LOGISTIK HEUTE-Webinar: Gestärkt in die Zukunft

Welche Schlüsse lassen sich aus Disruptionen wie der Coronapandemie für das Supply Chain Design von Unternehmen ziehen? Dieser Frage widmete sich ein LOGISTIK HEUTE-Webinar.

Das SCM der Zukunft muss flexibel auf herausfordernde Situationen reagieren können. Bild: Riopatuca / Fotolia
Das SCM der Zukunft muss flexibel auf herausfordernde Situationen reagieren können. Bild: Riopatuca / Fotolia
Therese Meitinger
SCM

Es kommt vor allem auf die Geschwindigkeit an – daran waren sich in dem Webinar alle einig. Lokale Teams und übergeordnete Organisationseinheiten müssten gleichermaßen in der Lage sein, flexibel und zeitnah auf unvorhergesehene Ereignisse entlang der Lieferkette zu reagieren, stimmten die Experten Jean-David Risson (EyeOn) und Tony Player (Anaplan) überein.

In dem internationalen Webinar, das LOGISTIK HEUTE zusammen mit dem IT-Anbieter Anaplan am 26. Mai 2020 ausrichtete, nahmen sie die SCM-Learnings aus der aktuellen Coronapandemie in den Fokus. LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Matthias Pieringer moderierte die englischsprachige Veranstaltung.

Das Rückgrat des Webinars bildeten fünf Leitfragen: Wie sehen die Experten etwa die Workarounds, die Supply Chain Manager in der Krise zur Stabilisierung ihrer Lieferketten ansetzten? Mithilfe welcher Mittel können sich Unternehmen für eine mögliche weitere Welle im Rahmen der Pandemie aufstellen? Wie lassen sich globale Supply Chains in volatilen Zeiten aufrechterhalten? Welche Kapazitäten und Prozessanpassungen sind erforderlich, um gestärkt aus der Pandemie hervorzugehen? Und wie muss eine Planungslösung aufgebaut sein, die all das adressiert?

„Die Pandemie hat alle überrascht und verwirrt“, erläuterte Beratungsexperte Jean-David Risson, Country Manager Switzerland, EyeOn Swiss. „Die meisten Prozesse haben sich als obsolet und die Systeme als zu starr erwiesen.“ Dabei waren besonders in diesem Kontext schnelle Entscheidungen gefragt.

In der Krise habe sich besonders die zentrale Bedeutung des Faktors Mensch gezeigt, sagt Tony Player, Domain Principal Supply Chain Planning, Anaplan EMEA: „Menschen waren auf ihre interpersonellen Fähigkeiten zurückgeworfen, um kreative Lösungen zu finden.“ Als Hemmschuh habe sich dabei der zentralistische Ansatz vieler Unternehmen gezeigt, da er die lokale Entscheidungsfindung oft entschleunigte. „Lokal ausgerichtete Netzwerke ermöglichen ein größeres Maß an Resilienz“, nennt Player ein Learning aus der Krise.

Prozesse flexibel handhaben

Um das Geschehen auf lokaler Ebene jedoch in die strategische Unternehmensplanung einbinden zu können, brauche es Austausch und Transparenz entlang der Lieferkette. Diese können seiner Ansicht nach als Plattform angelegte Planungstools bieten. Transparenz ist auch die Grundlage, um eines der Learnings zu realisieren, die Jean-David Risson ausgemacht hat: „Um möglichen Pandemiewellen effektiv begegnen zu können, darf der operative Unternehmensbereich sich nicht zu sehr an definierten Prozessen orientieren.“ Das schränke die Anpassungsfähigkeit in zukunftsoffenen Situationen nur unnötig ein.

Wie sich Prozesse flexibel handhaben lassen, zeigte Jan Veerman, Managing Partner EyeOn Solutions, am Beispiel einer fiktiven Konfiguration der Plattformlösung Anaplan: In dem Use Case eines Make-up-Herstellers, der angesichts der Pandemie auf medizinische Produkte umstellte, passte Veerman das Produktportfolio flexibel an, reagierte auf den lokalen Einbruch von Herstellungskapazitäten ebenso wie Nachfrageexplosionen an anderer Stelle. Das Dashboard ließ sich dabei flexibel anpassen – der Anwender erhielt verschiedene Szenarien an die Hand.

Die Fähigkeit Szenarien zu erstellen und zu analysieren kann gerade in disruptiven Zeiten ein Trumpf für das Supply Chain Management sein. Darin zeigten sich die Webinar-Experten einig.

Therese Meitinger

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Seite 41 | Rubrik PRODUKTE