Gastkommentar: Blockchain - Vertrauensvolle Kooperation erforderlich

Dr. Giovanni Prestifilippo, Geschäftsführer, PSI Logistics Bild: PSI Logistics
Dr. Giovanni Prestifilippo, Geschäftsführer, PSI Logistics Bild: PSI Logistics
Matthias Pieringer

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Mit dieser Textzeile in „Der Kaufmann von Venedig“ hat William Shakespeare einen universellen Sinnspruch geprägt. Denn auch bei der Einbindung aktueller Technologien, um zusätzliche Anwendungsbereiche und Effizienzpotenziale zu erschließen, ist nicht alles, was technologisch verfügbar ist, auch sinnvoll. Innovationen sind vielmehr das Ergebnis von Wissenschaft, Tests und Entwicklungsprozessen – etwa in Forschungsprojekten. So hat sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt „SiLKe“ mit Maßnahmen zur Steigerung von Transparenz und Sicherheit in Lebensmittelproduktion und -logistik befasst. Im Fokus der sieben Projektpartner standen Optionen für fälschungssichere und für alle Akteure transparente Datenhaltung durch Nutzung einer modernen Blockchain-Technologie.

PSI Logistics hat in dem inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekt Aufbau, Struktur und Praxistauglichkeit einer entsprechenden Blockchain-Plattform geprüft und ausgewertet. Auf einer solchen digitalen IT-Plattform könnten alle Akteure der Wertschöpfungskette fälschungssicher die sicherheitsrelevanten Informationen zur lückenlosen Rückverfolgung von Produkten teilen. Kunden erhielten darüber transparente Informationen zu Herstellungs- und Lieferprozessen; Behörden könnten in Risikosituationen schnell und zielgenau benachrichtigt und effektive Maßnahmen zum Schutz der Konsumenten eingeleitet werden.

Das Forschungsprojekt brachte bemerkenswerte Ergebnisse. Zwar erwies sich die moderne Blockchain-Technologie als singuläre zentrale Plattform für die Vorhaltung der enormen Datenmengen von lückenloser Rückverfolgung weniger geeignet. Doch in einem funktionierenden Blockchain-Netzwerk mit definierten SmartContracts ließen sich die Notwendigkeiten und Geschäftslogiken von Lebensmittelindustrie und -logistik revisionssicher abdecken. Auch im Zusammenspiel mit externen Datenbanken wären Blockchain-Lösungen für Anwendungen praktikabel, in denen sich etwa erfasste Sensordaten hinterlegen und über die Blockchain abbilden und visualisieren lassen. Das könnte in der Blockchain beispielsweise Prüfscans zur Transparenz in der Kühlkette und Zugriffe via Cloud-Anwendungen betreffen. Letztlich wären die realisierten Lösungen auch in Anwendungen der Industrie nutzbar.

Grundsätzlich bedingen die Forschungsergebnisse allerdings die Entwicklung eines international einheitlichen Produktcodes für die gesamte Wertschöpfungskette etwa mit GS1 sowie die Bereitschaft der Akteure, die relevanten Daten an die Plattform zu übergeben und stets alle Updates der Blockchain konsequent umzusetzen. Damit verhalten sich viele Unternehmen oft eher reserviert.

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Seite 8 | Rubrik MARKT-NEWS