Logistiksoftware: Clever konzipiert

Mit der schrittweisen Erweiterung und zunehmender Automatisierung hat die Firma Würth Elektronik eiSos ihrglobales Distributionszentrum in Waldenburg auf Verfügbarkeit und Effizienz bei kontinuierlichen Aufkommenssteigerungen ausgelegt.

Würth Elektronik eiSos baut auf die Warehouse Management Software PSIwms. Bild: Würth
Würth Elektronik eiSos baut auf die Warehouse Management Software PSIwms. Bild: Würth
Matthias Pieringer
IT

Mit Einrichtung eines globalen Distributionszentrums im baden-württembergischen Waldenburg hat die Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG Ende 2011 den Versand von Elektroteilen zentralisiert. Mit dem Ziel, den eigenen Service stetig zu verbessern und die Prozesskosten zu senken, wurden dabei Ausstattung und Prozesse von Beginn an auf höchste Skalierbarkeit ausgelegt. Dabei wurde nach 2014 und 2016 im Dezember 2019 eine dritte Erweiterungs- und Automatisierungsphase abgeschlossen.Damit hat das Unternehmen die Lagerkapazitäten in Waldenburg nahezu verdoppelt und die Prozesse weiter optimiert. Zudem berücksichtigen die jüngsten Maßnahmen bereits eine bei Bedarf mögliche vierte Ausbaustufe ab 2023.

„Daher haben wir bereits mit Einrichtung des Versandzentrums auf ein flexibles Warehouse Management System gesetzt, das künftige Anlagenerweiterungen und Prozessautomatisierungen unterstützen und uns kontinuierlich weitere Optionen zur Optimierung und Effizienzsteigerung bei der Auftragsbearbeitung erschließen kann“, erklärt Uwe Graf, Logistikleiter von Würth Elektronik eiSos in Waldenburg. Den Zuschlag erhielt das Warehouse Management System PSIwms aus der PSI Logistics Suite. „Die jeweils neuen Automatisierungskomponenten und Topologien sowie die geänderten Prozesse ließen sich mühelos mit dem PSIwms abdecken“, unterstreicht Graf.

Das PSIwms bietet den Angaben zufolge bereits im Produktstandard alle Funktionen, um die Geschäftsprozesse aller relevanten Lagerformen, -strategien und -technologien abzubilden, zu steuern und zu koordinieren. Zu den Alleinstellungsmerkmalen des aktuellen Release zähle unter anderem eine interaktive Lagervisualisierung, die die Lagerplätze etwa nach Füllgrad oder Reservierungssperren darstellt. Unter Berücksichtigung von realen Geokoordinaten lassen sich dabei bewegliche, dynamische Objekte wie Stapler oder Ladungsträger genau anzeigen.

Weitere Effizienzvorteile soll unter anderem der adaptive Auftragsstart erschließen. Mit künstlicher Intelligenz (KI) balanciert er bei der Prozesssteuerung selbstständig viele Lagerkennzahlen nach konfigurierbaren Parametern aus, um die Performance im Lager zu verbessern. Mit dem integrierten Warehouse Service Broker lassen sich zudem die Lager mehrerer Standorte virtualisieren und die zum Betrieb notwendigen Materialströme zwischen den physischen Standorten automatisch initiieren und steuern. So auch bei Würth Elektronik eiSos.

Mit seinen Shuttle- und Industrie-4.0-Realisierungen gilt das Distributionszentrum in Waldenburg dem Unternehmen inzwischen als „Musterfabrik zur Deckung individueller Kundenwünsche mit hohem Servicegrad“. Rund 2.000 B2B- und B2C-Aufträge mit mehr als 4.500 Positionen kommissionieren die Mitarbeiter im Waldenburger Distributionszentrum täglich. Gut 30.000 Artikel, passive Bauelemente für industrielle Anwendungen, werden dort für den weltweiten Versand vorgehalten. Für die Lagerung der Artikel stehen nach der jüngsten Erweiterung knapp 4.400 Palettenstellplätze im staplerbedienten Hochregallager (HRL) sowie rund 200.000 Behälterstellplätze in dem auf neun Gassen erweiterten Kleinteile-Shuttlelager zur Verfügung.

Schneller interner Materialfluss

Hochdynamische Fördertechnik, gesteuert von PSIwms, sorgt für schnellen internen Materialfluss zwischen Wareneingang, Shuttlelager, Kommissionierstationen, Packplätzen und Warenausgang. In PSIwms ist dazu eine automatische Wareneingangserfassung und Vereinnahmung von Vollkartons und behältergelagerten Einzelprodukten auf der Fördertechnik eingebunden. Die Auftragskommissionierung erfolgt unterstützt von Pick-by-Light- und Pick-to-Light-Systemen an 20 Stationen. Mit seiner Benutzeroberfläche führt PSIwms die Mitarbeiter an den Stationen durch die Kommissionier- und Versandfertigungsprozesse. Dabei ermittelt es an den Kommissionierstationen mit den hinterlegten Stammdaten unter anderem besonders sensible Halbleiter, Optoelektronik-Komponenten und elektromechanische Bauelemente. Sie werden zur Auftragsfertigung gezielt zwei separaten, antistatischen Kommissionierplätzen, so genannten ESD-Bearbeitungsplätzen, zugeführt.

An allen Kommissionierstationen können jeweils bis zu vier Aufträge parallel bearbeitet werden. Die Prozesse erfolgen Pick-to-Tote direkt in den Versandkarton. Dazu ermittelt PSIwms mit einer integrierten Case Calculation auf Basis der aktuellen Auftrags- und hinterlegten Artikeldaten für die Auftragspakete ein versandoptimierendes Packschema. „Damit decken wir die veränderten Auftragsstrukturen mit den gestiegenen Auftragszahlen bei immer kleinteiligeren Aufträgen“, erläutert Marko Kübler, hauptverantwortlich für Logistiksoftware und Prozesskontrolle im Logistikzentrum von Würth Elektronik eiSos. „70 Prozent der Auftragsposten kommen aus Kartonanbrüchen mit weniger als einer Versandeinheit.“ Es gibt bei den Waldenburgern keine Mindestbestellmenge. Zudem verschickt das Unternehmen kostenlose Bauteilmuster an Entwickler, sodass eine extrem hohe Anzahl von Entnahmen im Lager aufläuft.

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Von den Kommissionierstationen leitet die Fördertechnik die Zielbehälter zur Versandfertigung an eine von 21 Packstationen weiter. Dort werden alle erforderlichen Versandpapiere wie Lieferschein und Packstückinhaltsliste ergänzt, optional Value Added Services ausgeführt und der Versandkarton mit dem passenden Deckel verschlossen. Über die Fördertechnik mit vier integrierten Labeldruckern gelangen die Versandpakete schließlich auf einen Sorterumlauf, der im Warenausgang 27 Versandbahnen für unterschiedliche Destinationen und Dienstleister bedient. PSIwms sorgt für die auftrags- und gruppenbezogene Zuordnung der Packstücke, steuert die Umläufe der Pakete und stößt den Druck der individuellen Versandetiketten an.

Außerdem: Mit der Multisite-Fähigkeit des PSIwms deckt Würth Elektronik eiSos nicht nur Standardfunktionen wie Bestands- und Lagerplatzverwaltung sowie die Steuerung und Koordination der innerbetrieblichen Warenflüsse im Zentrallager Waldenburg ab. PSIwms ermöglicht die Koordination und Steuerung von Lagerprozessen und Distribution mehrerer Standorte. So steuert PSIwms auch die Bestandsverwaltung und Auftragsbearbeitung des Nachschubs sowie die koordinierte Auftragsabwicklung des Lagers von Würth Elektronik France im französischen Lyon.

Übergeordnetes WMS

Dieser Funktionsbereich wurde mit dem integrierten Warehouse Service Broker im aktuellen Release noch einmal erweitert. Als Zwischenebene unter dem ERP-System koordiniert und steuert er die WMS mehrerer Standorte – unabhängig davon, von welchem Hersteller die Softwarelösungen kommen. Damit lässt sich PSIwms als übergeordnetes WMS nutzen. Es clustert mehrere physische Lager(hallen) und ermöglicht eine durchgängige Vernetzung und Transparenz mit allen Vorteilen einer lagerübergreifenden Bestandsführung und -optimierung.

„Perspektivisch interessant“, urteilt Logistikleiter Graf und resümiert: „Die Logistik-Intelligenz und Effizienz unserer Prozesse liegt eindeutig im PSIwms. Die Zukunftsfähigkeit des IT-Systems bietet uns zudem langfristige Investitionssicherheit. Eine solide Basis für weitere gute Entwicklungsperspektiven. “mp

Würth Elektronik eiSos

Die Würth Elektronik eiSos Gruppe mit Sitz im baden-württembergischen Waldenburg ist einer der größten Hersteller von elektronischen und elektromechanischen Bauteilen. Die Elektronikspezialisten produzieren an 14 Werkstandorten weltweit und beschäftigen 7.300 Mitarbeiter. Der Direktvertrieb ist in 43 Ländern der Welt tätig. Auf dieser Basis hat die Unternehmensgruppe im Jahr 2020 einen Umsatz von 823 Millionen Euro erwirtschaftet.

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Artikel Logistiksoftware: Clever konzipiert
Seite 38 bis 39 | Rubrik PRODUKTE