Logistik-Forschung: Urban unterwegs

Für den Transport des Wocheneinkaufs benötigt man auch in der Stadt oftein Auto. Mit dem Projekt „UrbANT“ hat ein Konsortium unter Leitung des ika an derRWTH Aachen eine Alternative zu bisherigen Transportsystemen erarbeitet.

 Bild: Institut für Kraftfahrzeuge (ika)
Bild: Institut für Kraftfahrzeuge (ika)
Melanie Endres
Transport

In Städten können viele Wegstrecken bequem mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Schwierig wird es aber, wenn große oder schwere Güter transportiert werden müssen, wie beispielsweise ein Großeinkauf. Oft erscheint daher ein Auto auch im urbanen Raum noch als unverzichtbares Transportmittel.

Mit dem Projekt „UrbANT“, ein Akronym für die Entwicklung einer „urbanen, automatisierten, nutzerorientierten Transportplattform“, konzipiert ein Konsortium unter der Leitung des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen eine elektrisch angetriebene Transportplattform, die eine Alternative zum Pkw in Innenstädten darstellen soll. So sollen Fußgänger sicherer und komfortabler große und schwere Güter transportieren können. Die Transportplattform soll dabei sicher, zuverlässig und intuitiv mit dem Nutzer interagieren, ihm automatisch folgen oder durch ihn gesteuert werden.

Neue Mobilitätskonzepte

In der ersten Projektphase, die von Dezember 2017 bis November 2018 lief, wurde ein Anforderungskatalog erstellt. Potenzielle Nutzer wurden nach Angaben des ika bereits in dieser Frühphase eingebunden, um neue Mobilitätskonzepte in urbanen Szenarien zu entwickeln.

Seit Mai 2019 befindet sich das Projekt UrbANT nun in der zweiten Projektphase. Bis Mai 2022 soll die urbane, automatisierte und nutzerorientierte Transportplattform entwickelt werden, heißt es in Angaben zum Projekt. Hinter dem Projekt steht ein Konsortium aus zehn Konsortial- sowie zwei assoziierten Partnern. Die Verbundpartner des ika sind der Lehrstuhl für Technik und Individuum (iTec) der RWTH Aachen University, die Ford-Werke GmbH, das Institut für Unternehmenskybernetik e.V., die Innovationsmanufaktur GmbH, das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung, die Easy2Cool GmbH, die BE-Power GmbH, die Neomesh GmbH sowie die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Aktive assoziierte Partner sind UPS und die Kern GmbH. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Die Transportplattform, auch Mikromobil genannt, soll gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen entscheidende Vorteile bieten. So ist sie explizit für den Einsatz in nicht-barrierefreien Umgebungen konzipiert und kann beispielsweise Bordsteine oder einzelne Stufen überwinden. Zusammen mit einem angemessenen Schutz der Transportgüter soll auf diese Weise ein neuartiges Kurzstrecken-Transportsystem entstehen.

Vollautomatisiertes Mikromobil

Das Mikromobil soll dem Nutzer automatisiert folgen können, aber auch den vollautomatisierten Einsatz ohne menschlichen Fahrzeugführer ermöglichen: „Die UrbANT-Mikromobile kombinieren eine Personenfolgefunktion mit autonomen Fahrfunktionen, die es dem Nutzer ermöglichen, Güter und Gepäck innerstädtisch einfach und ohne einen Pkw zu transportieren und das Fahrzeug nach der Nutzung einfach an Ort und Stelle abzustellen, wobei UrbANT autonom zu seinem nächsten Auftrag oder zu einer Basisstation zurückkehren kann und damit den öffentlichen Raum nicht zusätzlich belastet. Durch die drei verschiedenen Aufbauten – Einkaufsaufbau, Faltaufbau und Paketstation – kann dabei eine Vielzahl von Aufgaben in urbanen Räumen abgedeckt werden“, erklärt Martin Reske, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ika und Projektverantwortlicher für UrbANT. „Die Fertigstellung der finalen Fahrzeugprototypen ist für das Jahr 2021 geplant. Zur Erprobung einzelner Funktionalitäten, etwa des Antriebs- und Fahrwerkskonzepts oder der Nutzerfolgefunktion, wird es jedoch bereits dieses Jahr vereinfachte Funktionsmuster geben, die dann im Rahmen iterativer Nutzerstudien erprobt werden“, verrät Reske.

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Im Rahmen des vollautomatisierten Einsatzes sind Sharing-Geschäftsmodelle mit autonomen Fahrten zu einer zentralen Ausleihstation oder zum nächsten Nutzer denkbar, so die Angaben des ika. Vorstellbar ist auch eine automatisierte Paketlieferung mittels Mikro-Paketstation. An dieser Schnittstelle bringt die Kern GmbH nach Eigenangaben ihr Know-how in Sachen „24/7 Smart Terminals“ ein. Dahinter steckt ein System, bestehend aus automatisierten, mit Sensoren ausgestatteten Paketfächern.

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt laut Reske auch darin, die Nutzerschnittstelle für Navigation, Bedienung und Sicherheit detailliert zu gestalten. Das Ziel ist den Angaben zufolge eine intuitive und sichere Interaktion zwischen Menschen und Mikromobil. Dabei soll nicht nur das Zusammenspiel des primären Nutzers, sondern im Einsatzszenario der autonomen Güterlieferung auch die Interaktion des Händlers mit dem Mikromobil betrachtet werden. Weiterhin stellt im Projekt „UrbANT“ die soziale Interaktion des Mikromobils mit Passanten im öffentlichen Raum einen Forschungsschwerpunkt dar.

Melanie Endres

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Artikel Logistik-Forschung: Urban unterwegs
Seite 64 bis 65 | Rubrik KOMPASS