Berufe in der Logistik: Die Welt bewegen

Sina-Maria Schoenlein ist beim Handelsunternehmen Tchibo für die Nachhaltigkeit in der Logistik verantwortlich. Welchen Stellenwert sie dieser Aufgabe beimisst und was sie sich für die Zukunft wünscht.

Nachhaltigkeit auch im Bereich Logistik umzusetzen, ist für Sina-Maria Schoenlein wichtig. Bild: malp/AdobeStock
Nachhaltigkeit auch im Bereich Logistik umzusetzen, ist für Sina-Maria Schoenlein wichtig. Bild: malp/AdobeStock
Sandra Lehmann
Logistikberufe

An einer Stellschraube drehen und im Hintergrund unzählige Zahnräder auf sinnvolle Weise in Bewegung setzen – diese Komplexität hinter vielen Tätigkeiten in der Logistik fasziniert Sina-Maria Schoenlein von Anfang an. Seit die heutige Projektmanagerin Logistik und Nachhaltigkeit bei Tchibo im Wirtschaftsstudium mit dem Thema in Berührung gekommen ist, hat sie der Reiz daran nicht mehr losgelassen.

„Logistik ist ein sehr breites Feld mit vielen Dimensionen und Facetten. Genau deshalb ist ein Job hier so spannend. Täglich bieten sich einem neue Herausforderungen, denen man begegnen muss. Das macht jeden Arbeitstag anders und auch aufregend“, sagt die junge Projektmanagerin. Deshalb beschließt sie nach dem Ende des Bachelorstudiums diese neue Leidenschaft zu vertiefen und sich an der Kühne Logistics University um einen Masterstudienplatz im Bereich Global Logistics und Supply Chain Management zu bewerben. Und gleich auch in die Praxis einzusteigen. „Ich habe vor dem Masterstudium ein Praktikum bei der Reederei Hamburg Süd gemacht. Also Logistik pur. Das hat mich darin bestätigt, dass ich beruflich auf dem richtigen Weg bin“, betont Schoenlein.

Dieser Pfad führte die angehende Projektmanagerin nicht nur zu ihrem heutigen Arbeitgeber, sondern konfrontierte sie zugleich mit den wichtigsten Herausforderungen der Handelslogistik. Sie startete ein Praktikum im Transportbereich und in ihrer daran anschließenden Masterarbeit befasste sie sich mit der Optimierung der Filial- und Supermarktbelieferung. „Das Interesse an meinen Ergebnissen war groß. Kurz nach Abgabe der Masterarbeit fing ich an bei Tchibo zu arbeiten und mein erstes eigenes Projekt war es, die Ergebnisse meiner Masterarbeit in die Praxis umzusetzen. Das hat mich gleichermaßen gefordert und gefördert.“

Bei dieser einen Herausforderung bleibt es natürlich nicht. Nach ihrem Eintritt ins Unternehmen wird Schoenlein mit einer Aufgabe betraut, die ihr bereits nach kurzer Zeit zur Herzensangelegenheit wird: Nachhaltigkeit in der Tchibo-Logistik weiter vorantreiben. „Ich durfte das Thema von meiner Vorgängerin übernehmen, obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt noch keine Expertin dafür war. Ich musste mich also erst einmal einlesen und vor allem einarbeiten“, sagt Schoenlein. Mit Erfolg – heute hat die Managerin nicht nur ein großes Netzwerk zu anderen Unternehmen gespannt, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, sondern auch viel dazugelernt. „Ich merke zunehmend, wie mich der Nachhaltigkeitsgedanke und die Beschäftigung mit Umweltaspekten auch privat anregen mein Verhalten anzupassen. Ein Beispiel dafür sind etwa Verpackungen, die in diesen riesigen Mengen unnötig sind und damit vielerorts eingespart werden können.“

Nachhaltigkeit umsetzen

Grund genug für die Fachfrau dieses Ziel nicht nur im heimischen Haushalt zu verfolgen. Auch bei Tchibo steht das Thema nachhaltige Verpackung ganz oben auf der Agenda von Sina-Maria Schoenlein – unter anderem im Rahmen des Pilotprojekts PraxPack, in dem eine Mehrwegversandtasche im Praxiseinsatz getestet wurde. „Eine unglaublich tolle Erfahrung. Nicht nur, weil wir mit anderen Unternehmen gemeinsam an einer Lösung für Mehrwegversandtaschen arbeiten, sondern auch weil bereits der Test sehr gut bei unseren Kunden ankam. Die meisten waren begeistert und haben sofort mitgemacht, als wir den Mehrwegversand angeboten haben. Das zeigt, dass sich jetzt tatsächlich etwas verändert.“ Die Aufwärtsbewegung, die alle Projekte rund um das Thema Nachhaltigkeit gerade erfahren – sei es in Bezug auf Umwelt oder auch soziale Aspekte – sieht Schoenlein auch außerhalb des eigenen Unternehmens. Ein Umstand, der ihr Mut macht. „Ich spüre eine unheimliche Aufbruchstimmung im gesamten Wirtschaftszweig, sobald es um Nachhaltigkeit geht. Ich habe zu diesem Thema sehr viel und guten Austausch erlebt. Das macht unfassbar viel Freude und gibt mir das Gefühl, tatsächlich an einer ‚weltbewegenden‘ Veränderung mitzuwirken“, so Schoenlein.

In diesem Sinne möchte die Logistikexpertin dabei unterstützen, die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Hamburger Handelsunternehmens noch weiter auszubauen. Dazu hat Schoenlein unter anderen die Unternehmensstrategie „Anpacken 2030“ für die Logistik entwickelt. Zudem sollen zukünftig Nachhaltigkeitskriterien in den Einkauf von Logistikleistungen integriert werden. „Uns ist klar, dass wir auf diesem Weg noch ein ganzes Stück gehen müssen, aber die Mühe ist es wert. Schließlich haben wir in der Logistik so viele essenzielle Stellhebel für mehr Nachhaltigkeit in der Hand.“Veränderungsbereitschaft nicht nur bei großen Themen zu forcieren, sondern täglich zu leben, ist aus Sicht der Expertin tief in der Kultur von Tchibo verankert. So führen Schoenlein und ihre Kollegen in der Logistik regelmäßig sogenannte Change-Stand-ups durch. Dabei wird unter anderem besprochen, wie man Zusammenarbeit und Teamgeist verbessern und stärken kann.

Das Miteinander leben

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„Das ist tatsächlich etwas, das ich von anderen Unternehmen in dieser Art noch nicht mitbekommen habe. Für uns als Mitarbeiter/innen ist es ganz essenziell, dass es solche Mechanismen gibt“, so Schoenlein. Auch die Kommunikationsfähigkeit und der Mut auf andere zuzugehen – Fähigkeiten, die für Schoenlein als Projektmanagerin unabdingbar sind – werden bei den Hanseaten gefördert. „Bei Tchibo ist es üblich, sich mit Kollegen, die wir zum Beispiel in Meetings kennenlernen und mit denen vorher noch kein Anknüpfungspunkt bestand, zum Mittagessen zu verabreden. Das macht nicht nur Spaß und fördert den Austausch. Es ist auch eine prima Gelegenheit neue Ideen zu entwickeln und den eigenen Horizont zu erweitern, indem man einen anderen Blickwinkel einnimmt.“

Auch ihre Wünsche für die Zukunft sind von Veränderungsbereitschaft und der Lust auf Neues getrieben. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann, dass wir alle eine andere Perspektive auf die Logistik bekommen und sich beispielsweise etwas an der Auffassung ändert, die wir von der Geschwindigkeit logistischer Dienstleistungen haben. Nicht alle Produkte müssen immer gleich am Tag der Bestellung oder am nächsten da sein. Wir alle sollten darüber nachdenken, was unsere Erwartungshaltung bei steigenden Versandmengen für die Mitarbeiter und Umwelt in der Logistik bedeutet, zum Beispiel für Lkw-Fahrer.“

Um hier Verbesserungen herbeizuführen, ist aus Schoenleins Sicht ein transparenterer Blick auf den Wirtschaftszweig notwendig. Konsumenten müssten wissen, welche Prozesse sich genau hinter der Blackbox Logistik verbergen. Deshalb engagiert sich die junge Managerin auch in der Logistikinitiative Die Wirtschaftsmacher – um zu zeigen, was die Arbeit im Wirtschaftszweig tatsächlich ausmacht.

Sandra Lehmann

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Seite 22 bis 23 | Rubrik PROFILE