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Redaktion (allg.)

Der Vergleich zwischen 2002 und 2012 zeigt, dass die Führungskräfte in der Logistik ihre Einkommen erheblich steigern konnten, wohingegen die Nichtakademiker kaum Fortschritte in Sachen Vergütung machten.
In den Logistikberufen ist zwischen 2002 und 2012 über alle Branchen hinweg eine erhebliche „Schere“ bei der Gehaltsentwicklung festzustellen. Zu diesem Schluss kommen die Hamburger Vergütungsspezialisten von PersonalMarkt, die für LOGISTIK HEUTE Gehaltsdaten dieses Zeitraums exklusiv ausgewertet haben. Die Zahlen stammen aus der „Vergütungsstudie Führungskräfte und Spezialisten in der Logistik 2011“ und wurden mit auf das laufende Jahr bezogenen Daten ergänzt.
Wie die Auswertung zeigt, ist die Gehaltsschere zwischen den „einfacheren“ Funktionen und der Führungsspitze besonders ausgeprägt: Während die Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss zwischen
2002 und 2012 nur ein Plus von fünf Prozent erzielten, gelang es den Führungskräften, im selben Zeitraum ihre Gesamtvergütung um satte 44 Prozent zu steigern. Die Angestellten wiederum, die zwar einen Hochschulabschluss, aber keine Führungsverantwortung haben, legten in puncto Gehalt bis 2012 um rund 13 Prozent zu.
Führungskräfte liegen vorne Den Zahlen der Entgeltspezialisten von PersonalMarkt zufolge verdienten die Nichtakademiker 2002 im Durchschnitt 32.738 Euro, 2012 kommen sie auf 34.443 Euro. Die Angestellten mit Hochschulabschluss erreichten vor zehn Jahren 44.754 Euro, heute erhalten sie im Schnitt 50.515 Euro. Und die Führungskräfte sind nach wie vor die Spitzenverdiener: Erzielten sie 2002 noch eine Gesamtvergütung von 64.631 Euro, nehmen sie in diesem Jahr bereits durchschnittlich 93.571 Euro mit nach Hause (siehe Grafik 1). Ein positionsbezogenes Beispiel macht die im Vergleich auftretende „Schere“ ebenfalls deutlich: Ein Fernfahrer in Diensten eines Logistikdienstleisters bekam 2002 eine Gesamtvergütung von 23.578 Euro, zehn Jahre später werden ihm 24.750 Euro zugebilligt – das bedeutet einen Zuwachs von lediglich fünf Prozent. Der Geschäftsführer verdiente 2002 schon 87.785 Euro, 2012 kann er mit einer Gesamtvergütung von 128.291 Euro (plus 46,14 Prozent) rechnen. „Der Trend, dass die Unterschiede zwischen denjenigen, die viel verdienen, und denjenigen, die wenig verdienen, immer größer werden, dürfte sich fortsetzen“, sagt Tim Böger, Geschäftsführer der PersonalMarkt Services GmbH, Hamburg. Diese Entwicklung sei nicht auf die Logistik beschränkt. „Wir stellen fest, dass die seit Ende der 1990er-Jahre im Vergleich zu früher viel stärkeren Schwankungen im Wirtschaftswachstum auf die Gehälter durchschlagen.“ Nach Einschätzung des Vergütungsspezialisten Böger reagiert der gesamte Personalbereich heute viel stärker auf die Entwicklung der Konjunktur als noch vor einigen Jahren. Wobei hier die Vorteile bei den Führungskräften lägen, die auch diejenigen seien, „die die Kosten im unteren Lohnbereich begrenzen“. Vergleicht man, wie viel Logistikmanager mit Personalverantwortung in Industrie, Handel und Logistikdienstleistung verdienen, zeigt sich: Der Leiter Materialwirtschaft/Logistik wird in der Industrie nach wie vor am besten entlohnt. Aber der Vorsprung schmilzt: 2002 erhielten
Logistikleiter bei Industrieunternehmen durchschnittlich 68.691 Euro Gesamtvergütung, für 2012 rechnen die Experten von PersonalMarkt mit 87.768 Euro – das entspricht einem Plus von 27,8 Prozent. An zweiter Stelle folgen die Logistikverantwortlichen im Handel, die gehaltsmäßig zwischen 2002 und 2012 den Rückstand verkürzen konnten. Die Handelslogistiker dürfen sich 2012 über 80.034 Euro freuen – das bedeutet gegenüber 2002 (51.311 Euro) einen Zuwachs von 47,4 Prozent. Das „Schlusslicht“ bilden auch 2012 die Leiter Materialwirtschaft/Logistik bei Logistikdienstleistungsunternehmen. Sie müssen sich im Durchschnitt mit 71.039 Euro begnügen, erzielen aber gegenüber 2002 (53.457 Euro) eine Steigerung von 36,8 Prozent.
Handel überrascht

„Die Logistikdienstleister mussten in Sachen Gesamtvergütung aufholen“, ordnet PersonalMarkt-Geschäftsführer Böger die Ergebnisse ein. „Wenn in anderen Bereichen mehr bezahlt wird, ist man im Wettbewerb um die besten Köpfe natürlich unter Zugzwang.“ Aber dass der Handel gegenüber dem Spitzenreiter Industrie so stark aufgeholt hat, ist eigenen Angaben zufolge auch für die Vergütungsspezialisten von PersonalMarkt eine Überraschung: „Im Handel werden traditionell
die Geschäftsführungsfunktionen und Funktionen in der oberen Etage sehr gut bezahlt“, erläutert Böger. Speziell im Einzelhandel gebe es darüber hinaus noch lukrative Jobs in der Standortentwicklung und im Kapitalmanagement. Der Leiter Logistik gehörte dem Vergütungsexperten zufolge bisher nicht zu den Spitzenverdienern, hat aber eine hervorragende Entwicklung genommen. Böger fasst zusammen: „Insgesamt haben die Führungskräfte im Handel gute Zuwächse erzielt, nicht nur in der Logistik, sondern zum Beispiel auch im Einkauf oder im Rechnungswesen.“
Stellt man den Positionsvergleich über alle Bereiche hinweg an, zeigt sich, dass der Leiter Materialwirtschaft/Logistik 2012 mit einer durchschnittlichen Gesamtvergütung von 84.233 Euro hinter dem Einkaufsleiter (89.302 Euro) und dem IT-Leiter (98.825 Euro) rangiert, aber noch mehr verdient als der Leiter Finanz- und Rechnungswesen (77.128 Euro). Der Logistikchef konnte dabei gegenüber dem Jahr 2002 den höchsten relativen Zuwachs beim Gehalt verbuchen (39,2 Prozent), knapp vor dem Leiter Einkauf (38,7 Prozent).

Attraktive Großunternehmen


Auch für das Jahr 2012 gilt: Je größer die Firma, bei der man arbeitet, desto besser kann man in der Regel verdienen (Grafik 2). Schwieriger ist es, die Gesamtvergütung der in der Logistik tätigen Akademiker nach Alter und Abschluss einzuordnen (Grafik 3). Weit vor den anderen liegt im Alter von 55 Jahren mit durchschnittlich 91.702 Euro und 89.198 Euro mit 60 Jahren der „Master“. Laut PersonalMarkt-Geschäftsführer Tim Böger haben diese Logistiker ihren Abschluss im Ausland unter Bedingungen gemacht, die Ausdauer und Ehrgeiz erfordern. „Diese Eigenschaften legt diese Gruppe auch im Berufsalltag an den Tag und liegt entsprechend hoch über dem Rest. Die Gesamtvergütungskurve der Master wird sich aber“, sagt der Entgeltspezialist voraus, „mit zunehmender Verbreitung der einheimischen Masterabschlüsse nach unten in Richtung Diplom-Uni-Kurve bewegen.“ Der Doktor-Titel spielt in der Logistik praktisch keine Rolle: Wie aus Bögers Statistik hervorgeht, haben nur vier Prozent der Inhaber von Führungsfunktionen promoviert. Aber was die Daten auch zeigen: Wer seinen „Doktor macht“, der will Chef werden. Und er wird es auch – in großen Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern. Mit dem „Master of Business Administration (MBA)“ dürfen sich neun Prozent der Logistikführungskräfte schmücken, der Verdienst liegt bei durchschnittlich 95.000 Euro.
Die gesamte Barvergütung (Total Cash), die sich aus fixen und variablen Anteilen zusammensetzt, hat sich den Vergütungsspezialisten von PersonalMarkt zufolge zwischen 2001 und 2011 so entwickelt, dass die variablen Anteile wie Provision oder Zielprämie ausgebaut wurden (Grafik 4). „Das heißt, das Total Cash stieg schneller als das Fixgehalt, oder anders ausgedrückt: Unternehmerisches Risiko wurde stärker auf die Mitarbeiter verlagert.“ Dieser Trend, der sich nicht auf die Logistik beschränkt, hat nach der Krise von 2009 einen Dämpfer erhalten. Der Anteil der Führungspositionen mit variabler Vergütung sank 2011 auf 60 Prozent, bei den Arbeitsverhältnissen ohne Führungsverantwortung auf unter 30 Prozent. Auch die Unternehmen hätten erkannt, dass die Verschiebung hin zu noch mehr variablen Anteilen zwar für die Zahlen gut, für die Motivation der Mitarbeiter aber problematisch sei, sagt Böger. Dennoch rechnet der
Gehaltsexperte damit, dass der Anteil der variablen Vergütung 2012 wieder steigen dürfte.
Eine aktuelle Untersuchung der Miebach Consulting GmbH zu Mitarbeitermotivation und -bindung in der Logistik legt dar, dass Leistungsvergütungssysteme die Motivation sogar negativ beeinflussen können, wenn Verständlichkeit und Mehrwert für die Angestellten nicht nachvollziehbar sind. Eine regelmäßige Prämie könne zudem einen Gewöhnungseffekt hervorrufen, der einen positiven Effekt auf die Motivation zusätzlich einschränke, betonte Anja Treib, Kompetenzfeldleiterin Mensch und Organisation des Frankfurter Beratungsunternehmens, kürzlich bei der Präsentation der Studie. Sinnvoll seien hingegen Prämienzahlungen außer der Reihe.
Nach Ansicht der Studienmacher neigen zudem Führungskräfte dazu, die Wirkung von Leistungsvergütungssystemen auf die Mitarbeitermotivation zu überschätzen. Für die Studie befragte Miebach Consulting zwischen Oktober 2011 und März dieses Jahres 125 operativ tätige Logistikmitarbeiter, Führungskräfte und Personalverantwortliche aus zwölf Unternehmen. Bereits heute wird in der Logistik vielfach der Fachkräftemangel beklagt. „Man wird ältere Mitarbeiter nicht mehr einfach in den Vorruhestand gehen lassen“, sagt Entgeltexperte Böger über die Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Seiner Ansicht nach werden künftig höhere Gehälter für Ältere seltener durch niedrigere Gehälter für Jüngere ausgetauscht werden können. „Die Belegschaften insgesamt werden älter werden und damit werden tendenziell auch die Personalkosten steigen.“ Das könne sich natürlich nicht jedes Unternehmen leisten und so ein Modell funktioniere auch nicht immer, betont er. „Insofern werden dann wahrscheinlich ältere Mitarbeiter entweder im Gehalt nicht mehr angehoben oder möglicherweise andere Formen gefunde werden müssen, um die Personalkosten senken zu können,“ wagt Böger einen Blick in die Zukunft. (Matthias Pieringer)
Dieser Artikel erschien in der Logistik Heute-Ausgabe 04/2012

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Artikel Logistik-Gehälter: Die Schere öffnet sich
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