Berufe in der Logistik: Nebenjob Feuerwehrfrau

Dr. Maike Rotmann, Leiterin der Abteilungfür Distributionssysteme und Nachhaltigkeit bei BMW, ist begeisterte Logistikerin. Warum sie gern Feuer löscht und was es mit der Fünf-drei-eins-Regel auf sich hat.

Dr. Maike Rotmann, Leiterin der Abteilungfür Distributionssysteme und Nachhaltigkeit bei BMW Bild: BMW
Dr. Maike Rotmann, Leiterin der Abteilungfür Distributionssysteme und Nachhaltigkeit bei BMW Bild: BMW
Sandra Lehmann
Logistikberufe

Größtmögliche Eigenverantwortung – mit diesem Stichwort beschreibt Dr. Maike Rotmann, Abteilungsleiterin für Distributionssysteme und Nachhaltigkeit beim Autobauer BMW, ihren Führungsstil. Eine Strategie, die für die Managerin in vielerlei Hinsicht aufgeht. „Die wichtigsten Faktoren, um einen Job in der Logistik gut auszufüllen, sind Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit schnell Probleme lösen zu können. Beides ist nur möglich, wenn man dazu den Spielraum erhält. Meistens ist es nämlich so, dass derjenige eine Herausforderung am besten bewältigt, der unmittelbar damit konfrontiert ist und dessen Arbeitsbereich sie betrifft“, ist Rotmann überzeugt.

Das bedeute allerdings nicht, Mitarbeiter mit Problemlagen allein zu lassen, wie die Managerin betont. Im Gegenteil, ein Unternehmen müsse zusätzlich immer Möglichkeiten bieten, eigene Lösungsansätze mit anderen zu reflektieren. Dazu nutzt die Logistikexpertin, die bei Thyssenkrupp und am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund promoviert hat, gern die Fünf-drei-eins-Regel. „Dabei geht es darum, ein Problem in fünf Sätzen zu beschreiben, drei Lösungsalternativen vorzuschlagen und eine Empfehlung auszusprechen. Auch für mich selbst ist dieses Gedankenspiel oft hilfreich, um neue Wege im Kopf aufzumachen und bessere Lösungen zu finden“, erklärt Rotmann.

Fehler- und Lernkultur im Blick

Hinzu käme das Arbeitsumfeld, das auf diese Art von Führungsmentalität einzahlen müsse. Dazu zählten etwa Werte wie eine gewisse Fehler- und Lernkultur. „Wenn etwas nicht funktioniert oder schiefgelaufen ist, muss es erstens ehrlich kommuniziert und zweitens ein neuer Lösungsansatz gefunden werden. Dazu ist sowohl Vertrauen auf allen Seiten notwendig als auch die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln und die Fähigkeit, sich immer wieder neu auf Probleme einzulassen“, sagt die Managerin. All das sei aus ihrer Sicht bei der BMW Group der Fall – ein Grund, warum sich Rotmann für das Münchner Unternehmen entschieden hat. „Verantwortung, Vertrauen und Offenheit werden hier aktiv gelebt. Und auch Ideen werden über alle Hierarchien hinweg gefördert. Das erleichtert es uns, auch in der Logistik voranzukommen.“

Gleichzeitig ermöglicht ein hohes Maß an Eigenverantwortung aus Sicht der Maschinenbauerin, die größte Erfüllung zu finden, die es für sie in der Logistik gibt: die Gestaltung neuer Strukturen. „Weil sich in unserem Job täglich so viel verändert und man immer wieder umdisponieren muss, hat man gleichzeitig die Möglichkeit viel zu bewegen und neu zu modellieren. Wer sich frei fühlt, Ideen einzubringen und merkt, dass man ihm das auch zutraut, der kann dieses Potenzial in der Regel voll ausschöpfen“, sagt die Managerin.

Wie befriedigend dieses Gefühl sein kann, sieht Rotmann derzeit vor allem beim Thema Nachhaltigkeit. „Viele Stellhebel, um Ressourcen zu sparen und Arbeitsbedingungen rund um den Globus zu verbessern, liegen in der Logistik und im Supply Chain Management. Wer etwas verändern möchte, ist hier also goldrichtig. Insbesondere für eine jüngere Generation gibt es beim Punkt Nachhaltigkeit ja auch keine so starre Grenze mehr zwischen Beruflichem und Privatem. Das bedeutet, dass man in diesem Jobumfeld etwas bewegen kann, das einem auch persönlich am Herzen liegt“, so Rotmann.

Um Ziele wie dieses zu erreichen, muss man der 34-Jährigen zufolge vor allem eine analytische Denkweise und eine hohe Kommunikationsfähigkeit mitbringen. Denn im Wirtschaftsbereich Logistik gelte es, thematisch viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu jonglieren und unterschiedliche Unternehmensbereiche an einen Tisch zu bringen. „Logistik ist eine interdisziplinäre Angelegenheit und hat eine Querschnittsfunktion. Es ist also unabdingbar, dass man in ständigem Austausch mit anderen ist und gelegentlich auch die Funktion des Übersetzers übernimmt, das heißt die unterschiedlichen ‚Sprachen‘ der Abteilungen auf einen Nenner bringt. Denn nur, wenn alle wissen, was das eigentliche Ziel ist, kann man sich auch gemeinsam auf die Reise machen.“

Wie gut das klappen kann, hat die Logistikexpertin in einem fachübergreifenden Projekt bei der BMW Group erfahren. Gemeinsam mit Kollegen aus anderen Abteilungen sollte eine Lösung entstehen, mit der Fahrzeuge selbstständig ihren Status innerhalb der Supply Chain mitteilen können. „Am Anfang war es so, dass bei den Meetings nie etwas herausgekommen ist, weil wir alle aneinander vorbeigeredet haben. Auch extern wurde uns gespiegelt, dass solche Projekte meist zum Scheitern verurteilt sind. Dann haben wir angefangen einander zu erklären, was mit bestimmten Begrifflichkeiten gemeint ist und wo für die einzelnen Beteiligten der Knackpunkt bei der Lösungsfindung liegt“, erläutert Rotmann. Das Ergebnis dieser Anstrengung kann sich sehen lassen: Das Projekt ist umgesetzt und die Lösung seit 2018 in der BMW-Logistik im Einsatz.

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Herausforderungen lieben

Kommunikationslücken sind allerdings nicht die einzigen Hürden, die den Logistikalltag prägen: „Einerseits ist es unsere Aufgabe robuste und effiziente Prozesse zu planen, anderseits lösen sich diese Planungen im operativen Geschäft auch sehr schnell auf, weil etwas dazwischenkommt. Dann muss man sehr schnell umdisponieren können. Im Grunde sind wir Logistiker im Nebenjob Feuerwehrfrauen und -männer, weil es immer irgendwo brennt. Natürlich kann das zuweilen auch anstrengend sein – und das muss man wollen und mögen.“

Für Rotmann, die durch ihre Arbeit bei Thyssenkrupp sehr früh Einblick in die praktische Seite der Logistik gewonnen hat, war die Entscheidung für einen Beruf im Wirtschaftszweig deshalb eine bewusste. „Ich hatte das Glück, dass ich durch meine Freundin sehr früh auf das Thema Logistik aufmerksam geworden bin und dass die anschließende Studienberatung sehr motivierend war. Die Leute dort haben mir von Anfang an vermittelt, dass Logistik ein Zukunftsfeld ist, in dem qualifiziertes Personal gebraucht wird. Und ich für meinen Teil hatte sofort den Eindruck, dass Logistik wie für mich gemacht ist. Alles, was ich danach erlebt habe – egal ob im Studium oder im Beruf – hat mich jeden Tag aufs Neue begeistert.“

Das möchte sie auch anderen mit auf den Weg geben, die sich für die Logistik interessieren und mit dem Gedanken spielen hier einen Beruf zu ergreifen. „Egal woher ihr kommt oder welches Geschlecht ihr habt, traut euch einfach, probiert euch aus! Es ist wichtig, sich im Leben über die eigenen Stärken bewusst zu werden und diese klug und authentisch einzusetzen. Damit kann man es im Leben und auch im Job weit bringen.“ Um diese Sichtweise in die breite Öffentlichkeit zu tragen, engagiert sich Rotmann bei der Initiative Die Wirtschaftsmacher.

Sandra Lehmann

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Artikel Berufe in der Logistik: Nebenjob Feuerwehrfrau
Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE