Kommissionierung: Leichter arbeiten dank Exoskelett

Wie es gelingt, die körperliche Belastung von Mitarbeitern zu reduzieren und zugleich von weiteren Vorteilen zu profitieren, zeigt der Einsatz von Exoskeletten bei Calanbau Brandschutzanlagen.

Apogee im Einsatz bei Calanbau bei der Standardkommissionierung von Materialboxen für Bauvorhaben. Bild: Vinci Energies
Apogee im Einsatz bei Calanbau bei der Standardkommissionierung von Materialboxen für Bauvorhaben. Bild: Vinci Energies
Matthias Pieringer
Intralogistik

Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten sind vom Bau über die Pflege bis hin zur Lagerhaltung zu finden. Mitarbeiter heben, tragen und bewegen Werkstücke oder Menschen – und belasten damit Muskeln, Sehnen, Bandscheiben und Bänder. Obwohl die richtige Bewegungstechnik bereits für Erleichterung sorgen kann, sind hierbei klare Grenzen gesetzt. Vinci Energies hat das erkannt. Der Konzern setzt sich für einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz mit Lösungen wie Exoskelette ein beziehungsweise beteiligt sich sogar selbst an deren Weiterentwicklung. Exoskelette bieten eine maschinelle Stützstruktur, die den Träger sowohl in der Bewegung als auch im Stand stabilisiert. Seit Ende 2023 hat das Brandschutzunternehmen Calanbau den Einsatz von Exoskeletten auch auf die Intralogistik ausgeweitet.

Konstruktiver Austausch

Das 1976 gegründete Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Sarstedt ist eine von 15 Gesellschaften unter dem Dach der zu Vinci Energies gehörenden Fire Protection Solutions Group. Der Experte für Brandschutz plant und installiert Sprinkleranlagen und hat sich dabei auch auf die Vorfertigung von kompletten Rohrnetzen für Sprinkleranlagen nach individuellen Kundenwünschen spezialisiert. Zum Portfolio gehört auch die Lagerbevorratung von Montage- und Ersatzteilen für den Bau und Service von Sprinkleranlagen. Dank des kontinuierlich stattfindenden konstruktiven Austauschs zwischen der Geschäfts- und Bereichsleitung und den Beschäftigten werden Innovationen frühzeitig angeschoben. Dazu zählt auch die Einführung moderner Exoskelett-Lösungen. So beauftragte Stefan Falk, Geschäftsführer der Fire Protection Solutions Group und von Vinci Energies Building Solutions, im Mai 2023 den Bereich Arbeitsschutz mit der Analyse und Marktsondierung bei Exoskelett-Lösungen. Ziele waren, die Belastung der Mitarbeiter zu verringern, den Gesundheitsschutz zu verbessern und die Produktivität zu erhöhen.

Um die Belastungen für den Körper bei der Kommissionierung mithilfe eines Exoskeletts zu reduzieren, kamen nur aktive Systeme infrage. Denn im Gegensatz zu passiven Systemen bieten aktive Systeme unter anderem mehr Flexibilität für unterschiedliche Lasten. Calanbau ließ sich Lösungen von drei Anbietern im Lager vorstellen und entschied sich schließlich für das System der in Augsburg ansässigen German Bionic Systems GmbH.

„Die wichtigste Instanz für eine abschließende Entscheidung war die Zufriedenheit der Mitarbeitenden in der Kommissionierung selbst. So konnten diese und die Verantwortlichen im Bereich Arbeitsschutz das System mit Namen „Apogee“ an einem Testtag ausgiebig ausprobieren und Fragen stellen“, sagt Sven Hintze, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Calanbau Brandschutzanlagen GmbH. Bereits hier fiel das Feedback positiv aus: Nach einem ersten Tragetest zweier Mitarbeiter wollten diese das System gar nicht wieder hergeben. Die offizielle Einführung erfolgte vom 1. bis 3. November 2023, bei der die Beschäftigten eingewiesen wurden und unter ihnen ein Trainer ausgebildet wurde.

Alle Beschäftigten in der Kommissionierung bei Calanbau wurden an dem neuen System geschult. Für den Einsatz wird Apogee über eine Weste und Beinanbindungen angelegt, die sich dank der Größenanpassung von XS bis XL individuell einstellen lassen. Das Herzstück liegt am Rücken und führt etwa in Höhe der Schulterblätter bis zur Hüfte, wobei der Rahmen bis seitlich an das Becken reicht. „Bereits nach etwas Übung dauert das An- und Ablegen des Exoskeletts nur ein bis zwei Minuten – und damit nicht länger als von regulärer Arbeitskleidung“, erläutert Hintze.

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Hinter der Technik steckt Robotik: Die in der Lösung verbauten Motoren unterstützen mit bis zu 30 Kilogramm (rund 300 Newton) den Rücken sowohl in der Bewegung, wie etwa beim Aufrichten, als auch im Stand, beispielsweise beim Tragen. Ein Standardakku ähnlich der eines Akkuschraubers treibt die Motoren an und hält im Schnitt vier bis fünf Stunden – spätestens zur Mittagspause erfolgt der Wechsel. Während der Nutzung begradigt und stabilisiert die Lösung den Rücken des Tragenden und verhindert so, dass es zu einer Torsion der Wirbelsäule kommt. Ein integriertes, auf künstlicher Intelligenz (KI)basiertes Ergonomie-Frühwarnsystem alarmiert nicht nur bei unmittelbar rückenschädigender Fehlhaltung. Es identifiziert auch ergonomische Risiken in Arbeitsabläufen, gibt individuelle Empfehlungen und zeigt Optimierungspotenziale auf.

Empfehlungen statt Vorgaben

Bis ein Mitarbeiter einen Apogee eine ganze Schicht lang nutzen kann, braucht es eine Eingewöhnungsphase von rund zwei bis vier Wochen. Um auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen, macht Calanbau dazu keine strikten Vorgaben, sondern gibt lediglich Empfehlungen. Über die fühlbaren Veränderungen berichtet Heiko Weber, der bei Calanbau in der Kommissionierung arbeitet und den Posten des Trainers innehat: „Schon nach 14 Tagen konnte ich merkliche Verbesserungen feststellen. Meine Körperhaltung ist jetzt deutlich aufrechter – und zwar nicht nur bei der Arbeit, sondern dauerhaft. Jetzt verspüre ich auch häufiger Lust, Dinge nach Feierabend zu erledigen, die ich zuvor auf das Wochenende oder den Urlaub verlegt habe. Und ich habe auffallend seltener Rückenschmerzen.“

Wie hoch die Entlastung für die Wirbelsäule ist, lässt sich auch anhand von Zahlen belegen, die über das Monitoring des Systems erhoben werden: Je nach Auftragslage liegt sie täglich bei sechs bis zwölf Tonnen. Über das Dashboard der Data-Insight-Plattform German Bionic IO lassen sich neben der Kompensation an Gewicht unter anderem auch die Tragedauer und die gemachten Schritte und Hebevorgänge anzeigen. Diese und weitere anonymisierte Daten nutzt die KI zur Analyse für das Ergonomie-Frühwarnsystem. Heiko Weber kann bislang ein rundweg positives Fazit ziehen: „Für mich ist das System ein Gewinn an Lebens- und Arbeitsqualität.“ mp

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Seite 40 bis 41 | Rubrik PRODUKTE