein bislang eher unterbeleuchtetes Thema in der Logistik zu etablieren: das Process Mining, also die professionelle Analyse von Prozessen anhand von Daten. „Grob gesagt funktioniert Process Mining wie ein Röntgengerät für Unternehmensprozesse. Besonders in der Logistik bietet sich dieses ‚Durchleuchten‘ an, weil es das Management und die Mitarbeiter dazu befähigt, sich den aktuellen Herausforderungen des Wirtschaftszweigs zu widmen. Also etwa der Digitalisierung von Geschäftsmodellen, der notwendigen Transparenz in der Wertschöpfungskette und dem Kostendruck“, erklärt Groth.

Daten sammeln und analysieren

Dabei kommen ihm sein Studium als Informatiker und seine bisherige Berufserfahrung zugute. Denn rund 70 Prozent seiner täglichen Arbeit bestehen darin, Daten zu sammeln und für eine Analyse aufzubereiten. Bei der Interpretation der Informationen allerdings ist Groth zufolge Logistikexpertise gefragt. Hierfür hat sich der junge Firmengründer externe Unterstützung gesucht. „Wir arbeiten an dieser Stelle mit freien Mitarbeitern zusammen, die in der Regel rund 20 bis 25 Jahre Berufserfahrung in der Logistik mitbringen. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden gut beraten werden“, sagt Groth.

Ein Unternehmen zu gründen und ein neues Thema in der Logistik salonfähig zu machen, bedeutet neben viel Arbeit auch erheblichen Druck, wie Groth erläutert. Allerdings hat er durch ein Schlüsselerlebnis als Student frühzeitig einen Weg gefunden damit umzugehen. „Ich war damals für die studentische Beratung tätig. Dort durfte man bereits vor Abschluss seines Studiums an Projekten für große Firmen mitarbeiten. In unserem Fall ging es um die Verbesserung von Prozessen. Abgesehen davon, dass wir das erste Mal auf C-Level unterwegs waren, kam erschwerend hinzu, dass wir eigentlich nicht wirklich Erfahrungin der Praxis hatten. Kurz vor der abschließenden Präsentation war der Druck schon hoch“, schildert Groth die damalige Lage. Allerdings führt das auch dazu, dass Groth sich der Situation bewusst stellt und versucht sie trotz mangelnder Erfahrung zu meistern.

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Mit Erfolg:Das Konzept, das er und seine Kollegen vorschlagen, wird umgesetzt. „Letztlich war das ein wichtiger Impuls dafür, über die Gründung von Logatik nachzudenken. Denn ich wusste auf einmal, dass man auch schwierige Aufgaben meistern kann, wenn man nur genügend Motivation und Leidenschaft mitbringt. Und die haben wir bei Logatik.“

Zudem bringt Groth noch weitere Fähigkeiten mit, die sich für eine Tätigkeit in der Logistik eignen. „Ich würde mich selbst als sehr stressresistent bezeichnen und habe sowohl beruflich als auch sozial ein gutes Netzwerk im Rücken, auf das ich mich verlassen kann.“

Diese Gelassenheit trägt auch dazu bei, dass Patrick Groth der Aufgabe in absehbarer Zeit Chef einer größeren Anzahl von Mitarbeitern zu sein, mit Freude und auch mit einer Vision entgegensieht. „Ich möchte, dass meine Mitarbeiter genauso viel Spaß an der Arbeit haben wie ich und den Bereich Logistik genauso zu schätzen lernen. Deshalb möchte ich als zukünftiger Vorgesetzter vor allem Freiräume schaffen, in denen kreative Entfaltung möglich ist. Ich konnte es selbst nie leiden, wenn mir jemand haargenau erklärt hat, was ich wie zu tun habe. Hatte ich hingegen genügend Freiheiten, habe ich meistens am besten gearbeitet.“

Sandra Lehmann

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Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE