KEP: Sortiertechnik

Redaktion (allg.)

KEP:
In Logistik Heute 10/2002 zeigte der Artikel "Was braucht der KEP-Markt" von Prof. Dr. Dieter Arnold, Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL), Universität Karlsruhe (TH), nach welchen Kriterien die Auswahl von Sortern im KEP-Bereich erfolgen sollte. Hier lesen Sie, welche besonderen Anforderungen in der KEP-Branche bestehen.


Anforderungen der KEP-Branche

Die KEP-Sendungsmengen unterliegen erheblichen zeitlichen und saisonalen Schwankungen. Die Verteilungen der Abmessungen und der Gewichte weisen eine große Streuung auf. Der Anteil so genannter "Non-Conveyables", also Sendungen, die wegen ihrer sperrigen Form oder ihres hohen Gewichts nicht über Förderanlagen geleitet werden können, beträgt gelegentlich bis zu 10% des Aufkommens. Heterogenes Sortiergut und stark schwankende Sortiermengen bewirken instationäre Prozesszustände im Sortierbereich und somit starke Schwankungen der Auslastung von Sortiereinrichtungen. Dem überlagern sich die unterschiedlichen Anforderungen der Sortierung für den Hauptlauf und den Nachlauf (siehe Abb. 1).

In der Regel stehen für die Hauptlaufsortierungen größere Zeitfenster als für die Nachlaufsortierung zur Verfügung. Das ist gleichbedeutend mit der Forderung einer größeren Sortierleistung in der Nachlaufsortierung, die bei engem Zeitfenster in den frühen Morgenstunden erfolgen muss, um den vom Kunden erwarteten Servicegrad zu erreichen.

In Abhängigkeit von der Struktur des KEP-Transportnetzes findet die Sortierung an verschiedenen geographischen Orten mit Sortern von sehr unterschiedlicher Größe und Leistungsfähigkeit statt.

Strukturen von KEP-Transportnetzen

Im Direktverkehrsnetz (siehe Abb. 2a) ist jedes Depot Quelle und Senke mehrerer Hauptläufe. Daher müssen in diesem Netz die Sendungen in jedem Depot auf alle Transportrelationen zu den anderen Depots und im Nachlauf auf die Zustellbereiche sortiert werden.

Einerseits hat das Direktverkehrsnetz als einstufiges Netz Vorteile bei sehr großen Sendungsmengen, wenn jedes Depot mit Sortiermaschinen ausgestattet ist. Mit dieser Netzstruktur arbeitet beispielsweise die Deutsche Post AG im Briefbereich. Andererseits sind Direktverkehrsnetze auch dann gut geeignet, wenn wegen kleiner Sendungsmengen Sortiermaschinen nicht wirtschaftlich zu betreiben sind und die Sortierung nur von Hand erfolgen kann. Einen weiteren Aspekt stellt in diesem Zusammenhang die Art der Kennzeichnung der Zieladresse dar. Wenn die Zieladresse nicht maschinenlesbar ist, sinkt die Effizienz einer Sortiermaschine erheblich und die Notwendigkeit zur manuellen Sortierung wächst.

Im Nabe-Speiche-Netz (siehe Abb. 2b) bestehen in der reinen Form keine Transportrelationen zwischen den Depots. Alle Sendungen werden über einen Hub geleitet, wo bei großen Sendungsmengen immer eine Sortiermaschine installiert ist. In dieser Netzstruktur finden sich die größten Sorterinstallationen (z.B. bei FEDEX in Memphis, USA).

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Dreistufiges Feederhubnetz

Abb. 3: Dreistufiges Feederhubnetz

Eine sehr effiziente Mischform kann das so genannte Feederhub-Transportnetz sein (siehe Abb. 3), wenn die Größe der Sendungsmengen und die Zahl der Transportrelationen Regionalhubs, wie in einem Single-Hub & Spoke-Netz, erlauben, die über einen Zentral-Hub untereinander verbunden sind.

In dieser Struktur kann neben einer Optimierung des Transportaufwands der Hauptläufe auch die beste Kombination für die Anzahl und die Leistungsfähigkeit von Sortiermaschinen gefunden werden. Um die beste Kombination zu finden, müssen die Kosten für den Transport und für die Sortierung mehrerer Alternativkonzepte einander gegenübergestellt werden. Die Addition der gegenläufigen Kostenpolygone liefert normalerweise den Punkt mit den minimalen Gesamtkosten und damit das wirtschaftlichste Konzept. Die Kunst besteht darin, alle relevanten Kosten mit ausreichender Genauigkeit zu erfassen.

Die drei hier genannten Netzstrukturen stellen Basisformen dar, die in der Praxis in verschiedensten Modifikationen zu finden sind. Die knappe Darstellung sollte verdeutlichen, dass die besonderen Anforderungen an die Sortiertechnik im KEP-Markt auf keinen Fall mit einer ganz bestimmten Sorterart und -größe befriedigt werden können. Vielmehr kann je nach den Randbedingungen jedes Sortierverfahren, vom manuellen bis zum höchstentwickelten mechanischen, das technisch-wirtschaftlich am besten geeignete sein.

Besondere Anforderungen der KEP-Branche an die Sortiertechnik und Sorterbauart leiten sich u.a. auch aus der Personalstruktur dieser Branche ab. Es gibt zurzeit kaum eine andere Branche, in der Dienstleister in so großer Zahl in die Leistungserbringung eingeschaltet sind. Von dem häufig sehr kurzfristig angelernten Personal der Dienstleister kann nicht erwartet werden, dass sie komplizierte Sortierstrategien mit der geforderten Zuverlässigkeit beherrschen oder gar Störungen an Sortern beheben können. Außerdem ist der "Untergang" wertvoller Sendungen ein offen diskutiertes Problem. Letzteres kann durch Verfahren der Sendungsverfolgung und mittels örtlicher Videoüberwachung gemildert werden. Auch die Gestaltung der Aufgabe- und Abnahmebereiche der Sortieranlage ist in dieser Hinsicht wichtig.

Den Artikel "Was braucht der KEP-Markt" (Logistik Heute 10/2002, S. 30-31) finden Sie in unserem Archiv.

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