Pharmalogistik: Machen oder machen lassen?

Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Camelot nimmt die Frage in den Fokus, ob Pharmaproduzenten ihre Logistik auslagern oder selbst in der Hand behalten sollten.

Brauchen Pharmaunternehmen zwingend einen Logistikdienstleister oder geht es auch ohne? Diese Frage stellte der Berater Camelot in einer aktuellen Umfrage. Bild: zakalinka/AdobeStock
Brauchen Pharmaunternehmen zwingend einen Logistikdienstleister oder geht es auch ohne? Diese Frage stellte der Berater Camelot in einer aktuellen Umfrage. Bild: zakalinka/AdobeStock
Sandra Lehmann
Studie

Die globalen Lieferketten in der Pharmaindustrie haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Galten bislang Globalisierung, Fusionen und damit verknüpfte Erweiterungen des Produktportfolios sowie neue Anforderungen an Produkte als die wichtigsten Treiber für den Wandel, bietet die Digitalisierung neue Möglichkeiten. Gleichzeitig stellt die digitale Transformation die Pharmalogistik aber auch vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach dem „Make or Buy“ von Logistikdienstleistungen eine neue Bedeutung. Welche Prozesse sollte ein Life-Science-Unternehmen selbst durchführen und welche sollten an externe Dienstleister vergeben werden?

4PL, LLP oder Outsourcing

Das Beratungsunternehmen Camelot Management Consultants untersuchte deshalb in der neunten Ausgabe des Pharma-Management-Radars die Zusammenarbeit mit Fourth Party Logistics (4PL)-Dienstleistern und Lead Logistics Providern (LLP) in der Pharmabranche sowie die Entwicklungen im Bereich Outsourcing in der Pharmalogistik. Führungskräfte aus den weltweiten Top-20-Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen beantworteten die Fragen der Studie.

Was die Zufriedenheit von Pharmaunternehmen mit den Services von 4PL- und LLP-Dienstleistern angeht, offenbart die Studie deutliche Differenzen: So neigen Camelot zufolge 40 Prozent der aktuellen 4PL/LLP-Nutzer dazu, den Serviceumfang noch weiter auszubauen, etwa in Richtung Value Added Services (VAS), Lagerhaltung oder andere globale Regionen. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen allerdings, die in der Vergangenheit den Service von 4PL/LLP in Anspruch genommen haben, würde es in Zukunft nicht mehr tun oder den Leistungsumfang auf bestimmte Services wie Transportmanagement oder Sichtbarkeit reduzieren.

„Die sehr unterschiedlichen Erfahrungen, die Pharmaunternehmen in der Zusammenarbeit mit 4PL/LLP-Logistikdienstleistern gemacht haben, bedeuten vor allem eins: Pharmahersteller müssen ihre Erwartungen an diese Dienstleister klar definieren und Logistikdienstleister alles dafür tun, die sich verändernden Erwartungen, die an sie gestellt werden, auch zukünftig zu erfüllen“, kommentiert Thomas Schnur, Studienleiter und Pharmalogistikexperte bei Camelot, die Studienergebnisse.

Pharmaunternehmen, so Camelot, erwarten von 4PL/LLP-Dienstleistern vor allem Kontrolle und volle Transparenz über die gesamte Lieferkette. Wichtige Gründe dafür sind die Einhaltung der „Good Distribution Practice (GDP)“-EU-Richtlinien, mehr temperatursensitive Produkte sowie die zunehmende Kundennachfrage nach einer Lieferverfolgung in Echtzeit. „Wenn es um die Auswahl von 4PL/LLP geht, achten Pharmaunternehmen insbesondere auf ein GDP-konformes Qualitätsmanagementsystem, Expertise in Integration und Veränderungsmanagement sowie auf eine hohe Kostentransparenz“, so Schnur.

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Logistik ist Kernkompetenz

Ein überraschendes Ergebnis lieferte die Frage nach den Gründen, warum Logistikdienstleistungen nicht ausgelagert werden sollten: Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen betrachten die Entwicklung einer Logistikstrategie und die strategische Gestaltung des Lieferkettennetzwerks als eine Kernkompetenz, die sie nicht an Dritte übertragen möchten. „Vor dem Hintergrund, dass der Fokus der Life-Sciences-Wirtschaft vor allem im Forschungs- und Entwicklungsbereich, Branding sowie dem Management der Vertriebskanäle gesehen wird, könnte dies ein Indikator für die steigende Bedeutung der Logistik in der Pharmaindustrie sein“, erläutert Thomas Schnur den Trend.

Was die Risiken im Hinblick auf operative Services, beispielsweise Transportplanung und Lagerbetrieb, betrifft, macht den Pharmaunternehmen nach Camelot-Angaben eine mögliche Abhängigkeit vom Dienstleister die meisten Sorgen – insbesondere dann, wenn er die an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllt. sln

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Seite 61 | Rubrik EXTRA