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„Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen“

Christina Thurner ist Mitglied der Geschäftsleitung der Loxxess AG, Beirätin bei der Trans-o-flex GmbH sowie Projektbeirätin bei der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“. Im Interview spricht sie über Frauen in der Logistik und ihren Weg an die Spitze.

Christina Thurner, Mitglied der Geschäftsleitung der Loxxess AG. Bild: Astrid Schmidhuber/Loxxess AG
Christina Thurner, Mitglied der Geschäftsleitung der Loxxess AG. Bild: Astrid Schmidhuber/Loxxess AG
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Sandra Lehmann
Interview

LOGISTIK▶HEUTE◀: Frau Thurner, Sie sind vor einigen Jahren ins Familiengeschäft eingestiegen. Mussten Sie sich bei Loxxess als Frau erst einmal durchsetzen?

Christina Thurner: Das ist jetzt ziemlich genau zehn Jahre her. Unser Vater hat früh die Weichen für einen Übergang der Verantwortung an meinen Bruder Claus-Peter und mich gesorgt. Jeder Nachfolger muss sich behaupten und beweisen. Egal ob Frau oder Mann. Aber es hilft wahrscheinlich, wenn man nicht weiblich, jung, blond und klein ist. Und ich finde es auch legitim, dass etablierte Fachleute erst mal kritisch sind, wenn die nächste Generation übernimmt.

Wie haben die Mitarbeiter und Kunden auf Ihren Einstieg reagiert?

Im Unternehmen lief es nicht reibungslos, wir hatten schon auch Auseinandersetzungen, bei meinem Bruder war es ebenso. Doch mit der Zeit und der Erkenntnis, dass wir doch einiges richtig machen, stieg die Akzeptanz. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich vor einigen Jahren auf dem Deutschen Logistik-Kongress. Meine Kollegen und ich hatten uns zum Ausklang des Kongresstages an der Marlene Bar des Interconti verabredet. Ich war zuerst da und sicherte einen Tisch. Ein bereits etwas angetrunkener Kongressteilnehmer war deshalb recht unwirsch zu mir. Als meine Kollegen kamen, fragte er sie, wer denn der Chef der Kleinen hier sei. Mein Team zeigte auf mich. Darüber lachen wir heute noch oft.

Haben es Frauen in der Logistik aus Ihrer Perspektive generell schwerer ein- und aufzusteigen?

Ja, zum Teil ist das so. In den Köpfen mancher ist das vielleicht biologisch bedingt. Frauen bekommen nun mal die Kinder. Andererseits stehen Frauen sich oft auch selbst im Weg – Thema ‚Fleißbienchen‘. Frauen sind schlechter im Networken, helfen sich gegenseitig oft nicht. Auch das scheint biologisch tief verankert zu sein. Bei Loxxess haben wir insgesamt einen Frauenanteil von 53 Prozent. Bei den Standortleitern sind es 26 Prozent, bei den Fach- und Führungskräften 37 Prozent. Dies haben wir durch gezielte Förderung erreicht. Und auch insgesamt beobachte ich bei den Aufstiegschancen von Frauen allmählich einen Wandel, viele jüngere Führungskräfte haben da überhaupt keine Vorbehalte mehr.

Sie haben von Beginn an eigene Ideen eingebracht und etwa Lean Management im Unternehmen eingeführt. Waren Sie damit von Anfang an erfolgreich?

Natürlich habe auch ich nicht alles richtig gemacht, nur weil ich eine Frau bin! ‚Entscheidend ist aufm Platz‘, finde ich. Man sollte Frauen wie Männer am Ergebnis messen. Bei Loxxess hat sich, genau wie in der Logistikbranche insgesamt, auch angetrieben durch die Digitalisierung, sehr viel verändert. Das hat auch die Kultur bei uns im Haus beeinflusst. Wir mussten und wollten uns diesen neuen Trends stellen und das Unternehmen darauf ausrichten. Das kam meinem Bruder und mir bei der Nachfolge sehr zugute.

Sie sind bei Loxxess unter anderem für Human Resources verantwortlich. Wie halten Sie es selbst mit der Geschlechtergleichberechtigung und was halten Sie von einer Frauenquote?

Selbstverständlich haben wir gleiche Bezahlung für Männer und Frauen. Wir versuchen Mütter auch mit 20 oder 40 Prozent Arbeitszeit wieder ins Berufsleben zu integrieren. Denn wir wollen diese Fachkräfte nicht verlieren, nur weil sie eine Familie gründen. Als Mittelständler tun wir was, möglich ist, um Frauen zu fördern. Ich selbst engagiere mich auf verschiedenen Ebenen, etwa auch bei den Ladies in Logistics. Eine Quote dagegen fühlt sich für mich falsch an. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen und die Einstellung in der Gesellschaft. Es ist ein Problem, wenn Meetings selbstverständlich erst um 17 Uhr angesetzt werden. Da muss die junge Mutter dann jedes Mal sagen, sorry, ich muss die Kinder holen. Und solange in der Gesellschaft bei erfolgreichen und durchsetzungsstarken Frauen immer noch von ‚Frauen mit Haaren auf den Zähnen‘ gesprochen und berufstätige Mütter als Rabenmutter tituliert werden, haben wir noch einen weiten Weg zu gehen.

Das Gespräch führte Sandra Lehmann.

Bild: Astrid Schmidhuber/Loxxess

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Artikel „Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen“
Seite 58 | Rubrik EXTRA
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