FACHPACK 2022: Den Wandel gestalten

Die diesjährige FACHPACK dreht sich um Übergänge und Veränderungen in der Verpackungswirtschaft. Wie diese gelingen können, zeigen Aussteller und Rahmenprogramm.

Die FACHPACK öffnet vom 27. bis 29. September 2022 in Nürnberg ihre Pforten. Bild: Thomas Geiger/NürnbergMesse
Die FACHPACK öffnet vom 27. bis 29. September 2022 in Nürnberg ihre Pforten. Bild: Thomas Geiger/NürnbergMesse
Sandra Lehmann
Messe

Klimawandel, Rohstoffmangel, E-Commerce und Digitalisierung – all diese Themen prägen nicht nur die Wirtschaft in Deutschland und Europa, sondern auch die Verpackungsindustrie. So wird der Wunsch nach ressourcenschonenden Verpackungen – egal ob im Supermarktregal oder im Onlinehandel – bei vielen Kunden immer größer. Auch soll die Verpackung nicht mehr nur aufgedruckt Informationen zum Inhalt leisten. Vielmehr soll mittels digitaler Hilfsmittel wie RFID-Tags oder Sensorik die Sicherheit von Produkten gewährleistet werden. Gleichzeitig leidet auch die Verpackungswirtschaft unter den Auswirkungen der Energiekrise – etwa durch steigende Preise für Material oder Engpässe bei Zulieferern von Verpackungen.

Diesen Entwicklungen und Herausforderungen möchte die europäische Verpackungsmesse FACHPACK, die vom 27. bis 29. September auf dem Messegelände in Nürnberg stattfindet, mit ihrem diesjährigen Messemotto „Transition in packaging“ Rechnung tragen. „Dabei haben wir bewusst nicht den derzeit so oft verwendeten Begriff der Transformation gewählt“, erklärt Heike Slotta, Executive Director Exhibitions bei der NürnbergMesse, dem Veranstalter der Leistungsschau. Sie verweist auf den Trendforscher Harry Gatterer, Geschäftsführer beim Zukunftsinstitut, der schreibt: „Transformationen leben von Transitionen.“ Gemeint sei damit, dass es eine Strategie der vielen kleinen Schritte und Übergänge braucht, um große Umbrüche zu meistern. Für die meisten sei ein großer Transformationssprung mit abstraktem Ziel in der Zukunft zu gewagt. Auf der FACHPACK 2022 werden nach Angaben der Veranstalter viele kleine und auch größere Beispiele für diese Übergänge zu sehen sein.

FACHPACK und POWTECH

Dafür sollen unter anderem die 1.100 Aussteller (2021: 791) sorgen, die beispielsweise Lösungen aus den Bereichen Packstoffe und Packmittel, Intralogistik, Verpackungsmaschinen, Etikettier- und Kennzeichnungstechnik sowie Verpackungsdruck und -veredelung präsentieren. Zu den ausstellenden Unternehmen auf dem Nürnberger Messegelände zählen in diesem Jahr auch Vertreter der mechanischen Verfahrenstechnik. Denn 2022 findet die FACHPACK erstmals gemeinsam mit der POWTECH statt, der Fachmesse für Pulver- und Schüttguttechnologie. Damit möchten die Macher der Verpackungsleistungsschau mehr Synergien zwischen den Bereichen Processing und Packaging schaffen.

„Die FACHPACK profitiert von der parallel laufenden POWTECH. Beide Messen sprechen Anwender aus den Branchen Food und Feed, Chemie, Pharma, Kunststoffverarbeitung sowie Maschinenbau an und bringen die gesamte Wertschöpfungskette vom Prozess über die Technik bis zur Verpackung in drei Tagen zusammen. Selbstverständlich können Besucher mit einem Ticket beide Messen besuchen“, so Slotta. Beide Messen sind durch Übergänge gut verbunden. Die FACHPACK ist in neun Messehallen zu finden, die POWTECH in vier – wobei Halle 4 eine sogenannte Mischhalle bildet mit Ausstellern, die sowohl Angebote für Schüttgut- als auch Verpackungsexperten haben.

Recycelte Materialien

Zu sehen sind an den Messeständen viele Produkte und Anwendungen, die auf die aktuellen Anforderungen an die Verpackungswirtschaft einzahlen. So bieten etliche Aussteller beispielsweise Verpackungslösungen, die aus recycelten Materialien bestehen, aufgrund ihrer Eigenschaften gut wiederverwertet werden können oder ressourcenschonend hergestellt wurden. So zeigt das Papier- und Verpackungsunternehmen Mondi (Halle 7, Stand 258) eine ganze Reihe nachhaltiger Produkte. Dazu zählen etwa „RetortPouch Recyclable“, eine Monomateriallösung, die dabei hilft, eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen, und „Mono Formable PP“, eine nach Herstellerangaben vollständig recycelbare Kunststofffolie mit verbesserten Barriereeigenschaften.

In Sachen Intralogistik und Handhabung hat der Anbieter Mobile Robots (Halle 4, Stand 342) den autonomen Palettentransporter „Nipper Pallettruck“ im Messegepäck, der laut Hersteller über eine Tragkraft von 1.000 Kilogramm verfügt und Paletten sowie Gitterboxen direkt vom Boden aufnehmen kann. Damit bedarf es beim Nutzer keinerlei Eingriffe in die bauliche Infrastruktur.

Für Onlinehändler bietet die Pohl-Scandia GmbH (Halle 9, Stand 340) eine plastikfreie Versandverpackung mit Produktfixierung, die ohne Folie oder auch mit recycelten oder biobasierten Folien funktioniert. Darüber hinaus kann die Lösung Pohl-Scandia zufolge individuell auf Kundenwünsche angepasst, im Corporate Design bedruckt beziehungsweise mit zusätzlichen Produktinformationen versehen werden.

Messepremieren in Nürnberg

Einige Aussteller nutzen neben der Präsentation ihres bestehenden Produktportfolios die Leistungsschau auch für die eine oder andere Messepremiere. Neuigkeiten gibt es unter anderem am Stand des Anbieters Papier Sprick (Halle 7A, Stand 328) zu entdecken. Dazu gehören der „PaperJet Fit“, ein Papierpolstersystem, das laut Hersteller insbesondere für das Füllmaterial kleiner Pakete geeignet ist, und der „VariMailer“, ein System zur Herstellung von Versandtaschen. Damit ließen sich bedarfsgerechte Versandbags aus recycelter Wellpappe justintime herstellen, so Papier Sprick.

Ebenfalls eine Produktpremiere ist die Graspapier-Rollwellenpappe „Wellpolster T-Rill“ des Anbieters FSP Biobiene (Halle 9, Stand 436). Durch die sogenannten T-Rillen, eine zusätzliche 90-Grad-Einkerbung gegen die Welle, könne das Material wesentlich leichter abgeknickt werden, was Zeit im Verpackungs- und Versandprozess spare.

Vielfältiges Rahmenprogramm

Ergänzend zum Ausstellungsbereich gibt es auf der FACHPACK 2022 ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie eine Sonderschau. Für die Themen Nachhaltigkeit, Design, Recycling, Digitalisierung und Automatisierung bietet das Forum PACKBOX in Halle 9 Inhalte. Jeder Messetag steht dabei unter einem anderen Motto. In diesem Jahr widmet man sich in der PACKBOX den Themen„Markt Erfahrung & Markt Erwartung“, Nachhaltiges Design & Material“ sowie „Packaging digital & smart“.

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Low-Code-Visualisierung von Daten aus Produktion und Logistik

E-Commerce-Lager flexibel automatisieren

In Halle 3C diskutieren Experten im Forum TECHBOX alle Verpackungsthemen mit intralogistischen und technischen Anknüpfungspunkten. Auch dort sind die Messetage verschiedenen Themen zugeordnet, die an das Motto „Transition in packaging“ anknüpfen. Am 27. September dreht sich vor Ort alles um „Innovation und Klimastrategie“, am 28. September geht es um „Neue Geschäftsmodelle im Verpackungsmaschinenbau / Fachkräfte-/Arbeitskräfte-Gewinnung und -Sicherung“ und am 29. September stehen die Fachforen unter dem Thema „Effizienz und Digitalisierung“. Auch die Redaktion von LOGISTIK HEUTE beteiligt sich im Forum TECHBOX am Rahmenprogramm der FACHPACK (siehe Kasten rechts).

Zudem warten auf dem Messegelände eine Sonderschau und mehrere Themenpavillons auf die Fachbesucher. Das Messemotto wird dabei von der Sonderschau „Transition in Packaging by Design“ aufgegriffen, die in Halle 7 gemeinsam mit Bayern Design stattfindet. Dort werfen die Macher ein besonderes Licht auf Chancen, die sich im Verpackungsdesign durch gesellschaftliche Veränderungsprozesse bieten. Bayern Design zeigt im Rahmen der Sonderschau, welche Antworten Designer auf diese Transformationen finden.

An Labeling Interessierte finden im Pavillon „Etiketten & mehr“ Praxislösungen, die für Kunden aus der Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie sowie für den Handel geeignet sind.

Award für die Besten

Ein besonderes Highlight bildet die Verleihung des Deutschen Verpackungspreises, die am 27. September von 16bis 17 Uhr im Forum PACKBOX stattfindet. Der Award prämiert jährlich Verpackungsinnovationen in zehn Kategorien, die im Rahmen der Leistungsschau geehrt werden (siehe Kasten S. 53). Darüber werden auf der FACHPACK die Preisträger für die Verpackungspreise in Gold bekannt gegeben, mit denen das Deutsche Verpackungsinstitut, Ausrichter des Awards, herausragende Sieger des Deutschen Verpackungspreises zusätzlich auszeichnet.

Sandra Lehmann

Ausgezeichnete Lösungen

Der Deutsche Verpackungspreis wurde im August 2022 in insgesamt zehn Kategorien vom Deutschen Verpackungsinstitut verliehen. Wer das Rennen gemacht hat, zeigt die Bildergalerie.

Fachforum: Verpackungen für den Kreislauf

Wachsende Müllberge, ambitionierte Klimaziele und sich ausweitende globale Rohstoffknappheit: Die aktuellen Herausforderungen, denen sich Wirtschaft, Industrie und Handel stellen müssen, machen auch vor dem Verpackungssektor nicht halt. Verpackungen – egal, ob für den Logistik- oder Consumerbereich – sollen ressourcensparend und trotzdem robust sein, möglichst wenig Müll verursachen und recycelt werden können. Immer öfter denken Anbieter wie Nutzer gleichermaßen darüber nach, in kreislauffähige Verpackungen zu investieren – also Lösungen, die in etlichen Umläufen wiederverwendet werden können. Dabei stellen sich potenziellen Produzenten und Anwendern viele Fragen – unter anderem, wie eine kreislauffähige Verpackung designt sein muss, um möglichst lange in Verwendung zu bleiben und wie ein Kreislaufmodell gestaltet werden sollte, um ökologisch und wirtschaftlich tragfähig zu sein. Und letztlich ist für interessierte Unternehmen relevant, was aktuell im Bereich kreislauffähige Verpackung bereits möglich ist.

LOGISTIK HEUTE diskutiert diese Herausforderungen auf einem Forum, das am 27. September von 13 bis 14 Uhr im Rahmen der europäischen Verpackungsmesse FACHPACK 2022 in Nürnberg stattfindet. Der Titel des Fachforums lautet: „Ohne Ende? Was kreislauffähige Verpackungen für Logistik und Versand leisten können.“ Auf der Bühne erwarten Sie:

  • Dr. Till Zimmermann, Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft, Emissionsberichterstattung, Ökopol – Institut für Ökologie und Politik
  • Michael Koscharnyj, Co-Founder und COO, Logistikbude
  • Jürgen Krahé, Senior Commercial Director EMEA, Orbis

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Seite 52 bis 55 | Rubrik EXTRA