ESG-Reporting: CO2-Emissionen reduzieren – aber wie?

Wie Logistikdienstleister, Verlader und Frachtführer Reduktionspotenziale für CO2-Emissionen erkennen und einschätzen können.

Mithilfe welcher Maßnahmen lässt sich ein messbarer Effekt in Sachen CO2-Reduzierung erzielen? (Symbolbild: lhar / AdobeStock)
Mithilfe welcher Maßnahmen lässt sich ein messbarer Effekt in Sachen CO2-Reduzierung erzielen? (Symbolbild: lhar / AdobeStock)
Therese Meitinger
Autor(en) dieses Beitrags

Tobias Bohnhoff, Mitgründer und Geschäftsführer bei Shipzero, Hamburg

Expertenbeitrag

„Klimaneutralität bis 2030“, „Umstellung von 50 Prozent der Flotte auf alternative Kraftstoffe“, „Nutzung erneuerbarer Energie für die Versorgung des Logistiklagers“ – Ziele wie diese sind in der Nachhaltigkeitsstrategie vieler Unternehmen verankert. Wie sie jedoch erreicht werden, ist bei der Definition oftmals noch unklar. Bevor wirksame Maßnahmen zur Dekarbonisierung ergriffen werden können, sollten zunächst Emissionsdaten erfasst werden. Im Folgenden werden Möglichkeiten zur Identifizierung von Reduktionspotenzialen im Transport- und Logistiksektor erläutert.

Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen jetzt aktiv werden müssen. Um nur wenige zu nennen: ambitionierte Reduktionsziele, zunehmende regulatorische Vorgaben, Wettbewerbsdruck, steigende Kosten für Energie, Kompensationszahlungen oder die CO2-Maut. Es führt daher kein Weg daran vorbei, bereits früh in der Wertschöpfungskette anzusetzen und Emissionen nachweisbar zu reduzieren, um somit den eigenen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Ein Standard-Erfolgsrezept zur Dekarbonisierung gibt es dabei nicht. Jedes Unternehmen birgt eigene Potenziale. Die Möglichkeiten zur Emissionsreduktion sind daher je Unternehmung individuell zu identifizieren.

Spediteur, Dienstleister, Verlader – wer hat welchen Hebel?

Der Handlungsspielraum von Frachtführern, Logistikdienstleistern und Verladern variiert enorm. Ein Frachtführer hat direkten Einfluss auf seine Flotte und somit auf die Entscheidung in alternative Kraftstoffe oder Elektrifizierung zu investieren. Dagegen kann der Logistikdienstleister zwar auf unterschiedliche Verkehrsträger zugreifen, aber niemanden verpflichten, die eigene Flotte umzustellen. Der direkte Hebel bei Verladern ist noch geringer. Ihr Einfluss beschränkt sich meist auf die Planungsphase des Transports und ihre Investitionsbereitschaft. Dazu können sie sich entscheiden, nur mit Partnern zusammenzuarbeiten, die bestimmte Normen erfüllen und Emissionsdaten liefern können. Diese Anforderungen können Verlader in Ausschreibungen abfragen und vertraglich festhalten.

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Je nachdem, wo sich ein Unternehmen in der Logistikkette befindet, sind verschiedene Maßnahmen zur Dekarbonisierung denkbar:

  • Umstellung auf alternative Kraftstoffe und Elektrifizierung

Zur Reduktion fossiler Kraftstoffe wird auf synthetische und Biokraftstoffe umgestellt oder elektrifiziert. Diese Maßnahmen haben einen großen Effekt, sind aber zum Teil mit hohen Kosten, Verfügbarkeitshürden oder fehlender Infrastruktur verbunden. Insbesondere Biokraftstoffe rücken als Instrument zur Emissionsminderung zunehmend in den Vordergrund. Sie sind vergleichsweise kostengünstig, besonders wenn sie als Beimischung verwendet werden. Dadurch konnten sie erheblich an Aufschwung und somit an Marktanteil gewinnen. So ist zum Beispiel der Biokraftstoff HVO 100 bereits in mehreren EU-Mitgliedsländern eingeführt und seit Kurzem auch in Deutschland freigegeben. Vielversprechende Lösungen wie elektrische Antriebssysteme sind für Langstreckentransporte aufgrund der fehlenden Ladeinfrastruktur noch wenig einsetzbar. Aber auch hier lässt sich datenbasiert ermitteln, auf welchen Routen und Teilstrecken der Einsatz elektrischer Fahrzeuge bereits möglich wäre. Der Umstieg auf alternative Antriebsarten oder Kraftstoffe ist derzeit einer der vielversprechendsten Wege zur Reduktion von CO2-Emissionen.

  • Optimierung der Verkehrsträger

Eine gängige Optimierungsmethode ist der Wechsel des Verkehrsträgers innerhalb eines Transports – also die Umstellung des Transports auf effizientere Verkehrsträger, wie von der Straße auf die Schiene oder auf das Binnenschiff. Da insbesondere bei der Schiene eine große Abhängigkeit von der Infrastruktur besteht, wird eine gute Planungsarbeit benötigt. Im Idealfall ermöglichen Verlader ihren Dienstleistern eine hohe Flexibilität in der Durchführung ihrer Transporte. Bereits feste Vorgaben bei der Nutzung des Verkehrsträgers schränken Dienstleister stark ein und nehmen die Möglichkeit für emissionsärmere Transporte.

  • Reduzierung des Güterverkehrs

Dazu benötigt es eine vorausschauende Planung von Logistikprozessen, die zur Reduktion von Leerfahrten oder zur Konsolidierung von Ladungen führt. Auch Bedarfsprognosen zur Vermeidung von hohen Emissionsemittenten, wie Express- und Luftfracht, sind notwendig. Dabei spielen in der Transportplanung auch Verlader eine große Rolle, die durch eine vorausschauende Ausschreibung Einfluss auf die Transporteffizienz nehmen können. So könnten beispielsweise spontane Nachlieferungen in unausgelasteten Verkehrsträgern stärker vermieden werden.

  • Effizienzsteigerung der Flotte

Die Optimierung der Flotten-Energieeffizienz reicht von Mitarbeiterschulungen zur Verbesserung des Fahrverhaltens über Fuhrparkoptimierungen bis zum Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge und liegt insbesondere in den Händen der Flotteneigner. Durch die kontinuierliche Wartung der Flotte, wie zum Beispiel durch ideale Reifen am Lkw oder saubere Außenwände beim Schiff kann die Benötigung von fünf bis zehn Prozent weniger Kraftstoff bedeuten.

Unterschätzte Potenziale

Neben den offensichtlichen, großen Emissionsquellen gibt es häufig kleine, unterschätzte Bereiche, die optimiert werden können. So ist es oft sinnvoll, zunächst einen Fokus auf die Hauptverbindungen eines Logistikdienstleisters zu setzen. Wenn es große Ausschläge für eine Strecke gibt, die eine Spedition immer wieder fährt, hat das in der Regel Gründe, die es herauszufinden gilt. Bei einigen Kunden identifiziert Shipzero teilweise über 50-prozentige Abweichungen vom Durchschnittswert allein durch die Verkehrslage, das Fahrverhalten oder den Leerfahrtenanteil. Bei einem weiteren Kunden ist aufgrund der Daten ein auffällig hoher Energiewert durch lange Wartezeiten an Umschlagplätzen aufgefallen – insbesondere durch die Nutzung der Klimaanlage im Sommer. Durch die Verbesserung des Rampenmanagements und verkürzten Standzeiten konnten Emissionen signifikant eingespart werden.

Ohne Datengrundlage herrscht nur das Bauchgefühl

Damit geeignete Reduktionsmaßnahmen ermittelt und wirtschaftlich sinnvoll ausgesteuert werden können, benötigt es zunächst eine Strategie. Diese ist nur so gut wie die Datenbasis, auf der sie aufbaut. Viele Unternehmen versuchen firmenintern ihre Emissionsdaten zu erheben, geraten aber schnell an ihre Grenzen. Die Anforderungen sowie die Komplexität der Emissionsberechnung und -berichterstattung werden häufig unterschätzt. Manuelle Exceltabellen, eine unzureichende Datengrundlage oder fehlendes Wissen über Kalkulationsstandards führen dabei zu fehlerhaften Emissionsdaten.

Datenerfassungstools wie die Plattform Shipzero können bei der automatisierten Erstellung von Emissionsreports unterstützen – sowohl Frachtführern bei der Messung ihrer Scope-1-Emissionen als auch Verladern bei der Erhebung ihrer Scope-3-Emissionen. Der Schlüssel zum Erfolg ist hierbei die Aufbereitung und Zusammenführung der Primärdaten aus Telematik-Systemen mit den zugrundeliegenden Auftragsdaten. Somit können Emissionen sendungsgenau zugeordnet werden. Wenn CO2-Emissionsdaten auf den tatsächlichen Verbrauchsdaten beruhen, lässt sich ein aussagekräftiges Gesamtbild aller Transport- und Logistikaktivitäten zeichnen. Die Datengrundlage ermöglicht es, Quellen mit den höchsten Emissionsintensitäten zu ermitteln sowie Touren, Verkehrsträger oder diverse Kraftstoffe in ihrem Ausstoß miteinander zu vergleichen. Die Datenanalyse gibt Aufschluss darüber, durch welche Hebel hohe Treibhausgasausstöße künftig reduziert werden können.

Letztendlich sind die Logistik- und Transportprozesse eines jeden Unternehmens individuell zu betrachten. Eine Einheitslösung zur Reduktion gibt es nicht. Dazu spielen die Möglichkeiten zur Umsetzung eine große Rolle. Bio-Kraftstoffe sind derzeit nur begrenzt verfügbar, es fehlt an Ladeinfrastruktur, das Schienennetz muss ausgebaut werden und vielen Unternehmen fehlen für Umstrukturierungen sowohl finanzielle Mittel als auch Personal. Deshalb ist der wichtigste Schritt bei der Planung nachhaltiger Maßnahmen ein Realitätscheck.

Was sind meine größten Hebel? Welche kann ich jetzt schon umlegen? Was muss warten und langfristig geplant werden? Für all diese Fragen benötigt es Daten. Erst wenn Emissionsdaten erhoben und analysiert werden, sind effiziente und wirtschaftliche Maßnahmen ableitbar.

 

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