Materialfluss: Auf kleinster Fläche

Der technische Händler Ludwig Meister setzt in seinem zentralen Logistikzentrum in Dachau auf „NoyesStorage“. Mit dem neuen Lagersystem lassen sich kleinste Flächen ab zehn Quadratmetern automatisieren.

NoyesStorage-System im Zentrallager von Ludwig Meister in Dachau. Bild: Noyes Technologies
NoyesStorage-System im Zentrallager von Ludwig Meister in Dachau. Bild: Noyes Technologies
Matthias Pieringer
Materialfluss

Wer von Geschäftsführer Max Meister in das zentrale Logistikzentrum des technischen Händlers Ludwig Meister in Dachau eingeladen wird, erkennt nach wenigen Augenblicken: Hier hat man sich Gedanken zur Prozessoptimierung gemacht. Das bereits vor zehn Jahren in Betrieb genommene „AutoStore“-System erhielt vor Kurzem eine Erweiterung – auf das nun Dreifache der ursprünglichen Lagerkapazität. Außerdem führte das Familienunternehmen eine Verpackungsstraße ein, die für die Kartons kein weiteres Füllmaterial benötigt, da die Kartons selbst die Füllung bilden.

Auf dem Bühnenboden

Doch wer Max Meisters neuestes Lieblingsstück in der Logistik betrachten möchte, steigt im Zentrallager auf den Bühnenboden, der an die AutoStore-Anlage heranreicht. Der technische Händler ist der erste Realbetrieb-Kunde für das „NoyesStorage“-System des Münchener Jungunternehmens Noyes Technologies. „Wir bemühen uns um jeden Quadratmeter Fläche“, sagt Max Meister. Dafür sei das NoyesStorage im zentralen Logistikzentrum eine große Chance.

Mit dem System bietet Noyes Technologies eine Lösung an, dank der sich kleinste Lagerflächen ab zehn Quadratmetern automatisieren lassen. Das NoyesStorage ist ein flexibles, robotergesteuertes Lagersystem. Das Regal ist modular und einfach aufgebaut, die Raffinesse steckt in den Robotern, den „NoyesBots“. Diese weniger als 15 Kilogramm wiegenden Roboter befördern Behälter (mit bis zu 40 Kilogramm Gewicht) auf Trägern zu den Kommissionierplätzen, den sogenannten Balkonen. Das „NoyesBrain“ steuert die Roboter im Regal und sorgt für die Auslagerung auf Basis der Produktinformationen in der „NoyesCloud“, so die Systembeschreibung.

„Die Eingangshürde, um eine Automatisierung im Mittelstand umzusetzen, liegt bei NoyesStorage extrem niedrig“, sagt Marco Prüglmeier, Co-Founder und CEO von Noyes Technologies. Das Start-up hat sich auf die Fahnen geschrieben, komplexe Probleme nachhaltig zu vereinfachen. Erreicht werden soll dies unter anderem durch einen Fokus auf die Reduktion der Technik auf das notwendige Minimum.Dank eines Drei-Stufen-Plans könne man das NoyesStorage schnell in Betrieb nehmen, der physische Aufbau zum Beispiel lasse sich innerhalb eines Tages erledigen, so Prüglmeier. Die Hauptvorteile sieht Prüglmeier in der Erweiterbarkeit und Flexibilität sowie der Platzersparnis und der Reduzierung der Kommissionierzeit durch das System.

Bei Ludwig Meister in Dachau werden im NoyesStorage Produkte eingelagert, die wegen Größen- oder Gewichtslimitationen nicht in die AutoStore-Behälter passen, wie größere Keilriemen und Wälzlager. Zudem sollen im NoyesStorage gekühlt zu lagernde – aber nicht gekühlt zu transportierende – Artikel aus dem Chemikalienbereich vorgehalten und ins AutoStore-System gepickt werden, damit die Bestellung dann gesammelt verpackt werden kann. Beim Besuch von LOGISTIK HEUTE im Januar waren die Prozesse noch nicht finalisiert und die Partner sich sicher, dass sich noch weitere Möglichkeiten im Materialfluss ergeben könnten.

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Ein Artikel in der Fachpresse hatte Max Meisters Interesse an dem neuen Nano-Lagersystem geweckt, woraufhin der Unternehmenslenker den Noyes-CEO Marco Prüglmeier als Gast in seinen Podcast „Max und die SupplyChainHelden“ einlud. Aus dem Gespräch hat sich die Geschäftspartnerschaft entwickelt. Vor der Instandhaltung des Systems ist sowohl Anbieter als auch Anwender nicht bange – im Gegenteil: Falls ein Roboter mal nicht funktionieren sollte, steckt der Nutzer das knapp 15 Kiloleichte Gerät einfach in ein Paket und sendet es auf dem Postweg zu Noyes Technologies. „Parallel dazu wird durch die Cloud-Anbindung automatisiert der Versand eines neuen Roboters ausgelöst“, soPrüglmeier.

Für einen reibungslosen Ablauf innerhalb robotergestützter Anlagen ist es unerlässlich, jederzeit die Position des Roboters nachvollziehen zu können, um Ausfälle des Systems zu vermeiden, erklärt Max Meister. Am NoyesStorage habe ihn beeindruckt, dass der Roboter die eigene Position dank RFID ohne Prozessunterbrechungen sofort wiederfinden kann. Jeder Roboter hat einen RFID-Reader an Bord, in jeder Bodenplatte des Lagersystems sind vier RFID-Tags eingelassen.

Nur ein Knopf

Soll ein neuer Roboter ins System integriert werden, nimmt der Nutzer den Roboter aus dem Paket, stellt ihn auf einen „Balkon“ und schaltet den Roboter an (es gibt nur einen Knopf, nämlich den Ein- und Ausschaltknopf). Ist der Roboter über WLAN verbunden, ist er binnen 30 Sekunden im System.

Auf der Retail-Messe EuroShop 2023 (26. Februar bis 2. März in Düsseldorf) präsentiert Viessmann Refrigeration Solutions, ein Anbieter von gewerblichen Kühllösungen, ein Nano Fulfillment Center mit integrierten Kältelösungen – die Lagerlösung wurde gemeinsam mit Noyes Technologies entwickelt. Noch für 2023 sei zudem geplant, verfahrbare Plattformen für das NoyesStorage auf den Markt zu bringen, wie CEO Marco Prüglmeier verrät. Zudem sei ein nachrüstbarer Pick-Roboterarm in Arbeit.

Aus Dachau berichtet Matthias Pieringer.
 

Ludwig Meister

Die Ludwig Meister GmbH & Co. KG mit Firmenzentrale in Dachau bei München ist ein technischer Händler. Mit mehr als 15.000 Kunden zählt sich Ludwig Meister zu den führenden Handels- und Dienstleistungsunternehmen in Deutschland für Antriebstechnik und ist Spezialist für Werkzeugtechnik und Fluidtechnik. Das 1939 gegründete, rund 300 Mitarbeiter starke Unternehmen verfügt über ein Produktportfolio von mehr als 2,5 Millionen Artikeln.

 

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Seite 56 bis 0 | Rubrik EXTRA