Nachgefragt bei Dr. Steffen Wagner, KPMG AG Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft - „Es braucht neue Kenngrößen mit ESG-Bezug“

Dr. Steffen Wagner,Head of Transport & Leisure sowie Head of Infrastructure bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bild: KPMG AG
Dr. Steffen Wagner,Head of Transport & Leisure sowie Head of Infrastructure bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bild: KPMG AG
Therese Meitinger

Wie integrieren Unternehmen in Logistik und Transport ESG-Faktoren in ihre Entscheidungsprozesse? Dies untersuchte Dr. Steffen Wagner, Head of Transport & Leisure sowie Head of Infrastructure bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, mit seinem Team für die Studie „Nachhaltig steuern“. Mit LOGISTIK HEUTE hat er über zentrale Thesen gesprochen.

LOGISTIK▶HEUTE◀: Was macht nachhaltiges Steuern aus?

Steffen Wagner: Grundsätzlich geht es in dem gesamten Komplex darum, neue Kenngrößen einzuführen, die einen ESG-Bezug haben. Bislang werden Unternehmen anhand finanzieller Kriterien gesteuert – von der operativen Steuerung über die Mitarbeiterführung bis zu Investitionsentscheidungen. Dass es nun auch neue Kenngrößen braucht, liegt zum Teil auch an gesetzlichen Vorgaben, die entsprechende Nachweise erfordern.

Wie können diese Kenngrößen aussehen?

Im ökologischen Bereich sollen beispielsweise Emissionen reduziert werden. Ein Autohersteller könnte daher messen, wie hoch der CO2-Anteil pro produziertem Auto ist. Wer viel Energie verbraucht, könnte den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch messen. Im sozialen Bereich sind mögliche Größen der Frauenanteil, der Gender Pay Gap, die Mitarbeiterfluktuation oder die Anzahl von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Bei der Governance, also der guten Unternehmensführung, ist es etwas schwieriger, Kriterien zu definieren. Hier könnte es zum Beispiel um den Umgang mit Datenschutzverstößen gehen.

Welche gesetzlichen Vorgaben spielen für Logistik und Transport in Sachen ESG eine Rolle?

Hier sprechen wir von zwei großen Strängen. Das eine sind die nichtfinanziellen Berichtspflichten im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die für große Unternehmen schon ab 2024 gilt. Ab dann müssen sie einen nichtfinanziellen Berichtteil in ihrem Jahresbericht ergänzen. Das zweite große Thema bezieht sich auf die Lieferkettentransparenz, die das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die geplante europäische Direktive fordern. Menschenrechts- und umweltbezogene Risiken in der eigenen Lieferkette abzudecken, ist für Logistiker auch insofern wichtig, weil sie ja auch immer Dienstleister sind – und damit ein großer Teil der Lieferkette ihrer Kunden.

In Ihrer Studie schnitten Transport und Logistik in Sachen ESG-Steuerung besser ab als andere Sektoren. Woran liegt das?

Weil Versender und Verlader einen großen Teil ihrer Lieferketten von Logistikdienstleistern übernehmen, schauen sie genau hin. Sie verlangen, dass diese in ihrem Verantwortungsbereich konform mit Gesetzesvorgaben sind. Insofern ist das Thema Lieferkettengesetz auch für Logistikdienstleister ein sehr wichtiges. Automobilhersteller wiederum stehen stark unter Druck, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Diesen Druck geben sie an ihre Logistiker weiter, die häufig für einen großen Teil der Emissionen verantwortlich sind. Sie fordern von ihnen, Verbesserungsvorschläge zu machen. Insgesamt ist das Bewusstsein für die Lieferkette gewachsen – für die Resilienz und auch die Nachhaltigkeit. Das hängt damit zusammen, dass die Lieferketten in den letzten Jahren nicht reibungslos liefen, der Transport von Waren von A nach B wird nicht mehr als selbstverständlich angesehen.

Die Fragen stellte Therese Meitinger.

Eine ausführliche Version des Gesprächs finden Sie unter: 

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Seite 8 | Rubrik MARKT-NEWS