Logistiksoftware: Durchblick für das Fulfillment

Würth, Anbieter von Befestigungslösungen,erhöht die Transparenz entlang seines Versandprozesses mit einer Monitoring-Software und optimiert damit die Auftragsabwicklung.

Würth baut auf eine Supply Chain Monitoring-Lösung von AEB. Bild: Scanner GmbH
Würth baut auf eine Supply Chain Monitoring-Lösung von AEB. Bild: Scanner GmbH
Matthias Pieringer
Logistik-IT

Jedem Kunden seine individuellen Bedürfnisse erfüllen und ihm die Arbeit erleichtern, wenn es um die Versorgung mit Montage- und Befestigungsmaterial geht: Das ist der Anspruch der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

Dieser Anspruch macht die tägliche Arbeit der Würth-Logistiker zu einer Herausforderung. Schließlich bedienen sie mit mehr als 125.000 Artikeln über 540.000 Kunden. Und dazu zählt der Ein-Mann-Handwerksbetrieb genauso wie das regionale Bauunternehmen oder der global agierende Industriekonzern. Das in Künzelsau in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen setzt auf einen Mix aus Direktvertrieb, E-Business und stationärem Handel. Mehr als 530 Verkaufsniederlassungen versorgen die Kunden in ganz Deutschland bei Sofortbedarf und verfügen über einen Bestand von 5.000 bis 6.000 unterschiedlichen Artikeln.

Fehlt dem Kunden ein Teil auf der Baustelle oder in der Werkstatt, hilft der WürthSofort-Service: Kuriere liefern innerhalb von drei Stunden jeden Artikel des Kernsortiments aus einer nahegelegenen Niederlassung zum Kunden. Diese dienen damit quasi auch als „Mini-Regionallager“. Die Logistikservices und -prozesse haben sich über Jahre bewährt und erhielten im Jahr 2009 den Deutschen Logistik-Preis. Aber natürlich arbeitet Würth permanent an der Optimierung seiner Prozesse – wie etwa im Jahr 2016, als das Großprojekt „Auftrags- und Transportsteuerung“ ins Leben gerufen wurde.

„Wir wollten die Schwankungsbreite in unserer Lieferperformance weiter optimieren und die Services für unsere Kunden noch vorhersehbarer gestalten“, erklärt Mino Broselge, Leiter Fulfillment Logistik bei Würth. Auch wenn die Lieferqualität insgesamt stimmte, konnte es beispielsweise vorkommen, dass mehrere Lieferungen eines Auftrags zu unterschiedlichen Zeiten, an verschiedenen Tagen und mit verschiedenen Transportdienstleistern eintrafen.

Verbindlich und verlässlich

Das übergeordnete Ziel des Großprojekts: den Kundenservice weiter zu verbessern. „Wir wollten einen Paradigmenwechsel bei der Auftragsabwicklung herbeiführen“, sagt Dirk Antrack, Leiter Informationsmanagement Logistik bei Würth. Statt Kundenaufträge produktivitätsorientiert abzuarbeiten, sollte vielmehr die Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Transparenz gegenüber dem Kunden im Fokus stehen. Würth änderte daher die Vorgehensweise bei der Einlastung, Bearbeitung und Fertigstellung von Lieferungen. „Unser Taktgeber wurde der Zeitpunkt der Anlieferung beim Kunden“, erklärt Dirk Antrack.

Die Umstellung betraf den gesamten Fulfillment-Prozess, der sich seitdem an den Verladezeiten der Transportdienstleister orientiert. Betroffen davon sind insgesamt 15 Bearbeitungsschritte, die von der Bestellung bis zur Anlieferung beim Kunden neu definiert wurden.

Um die Einlastung und Steuerung von Aufträgen und Lieferungen immer weiter zu verbessern, nutzt Würth ein Monitoring-System des Stuttgarter Softwareanbieters AEB. Dieses hilft den Logistikern auf taktischer und strategischer Ebene, die Lieferperformance zu analysieren und Optimierungspotenzial im Gesamtablauf ebenso wie in den einzelnen Bearbeitungsschritten zu identifizieren.

In der Software sind dazu die Bearbeitungsschritte des Fulfillment-Prozesses als Meilensteine definiert und mit Sollzeiten versehen, die im Würth-SAP-System hinterlegt sind. Zudem sammelt sie Daten zu den Istzeiten etwa aus dem ERP- und Warehouse-Management-System von Würth sowie von den Transportdienstleistern. Diese Istzeiten gleicht das AEB-System mit den hinterlegten Sollzeiten ab. Auf diese Weise schafft die Software Transparenz, bei welchen Bearbeitungsschritten es wann, wo und wie oft zu Verzögerungen kommt und wo sich Bottlenecks gebildet haben.

Seit 2018 ist das Monitoring-System von AEB bei Würth im Einsatz. „Es hat sich seitdem richtig viel getan in Sachen Transparenz“, freut sich Broselge. Zudem hat Würth einen Mentalitätswechsel nicht nur im Management, sondern auch auf Teamleiterebene angestoßen. Denn die Logistiker des Unternehmens richten ihr Handeln jetzt nicht mehr ausschließlich an der individuellen Bereichsproduktivität aus, sondern am Lieferversprechen gegenüber den Kunden.

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In der Auftragseinlastung und -abarbeitung wird sichergestellt, dass die Verladequote auf Versandstellenebene eingehalten wird. Dazu werden aus der Applikation täglich entsprechende Berichte generiert. „Die AEB-Lösung hilft uns zu bewerten, wie gut wir unsere Versprechen Richtung Kunden eingehalten haben und wo noch Optimierungspotenzial liegt“, sagt Mino Broselge.

Mehr Transparenz gibt es auch in Richtung der Transportdienstleister. Ihre Lauf- und Zustellzeiten können durch das Monitoring-System bewertet werden. Das hilft, Schwachstellen zu identifizieren. Verlässt beispielsweise eine Sendung rechtzeitig die Würth-Logistik, kommt aber dennoch verspätet beim Kunden an, kann der Großhändler explizit beim Dienstleister nachfragen und gemeinsam eine Lösung des Problems erarbeiten.

„Wir wollten Problemfelder erkennen, um die Effizienz in der Prozessoptimierung zu steigern“, sagt Broselge. „Und das ist uns mit dem Monitoring-System der AEB gelungen.“Am Ende der Lieferkette freuen sich aber vor allem die Kunden. „An unseren gesteigerten Einhaltungsquoten merken wir, wie sich die Logistikqualität verbessert und wie stabil und verbindlich wir bei unseren Lieferungen geworden sind“, zeigt sich der Würth-Logistiker zufrieden.

Detailliertere Analysen

Auch wenn das Projekt eigentlich abgeschlossen ist, zeigen sich immer wieder weitere Vorteile des Monitoring-Systems von AEB – aktuell etwa in Sachen Big Data. „Wir rufen gerade ein sehr großes Statistiksystem ins Leben. Daten, die wir aus der AEB-Software bekommen, übertragen wir in unser Statistiksystem SAP BI und verknüpfen sie dort mit unseren Vertriebsdaten“, erklärt Dirk Antrack. Mit dieser Verknüpfung von Logistik- und Vertriebsdaten will Würth künftig noch detailliertere Analysen der Logistikperformance auf Kunden- und Branchenebene erstellen.

Einig sind sich Mino Broselge und Dirk Antrack in ihrem Fazit zur Anwendung: „Wir sind komplett transparent über den gesamten Auslieferungsprozess und können so gezielt weitere Prozessoptimierungen anstoßen.“ mp

Informationshub zur operativen Steuerung

Die AEB-Software umfasst auch Funktionen, mit denen nach Anbieterangaben die operativen Prozesse überwacht und besser gesteuert werden können. Dabei hilft die Software bei typischen Fragen wie: Platzt etwa ein Zustelltermin, weil die Ware noch nicht verpackt wurde? Könnte ein Kurier- oder Paketdienst statt des geplanten Spediteurs den Transport schneller zustellen? Oder schafft es der Spediteur doch noch rechtzeitig, selbst wenn er die Sendung erst am nächsten Tag bekommt? Kommt es tatsächlich zu einer verspäteten Zustellung, kann die Software auch automatisch etwa den zuständigen Kundenbetreuer informieren, damit dieser gegebenenfalls den Kunden vorwarnt.

Die AEB-Lösung verfügt auch über Funktionen für das Workload Monitoring. Diese helfen, während eines Arbeitstages in den Versandstellen laufend zum anstehenden Arbeitsvolumen je Intralogistik-Prozessschritt zu informieren.

Zudem lässt sich über das Workload Monitoring auch die Arbeitslast eines dedizierten Prozessschrittes – wie beispielsweise der Kommissionierung – im Stundenraster abbilden. So können die Ressourcen im operativen Betrieb gemäß dem geplanten und tatsächlich vorhandenen Workload bereichsübergreifend gesteuert werden.

Zur Unterstützung der Kapazitätssteuerung bei den Transportdienstleistern kann das AEB-System basierend aus aktuellen Ist- und Vergangenheitszahlen Packstück-Prognosedaten für den jeweiligen Arbeitstag liefern.

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Artikel Logistiksoftware: Durchblick für das Fulfillment
Seite 36 bis 37 | Rubrik PRODUKTE