Gastkommentar: KI - Zukunft wird durch Zuversicht gemacht

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML, Ordinarius des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen (FLW) der TU Dortmund, Direktor des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und KI. Bild: Fraunhofer IML
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML, Ordinarius des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen (FLW) der TU Dortmund, Direktor des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und KI. Bild: Fraunhofer IML
Matthias Pieringer

Die exponentielle Entwicklung der Halbleitertechnik, seit mehr als 50 Jahren bekannt als das Mooresche Gesetz, galt und gilt als das Maß der Dinge, wenn man über die Entwicklung der Leistungsfähigkeit von Computersystemen spricht. In jeder Dekade entstanden Innovationen mit disruptivem Charakter: der PC in den Achtzigern, das Internet in den Neunzigern, E-Commerce in den Zweitausendern und das Smartphone vor 15 Jahren. Die 20er-Jahre werden wir einmal als das Jahrzehnt benennen, in dem die künstliche Intelligenz den Massenmarkt erreichte – sowohl in der Wirtschaft als auch in privaten Anwendungen. Wieder kommen wichtige Impulse zur industriellen Nutzung aus den USA und die Entwicklung wird wieder einen exponentiellen Verlauf nehmen. Erneut sind auch die Expertinnen und Experten von der Geschwindigkeit überrascht, mit der sich der Wandel vollzieht, obwohl auch diese Entwicklung, wie das Mooresche Gesetz, eigentlich vorhersehbar war. In atemberaubender Geschwindigkeit entstehen große neuronale Netze, Sprachmodelle und neue Märkte und Unternehmen, welche die KI-Technologien in Produkte und Innovationen umsetzen. Wir leben wieder am Anfang einer Dekade, an deren Ende so mancher sagen wird: Wäre ich doch in den 20er-Jahren dabei gewesen.

Aber es vergeht kaum eine Nachrichtensendung ohne neue Krisenmeldung, welche den Blick auf die Chancen dieser Zeit verstellt. Die Zuversicht scheint verloren und mit ihr die Erkenntnis, dass Zukunft nur mit Zuversicht zu gestalten ist. Viele warten auf die Hilfe des Staates oder wollen erst einmal schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Sinkender wirtschaftlicher Erfolg lässt sich jedoch nur kurzfristig durch die viel zitierte Konzentration auf das Kerngeschäft aufhalten. Es braucht den Mut zur unternehmerischen Entscheidung und die Erkenntnis, welche Macht Zuversicht entfalten kann, ist sie mit guten Ideen und Innovationen verbunden.

Aber es gibt sie noch, die jungen Menschen, die sich mit Zuversicht auf den Weg machen und Innovationen und Start-ups auf den Weg bringen. Menschen wie Sascha Feldhorst und die MotionMiners (KI-basierte Analyse), Christian Hammermeister mit Borderless Technologies (Blockchain-basiertes Smart Contracting), Philipp Hüning mit der Logistikbude (intelligente Plattform für Ladungsträger) oder die Kolleginnen und Kollegen von SlapStack (KI-basierte Organisation von Blocklagern) – sie sind nur vier Beispiele von jungen Menschen, die mit Zuversicht in die Zukunft gehen und sich jüngst in Dortmund selbstständig gemacht haben. Sie zeigen auch, wie der Markteintritt gelingt und wie es mit vergleichsweise geringen Mitteln erreichbar ist, technische Möglichkeiten in Innovationen umzusetzen.

Sie beantworten damit auch die häufig gestellte Frage, wie man denn die Chancen derzeit nutzen kann, ohne Kopf und Kragen zu riskieren. Die schlichte Antwort lautet: einfach mal anfangen und gute Ideen in die Tat umsetzen. Dabei soll nicht verkannt werden, dass es in der weiteren Folge hoher Investitionen bedarf, um sich am neuen Markt zu behaupten. Generisches Wachstum braucht zu viel Zeit und das ist auch keine neue Erkenntnis, sehen wir doch exponentiellem Wachstum entgegen. Um ernsthafte Anteile des neuen Marktes zu erobern, braucht es am Ende auch hohe Investitionen und unternehmerischen Mut.

Vielleicht erscheint all dies trivial, aber eben das ist es auch: Wer jetzt nicht handelt, ist nicht dabei. Es gilt, mit den jungen Menschen zu sprechen und deren Zuversicht zu teilen, denn: Zukunft wird durch Zuversicht gemacht.

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Artikel Gastkommentar: KI - Zukunft wird durch Zuversicht gemacht
Seite 8 | Rubrik MARKT-NEWS