Berufe in der Logistik: Hinter dem Prozess

Loubna Gilani hat ihren Werdegang als Auszubildende begonnen. Darüber, wie aus Neugierde und Leidenschaft Karriere wird.

Ob See-, Luft- oder Landweg: Loubna Gilani hat in ihrer Position als Area Managerin mit allen Bild: enanuchit/AdobeStock
Ob See-, Luft- oder Landweg: Loubna Gilani hat in ihrer Position als Area Managerin mit allen Bild: enanuchit/AdobeStock
Sandra Lehmann
Logistikberufe

Loubna Gilani ist 22 Jahre und junge Mutter, als sie sich entschließt eine Ausbildung zu beginnen. Der Plan: Speditionskauffrau. Kein leichtes Unterfangen, denn angepriesen wird ihr der Job nicht: „Der Berufsberater hat versucht, mir das Ganze auszureden. Er meinte, als Frau wäre es in der Logistik wegen des rauen Tons nicht einfach. Ob ich mir das wirklich zutrauen würde.“

Statt sich abschrecken zu lassen, recherchiert Gilani auf eigene Faust und lernt, dass sich hinter dem Begriff Logistik mehr verbirgt als Lkw und reine Männerbelegschaften. „Je mehr Informationen ich mir selbst gesucht habe, desto größer wurde meine Neugier. Ich wollte wissen, warum wir im Supermarkt einfach so Produkte aus Argentinien, Mexiko und den USA aus dem Regal ziehen können und welche Prozesse damit verbunden sind. Außerdem hat mich der Job durch seine thematische Vielfalt und globale Präsenz von Anfang an animiert, mich mit unterschiedlichen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Das fasziniert mich noch immer am meisten an meinem Beruf.“

Ausleben kann die heutige Führungskraft diese Vorliebe gleich in ihrem ersten Job als Sachbearbeiterin Seefahrt Export Automotive bei Hellmann Worldwide Logistics – einer Tätigkeit mit hoher Internationalität und Anspruch, wie Gilani betont: „Hier ist der Servicelevel ganz entscheidend. Wer im Automotive seine Logistikdienstleistung in andere Hände gibt, möchte, dass alles reibungslos läuft. Die Fehlertoleranz ist dementsprechend gering. Man lernt deshalb sehr schnell,einhundert Prozent und mehr zu geben.“ Für Gilani ein klarer Vorteil: „Gleich mein erster Job hat mich motiviert, Prozesse immer wieder zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Und auch der Blick für alles Übergreifende wird in einer solchen Position geschärft. Das ist bis heute für mich die wichtigste Eigenschaft, die man für einen Job in der Logistik mitbringen muss: sich nicht mit dem Status quo zu begnügen.“

Fäden zusammenführen

Mit dieser Einstellung und einem nebenberuflichen Studium zur Betriebswirtin hat Gilani es über Positionen als Team- und Niederlassungsleiterin zur Area Managerin Nordrhein-Westfalen bei Hellmann geschafft. In dieser Funktion ist sie für sechs Niederlassungen, mehr als 300 Mitarbeiter, unterschiedlichste Logistikprodukte und Services sowie verschiedene Transportarten zuständig.

Vielfalt, die es Gilani aus eigener Sicht auch ermöglicht, all jene Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen, die sie sich in ihrer bisherigen Karriere aneignen konnte: die Fäden zusammenführen, mit anderen zu kooperieren, Güter in einem Netzwerk zu bewegen und vor allem unterschiedliche Sparten von Luft- und Seefracht bis hin zu Landverkehr und Kontraktlogistik gewinnbringend zu verquicken. „Ich denke,relevant für den Job ist zum einen, dass man in komplexen Zusammenhängen denken kann und auch mal über den Tellerrand hinausschaut. Denn das ermöglicht es, Kundenwünsche in eigene Prozesse zu integrieren. Außerdem ist es wichtig, Menschen miteinander zu verbinden, sich ehrlich für sie zu interessieren, sich auf sie einzulassen sowie Beziehungen zu fördern und zu pflegen. Humor und starke Nerven können auch nicht schaden.“

Insbesondere Letzteres immer wieder zu trainieren, war für die Logistikexpertin von entscheidender Bedeutung, wie sie selbst sagt. „In diesem Punkt hatte der Berufsberater durchaus recht: Für Frauen war die Logistik vor 20 Jahren kein einfaches Pflaster, und sie ist es auch heute noch nicht komplett. Nach wie vor ist Selbstbewusstsein gefragt, wenn man hier bestehen möchte. Mir ist klar, dass das vielen weiblichen Mitarbeitern nicht von Beginn an angenehm ist, aber meiner Erfahrung nach kann man das durchaus lernen. Und zwar ohne die jeweils eigene Art der Kommunikation zu vernachlässigen.“

Angehenden Logistikerinnen rät sie deshalb dazu, keine Scheu vor einer gesunden Dominanz zu haben und sich ruhig auch mal durchzusetzen – gerade dann, wenn man unter vielen männlichen Kollegen nicht gleich wahrgenommen wird. „Mit der Zeit findet man eine Balance zwischen Durchsetzungskraft und einer eher entgegenkommenden Art der Kommunikation. Das ist für mich heute ganz entscheidend, um alle Mitarbeiter – unabhängig vom Geschlecht – gleich gut erreichen zu können.“

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Das sei aber nur eine Seite der Medaille. Genauso wichtig wie Selbstbewusstsein und klare Ansagen ist aus Gilanis Sicht eine hohe Fachkompetenz und die Freude daran sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln. „Nur dann ist die Chance da, mitwirken zu können und etwas zu bewegen. Und letztlich ist es das, was die Logistik ausmacht: dass es keinen Stillstand gibt.“

Familiengefühl und Förderung

Unterstützung auf ihrem Karriereweg hat die Managerin vor allem durch ihre Familie, aber auch durch ihren langjährigen Arbeitgeber Hellmann Worldwide Logistics erfahren. „Die familiäre Atmosphäre und das Verständnis für unterschiedliche Lebensentwürfe war von Beginn an der Antrieb, direkt im Anschluss an meine Ausbildung vor mehr als 15 Jahren zu Hellmann zu wechseln. Vor allem weil mir das ermöglicht hat, mich trotz meines Jobs um meine eigene Familie zu kümmern. Gleichzeitig bin ich aber auch gefördert worden und durfte etwa am Führungskräfteprogramm teilnehmen. Für mich zeigt das letztlich, dass es ganz unterschiedliche Modelle geben kann, in der Logistik Fuß zu fassen. Ich bin eins davon.“Sandra Lehmann

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Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE