Hafenlogistik in Dubai: Ein Hochregallager für Container

Bei „BOXBAY“ werden Container nicht einfachübereinandergestapelt: Im Hafen von Jebel Ali in Dubai hat das erste Hochregallager für Container Gestalt angenommen.

Im Hafen Jebel Ali in Dubai entsteht das erste Hochregallager für Container. Bild: SMS Group GmbH
Im Hafen Jebel Ali in Dubai entsteht das erste Hochregallager für Container. Bild: SMS Group GmbH
Melanie Endres
Hafenlogistik

Moderne Containerschiffe sind mittlerweile deutlich größer als Flugzeugträger und haben 24.000 oder mehr 20-Fuß-Standardcontainer an Bord. Die Herausforderung für Häfen liegt laut Dr. Mathias Dobner, CEO von Boxbay und Vice President der SMS Group GmbH, darin, mit dieser Entwicklung Schritt zuhalten. Der Raum hinter der Kaimauer und die Kapazität vieler Containerterminals seien begrenzt und mit zunehmender Frachtkapazität steige entsprechend die Zahl der Container, die beim Anlegen der Schiffe abgeladen und vor dem Ablegen aufgeladen werden müssen.

Zurzeit werden Container in den Häfen daher bis zu sechs Einheiten hoch übereinandergestapelt. Stapelt man höher, weil wachstumsbedingt mehr Stahlboxen verschifft werden müssen, wird diese Methode ineffizient, weil in einem solchen Stapel fast immer mehrere Container „umgestapelt“ werden müssen, um Zugriff auf den gewünschten Container zu bekommen. „Kurz gesagt: Die gesamte Logistik nach den Containerbrückenkranen am Kai ist zu langsam und benötigt zu viel Platz“, so Dobner.

Alternative gesucht

„Daher sucht der Markt seit etlichen Jahren nach einer Alternative, bei der auf gleicher Fläche mehr Boxen untergebracht werden können, allerdings ohne den zunehmenden Nachteil ständig umstapeln zu müssen – also am liebsten mit direktem Zugriff auf jeden einzelnen Container“, erklärt Dobner. Anstatt die Container wie üblich direkt aufeinanderzustapeln, wird bei „BOXBAY“ jeder einzelne Container in einem eigenen Fach in einem elfstöckigen Regal untergebracht. Insgesamt sind das rund 50 Meter. Das bedeutet „200 Prozent mehr Kapazität als ein konventionelles Containerterminal oder, bei gleicher Kapazität, weniger als ein Drittel der benötigten Fläche“, so das Unternehmen.

Es ist ein Hochregallager (HRL) für 20, 40 und 45 Fuß große Container – also für sämtliche Standardmaße. Der Durchsatz und die Lagerkapazität von BOXBAY sind skalierbar und hängen von der Anzahl der Gänge und der Anzahl der integrierten Transporteinrichtungen ab. Es ist ein modulares System, das auch schrittweise erweitert werden kann und eignet sich laut Unternehmensangaben besonders für Brownfield-Projekte.

Im Oktober 2018 wurde von den Partnern SMS Group, ein Anlagenbauer mit Hauptsitz in Düsseldorf, und dem Hafenbetreiber DP World das gemeinsame Joint Venture Boxbay gegründet. Kurz darauf wurde das Joint Venture von DP World mit dem Bau des ersten Bauabschnittes des Hochregallagers für ein neues Terminal in Jebel Ali in Dubai beauftragt. Die Ausschachtungsarbeiten begannen bereits im August 2019 und drei Monate später, im November 2019, erfolgte das Gießen des Betonfundaments. Im August 2020 begann die elektrische Inbetriebnahme, wobei bis Ende September 2020 nach und nach alle Funktionen hochgefahren wurden. Die Anlage wird voraussichtlich ab Ende Oktober planmäßig zur Abnahme bereitstehen.

„Während des bisherigen Projektablaufs gab es keine technischen Probleme –vor allem, weil genau die gleiche Technologie verwendet wird, die Amova seit Jahrzehnten in der Stahl- und Aluminiumindustrie einsetzt. Der einzige Unterschied besteht darin, wie der Container aufgenommen und abgesetzt wird“, erläutert Dobner.

Amova, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der SMS Group GmbH, ist seit 65 Jahren spezialisiert auf die Logistik in Stahl- und Aluminiumwalzwerken. Dabei werden bis zu 50 Tonnen schwere Coils mit hoher Taktung von Walzwerken fahrerlos transportiert, in Hochregalen eingelagert und mittels Trackingsystemen nachverfolgt. Die Anlage, die derzeit im Containerterminal von Jebel Ali in Dubai in Betrieb genommen wird, stellt den ersten Bauabschnitt eines zukünftigen Terminals dar, das im späteren Vollausbau für die beiden aktuell im Bau befindlichen Kaianlagen mehr als drei Millionen Container pro Jahr umschlagen kann.

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„Der jetzt fertiggestellte und voll funktionsfähige erste Bauabschnitt dient als ‚Proof of Concept‘ und ist für das neue Unternehmen Boxbay und seine Shareholder ein wichtiger Meilenstein“, erklärt Dobner. Die ersten beiden Lagermodule der Pilotanlage haben dem Geschäftsführer zufolge auf elf Stockwerken 792 Containerstellplätze. „Sie sind bereits so entworfen worden, dass sie nach der Erprobungsphase leicht verlängert und bis auf die später geplanten 25 parallel nebeneinanderliegenden Hochregallagergassen ausgebaut werden können“, so Dobner.

Für viele Container

Das System bietet sich nach Unternehmensangaben überall da an, wo viele Container auf wenig Fläche gelagert werden müssen, und es ist vielseitig einsetzbar. So könnte ein BOXBAY-Systemlaut Dobner im Binnenland aussehen: „Gegebenenfalls weniger Ebenen und weniger Gassen als im Seehafen, das Umlaufsystem im Boden könnte weniger kleinteilig und an der Kaikante oder dem Umschlagbahnsteig länger gestreckt sein. Die Entladekrane könnten die Container dann vielleicht sogar direkt in das Hochregallagersystem stellen.“ Melanie Endres

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Artikel Hafenlogistik in Dubai: Ein Hochregallager für Container
Seite 80 bis 81 | Rubrik KOMPASS