Telekom-Chef René Obermann fördert Frauen in Logistik-Führungspositionen - 30% Quote bis 2015: Braucht die Logistik Quotenfrauen?

Redaktion (allg.)


Frauen in Spitzenpositionen der Logistik findet man nur selten. In Unternehmen kommen sie fast gar nicht vor. ­Eine Ausnahme bildet die Wissenschaft. Hier haben sich ­weibliche Logistiker längst etabliert.


Telekom-Chef René Obermann sucht Frauen. Der Bonner Konzern beschloss als erstes DAX-notiertes Unternehmen eine Frauenquote für sein Management und belebt damit eine alte Diskussion. Sein Plan: Bis 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen von weiblichen Kollegen besetzt sein. Der Vorstoß polarisiert. Die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder begrüßt die Initiative des Telekommunikationsriesen. Andere DAX-Konzerne seh­en das Telekom-Modell allerdings kritisch.

Doch der Frauenmangel in Führungspositionen ist nicht nur bei der Telekom ein Problem. Auch im Logistiksektor haben es Frauen immer noch schwer. Ein Blick in die Führungsebene der Bundesvereinigung Logistik e.V. verdeutlicht das Dilemma: Frauke Heistermann ist das einzige weibliche Gesicht unter der Schar Herren in dunklen Anzügen. Noch verheerender sieht es im Beirat aus. Frauen? Fehlanzeige. Selbst im wissenschaftlichen Beirat schaffte es bisher nur eine Frau in das Gremium.


Herrenclub Logistik
Die Bundesvereinigung Logistik ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt aus der Logistikwelt, doch dieser zeigt deutlich: In der Logistik fehlen weibliche Führungskräfte. Hier agiert ein Herrenclub. LOGISTIK HEUTE hat deshalb bei einigen Unternehmen und Logistikerinnen nachgefragt. Woran hapert es?

„Logistik ist ein technischer Sektor, der primär männliche Arbeitnehmer anzieht. Schon unter den Ingenieuren im Studium gibt es sehr wenige Frauen“, begründet Christian Mäder vom Schweizer Intralogistikspezialisten Swisslog AG den geringen Anteil von Frauen in der Branche. Im Ingenieurswesen geben die Zahlen des Verbands deutscher Ingenieure (VDI) ihm recht. Nur elf Prozent der Ingenieure in Deutschland sind weiblich.

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Auch beim Dienstleisterriesen DB Schenker mangelt es an weiblichen Führungspersönlichkeiten. Der Anteil liegt bei zehn Prozent. „Die Branche wird von dem Bild geprägt, hemdsärmelig und eine Männer-Domäne zu sein. Dementsprechend ist das Interesse beim weiblichen akademischen Nachwuchs nicht so stark ausgeprägt“, sagt Peter Sauer von DB Schenker. Das Unternehmen betont, dass durch die internationale Ausrichtung des Geschäfts die „personellen Rahmenbedingungen“ sehr unterschiedlich sein können. Deshalb halte man eine Quotenregelung nicht für sinnvoll.

Auf fünf bis zehn Prozent schätzt Mäder von Swisslog den Anteil von Frauen in Führungspositionen in seinem Unternehmen. Genaue Zahlen erhebt das Unternehmen nicht. Auch besondere Förderprogramme bieten die Schweizer nicht an. „Mit flexiblen Anstellungsbedingungen versuchen wir aber die Rahmenbedingungen für Frauen, insbesondere für Mütter und Wiedereinsteigerinnen, attraktiv zu gestalten. Außerdem achten wir bei der Stellenbesetzung darauf, dass Frauen berücksichtigt werden“, so Mäder.

Familie und Kinder bleiben Karrierehindernisse. Die Kombination von beidem wird vielen Frauen immer noch erschwert, trotz Krippenausbau und weitreichenden Betreuungsangeboten. Viele Frauen in der Logistik gehen auch deshalb in die Wissenschaft. Dort finden sich mittlerweile zahlreiche Professorinnen, verteilt über die ganze Republik, von München über Augsburg und Nürnberg bis Oestrich-Winkel und Rostock.

Quote erschwert Akzeptanz
„Die Wissenschaft bietet im Gegensatz zur freien Wirtschaft schon eher ein gesichertes Umfeld für die Kombination von Beruf und Familie“, sagt Dr. Julia Boppert, Geschäftsführerin der Logistik-Unternehmensberatung TrilogIQa und Leiterin der Forschungsgruppe „Wertschöpfungsorientierung im Wissensmanagement“ am Lehrstuhl von Prof. Dr. Eva-Maria Kern von der Universität der Bundeswehr München.

Sie erlebt ihre Exotenrolle als Frau unter vielen Männern durchaus positiv: „Frau in der Logistikwelt zu sein, ist auch ein Vorteil, weil man unter den vielen Männern natürlich mehr im Gedächtnis bleibt“, erklärt Boppert. Eine Quote lehnt sie kategorisch ab: „Ich denke, Quotenfrauen haben es noch schwerer, als Kollegin oder Vorgesetzte anerkannt zu werden.“
Ähnlich denkt auch Birgit Lindemeier, frisch diplomierte Wirtschaftsingenieurin von der Hochschule Rosenheim und momentan auf Stellensuche: „Sollte eine Frau nur aufgrund der Quote aufsteigen, wird sie bei den Kollegen schwer auf Akzeptanz stoßen. Deswegen werden die Arbeitsbedingungen nicht zwangsläufig besser.“ Ihren Wunsch teilt sie mit vielen Kolleginnen: „Frauen wäre mehr geholfen, wenn ihnen das gleiche Gehalt wie Männern gezahlt würde, sie in ihrer Funktion als Mutter unterstützt und von übergeordneten Stellen gefördert würden.“ We

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