Logistik-IT: Gleiche Lagerfläche, mehr Platz

Was tun, wenn das Sortiment wächst, die Lagerfläche aber begrenzt bleibt? Bürobedarfsspezialist Soennecken setzt auf eine Kombination aus AutoStore-Lager und Dispositionssoftware.

Um die Lagerfläche in seinem Overather Logistikzentrum besser auszunutzen, setzt Soennecken ein AutoStore-System ein. Bild: Soennecken
Um die Lagerfläche in seinem Overather Logistikzentrum besser auszunutzen, setzt Soennecken ein AutoStore-System ein. Bild: Soennecken
Therese Meitinger
IT

Die Einkaufs- und Marketingkooperation Soennecken eG vertreibt zusätzlich zur Eigenmarke Produkte von mehr als 900 Markenherstellern – Büroartikel, Bürotechnik und -einrichtung. Die Artikel hält Soennecken in einem modernen Logistikzentrum in Overath vor. Im vollautomatisierten Hochregallager mit einer Grundfläche von 20.000 Quadratmetern sind dort jederzeit über 21.000 Artikel verfügbar, bis zu 40.000 Positionen werden täglich bearbeitet. Das Hochregallager bietet 6.000 Palettenstellplätze, verteilt auf drei Einlagerungsebenen. Vollautomatisch lagern Regalbediengeräte die Waren in den drei vorhandenen Gassen ein und aus. Soennecken erreicht mit den Lieferungen eine hohe Zustellquote: Von der Warenbestellung bis zur Anlieferung vergehen bei 98 Prozent aller Sendungen maximal 24 Stunden.

Zu den Leistungen von Soennecken gehören Lieferantenverhandlungen und Sortimentsbildung, Lagerhaltung und logistische Abwicklung, Datenpflege, Erstellung von Verpreisungsvorschlägen sowie die Einbindung von Werbemitteln und die Reklamationsabwicklung mit dem Endkunden. „Mehr und mehr unserer Mitglieder verzichten auf eigene Lager“, erklärt Markus Berwe, Teamleiter Bestandsmanagement bei Soennecken. „Somit beliefern wir zusätzlich zu den Lagern der Genossenschaftsmitglieder auch direkt die Endkunden.“ Dabei verzeichnete Soennecken in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung der Nachfrage, vor allem nach Artikeln, die über den klassischen Bürobedarf hinausgehen. So stand die Genossenschaft vor der großen Herausforderung, das Sortiment zu erweitern – ohne zusätzliche Lagerflächen schaffen zu müssen.

Mit dem im Jahr 2016 integrierten AutoStore-Lager hat sich die Fachhandelsgenossenschaft auf die Fahnen geschrieben, den vorhandenen Platz ihres hoch technologisierten Logistikzentrums in Overath optimal auszunutzen. Das System besteht aus einer selbsttragenden Aluminiumkonstruktion. Dort werden Kunststoffbehälter übereinandergestapelt und durch Roboter bewegt. Das AutoStore-Lager benötigt für ein Lagersystem vergleichsweise wenig Platz und ermöglicht auf diese Weise eine deutliche Erweiterung der vorhandenen Lagerkapazität.

Logistikkapazitäten am Limit

Standen 2016 noch 9.000 Behälter und zehn Roboter zur Lagerung und Bereitstellung der kleinvolumigen Produkte zur Verfügung, waren es nach dem Ausbau des AutoStore-Lagers im Jahr 2018 bereits 21.000 Behälter und 25 Roboter. „2010 haben wir einen Umfang von 12.500 Lagerartikeln gesteuert und verwaltet, 2020 sind es für den Lagerstandort in Overath bereits 21.000 und am Lagerstandort in Melsdorf bereits 22.500“, berichtet Björn Endres, Projektmanager Bestandsmanagement bei Soennecken. „Dabei stoßen wir mit unseren Logistikkapazitäten an Grenzen.“ Es galt, Strategien zu entwickeln, um das System besser auszulasten und zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, ohne weitere Lagerplätze zu benötigen.

Soennecken startete eine Initiative zur besseren Ausnutzung von Lagerkapazitäten und wandte sich zur Umsetzung des Konzeptes an Remira. Bereits seit 2008 setzt die Genossenschaft auf die Bestandsmanagementlösung „LogoMate“ des Bochumer IT-Anbieters, um das Warenwirtschaftssystem besser auszunutzen und eine hohe Warenverfügbarkeit bei möglichst geringen Beständen sicherzustellen.

„Wir haben Remira frühzeitig in unsere Erweiterungsprozesse eingebunden, um durch die intelligente Dispositionssoftware optimale Lösungen für unsere Anforderungen zu erhalten“, erläutert Markus Berwe. Soennecken nutzt nun die Ausführung „LogoMate silver“, um damit den bereits gestiegenen und weiter wachsenden Anforderungen, auch in Bezug auf Rechenleistung und den erweiterten Funktionsumfang, gerecht zu werden.

Alle Daten im Blick

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Warum immer mehr Kontraktlogistiker bei der Automatisierung auf AutoStore setzen

Das Unternehmen integrierte seine AutoStore-Einheiten in LogoMate, um so einen erhöhten Füllgrad einzelner Behälter zu erhalten. Zunächst definierte die Genossenschaft die Behältereinheiten, ermittelte anschließend die Behältereinheitenmenge pro Artikel und übertrug die optimierten Einheiten in das System, um diese bei Berechnung der Bestellmengen verwenden zu können. Auf einem Dispositionscockpit sind alle Daten übersichtlich visualisiert, da Remira die Integration in das Standardlayout ermöglicht hat. Im Ergebnis führt der Einsatz der Dispositionssoftware zu verbesserten Beständen und höheren Verfügbarkeiten, wobei auch der Einfluss von Sonderaufträgen oder saisonal bedingten Schwankungen berücksichtigt wird.

„Mit der Kombination von intelligenter Software und hochmoderner Technik erreichen wir in unserem Logistikzentrum eine Warenverfügbarkeit von 98,5 Prozent“, erklärt Berwe. Durch die Ausnutzung des Kriteriums „AutoStore-Verfahren“ konnte Soennecken seine Behälternutzung bei minimierter Lokationsnutzung erhöhen. Die AutoStore-Behälter sind durch den Bestelleingang immer bestmöglich gefüllt und die Bestellmenge orientiert sich neben bestandsoptimierenden Kriterien zusätzlich an den Behältergrößen.

Erste Simulationen zeigten bereits eine Verringerung der Wareneingangspositionen bei geringfügig steigender Kapitalbindung. Heute zeigen sich die durch die Einführung einer AutoStore-gerechten Dispositionsstrategie erzielten Prozessverbesserungen und positive Skaleneffekte noch deutlicher.

Das Vorgehen lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen. Denkbar ist etwa die Einbeziehung von Palettenplätzen, Durchlaufregalen, Fachbodenregalen, Blocklager und Ladenregalen. „Viele unserer Volumenartikel lagern derzeit in Außenlagern“, berichtet Markus Berwe. „Unser Ziel ist es, die Außenlager zu reduzieren und benötigte Warenmengen am Standort zu lagern.“

Die Soennecken eG plant, ihr Sortiment sukzessive um büronahe Artikel zu erweitern, um Kunden auch Artikel über den klassischen Bürobedarf hinaus anbieten zu können. Dazu sollen beispielsweise weitere Hygieneartikel oder Produkte aus den Bereichen Arbeitsschutz und Lagerausstattung gehören. Um als Komplettversorger für das Büro auftreten zu können, muss die Genossenschaft deutlich größere Warenmengen lagern, Artikel bestmöglich verteilen, Bestände dem Bedarf anpassen, ausgeklügelte Aktionsplanungen vorweisen und dabei den Dispositionsaufwand möglichst gering halten. „Wir legen den Fokus künftig auf eine sukzessive Automatisierung des Bestellvorgangs sowie variable bedarfsgerechte Bestellzeitpunkte“, erläutert Björn Endres. tm

Soennecken

Das Logistikzentrum von Soennecken in Overrath.

Die Soennecken eG mit Stammsitz in Overath ist eine genossenschaftliche Gemeinschaft mit mehr als 500 Mitgliedern und im deutschsprachigen Raum aktiv bei der Vermarktung, Finanzierung und Logistik von Produkten und Dienstleistungen rund um die Büroorganisation. Aktuell beschäftigt Soennecken rund 460 Mitarbeiter; im Jahr 2018 erwirtschaftete die Genossenschaft einen Nettoumsatz von 680 Millionen Euro.

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Seite 36 bis 37 | Rubrik PRODUKTE