SCM: Stabiles Bier

Volatile Lieferketten erlauben kein Silodenken im SCM. Die Brauerei Heineken hat die Abläufe in ihrer Supply Chain in mehreren Ländergesellschaften mit einer Sales and Operations Planning (S&OP)-Lösung standardisiert.

Neben dem Ausschank in der Gastronomie müssen sich Bierhersteller auch auf Verbrauchertrends wie das Omnichannel-Geschäft einstellen. Bild: Wasan/AdobeStock
Neben dem Ausschank in der Gastronomie müssen sich Bierhersteller auch auf Verbrauchertrends wie das Omnichannel-Geschäft einstellen. Bild: Wasan/AdobeStock
Therese Meitinger
SCM

Das Brauereiunternehmen Heineken wurde 1864 in den Niederlanden gegründet und ist heute in mehr als 70 Ländern tätig. Nach wie vor führt die Familie Heineken die Geschäfte und spielt eine sehr aktive Rolle im Firmenaufbau. Europa war von Anfang an das Mutterland und die Hochburg des Unternehmens, aber das Geschäft mit Bieren und Cidern ist auch in Amerika sehr stark.

Heineken hat in den vergangenen Jahren erlebt, dass der Druck und die Volatilität der End-to-End-Leistung im Brauereigeschäft stark zunehmen. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit im Zuge der Covid-19-Krise gibt es hierfür mehrere externe Treiber wie Lockdowns oder Einschränkungen. Hinzu kommen unterschiedliche Verbrauchertrends, zu denen beispielsweise das Omnichannel-Geschäft zählt.

„Offensichtlich müssen heutzutage, wahrscheinlich mehr als je zuvor, die End-to-End-Prozesse und Performances vollständig sichtbar sein. Es herrscht auch ein Kostendruck“, sagt Elena Kaporina, Leiterin des globalen S&OP-Kernprogramms von Heineken. Nachfrageschwankungen als Reaktion auf die Corona-Maßnahmen haben nicht nur bei der Brauerei zu wirtschaftlicher Unsicherheit und Herausforderungen bei den Lieferprognosen geführt. Schließlich haben die Verbraucher ihr Verhalten im Omnichannel-Kontext in dieser Zeit immer wieder angepasst. Volatile Prognosen übten und üben Druck auf den Kundenservice aus. In Verbindung mit mangelnder Standardisierung im gesamten Unternehmen waren die Planungsabläufe oft noch ausbaufähig.

Um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten,sind Innovationen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung erforderlich. Zusätzlich werden die Prognosen durch mangelnde Transparenz in den End-to-End-Prozessen und die Fragmentierung der Geschäftsbereiche in Silos erschwert, die eine effiziente Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen und auf globaler Ebene verhindern. Schließlich sind die Entscheidungsprozesse oft eher volumen- als wertorientiert.

Die Bereiche verbinden

„Bei der Planung ist es wichtig sicherzustellen, dass die Dinge funktionsübergreifend zusammenarbeiten. Und das ist nicht immer der Fall. Es ist sehr schwierig sicherzustellen, dass verschiedene Funktionen im Rahmen ihres S&OP-Prozesses als Teil der Nachfrage- und Angebotsebene zusammenarbeiten“, erläutert Elena Kaporina. Die operativen Gesellschaften von Heineken hatten zunächst individuelle und nicht integrierte Tools entwickelt – mit begrenzter S&OP-Prozessreife und fragmentierter Prozessverantwortung, die nicht immer funktionsübergreifend war. Die Prozesse verhinderten so die rechtzeitige Erfassung genauer Daten.

„All das löste vor einigen Jahren das starke Bedürfnis nach einer standardisierten Planungslösung aus, dem S&OP Core-Programm, das wir vor vier Jahren gestartet haben“, so Kaporina. Im S&OP-Kernprogramm stellte Heineken Risiken in Bezug auf die Sicherheit der Lieferketten und Trends in Bezug auf den Anstieg der Kosten der verkauften Waren und der Lagerabschreibungen fest. Um den Entscheidungsfindungsprozess zu verbessern, wurde der Zugang zu besseren Daten für genauere Prognosen notwendig.

Genauere Prognosen treffen

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Low-Code-Visualisierung von Daten aus Produktion und Logistik

E-Commerce-Lager flexibel automatisieren

Bei der Implementierung eines S&OP-Prozesses setzte Heineken auf das französische Softwareunternehmen FuturMaster. Die Beziehung zwischen FuturMaster und der französischen Niederlassung von Heineken geht bereits auf das Jahr 2001 zurück. Das Kernprogramm zur Entwicklung einer standardisierten Planungslösung, die auf der FuturMaster-Lösung basiert, wurde 2017 mit der Einführung in den Heineken-Gesellschaften China und Ungarn gestartet. Im zweiten Quartal 2018 begann die weltweite Einführung eines Standard-Templates. Das Kernsystem ist nun in 16 operativen Gesellschaften in Betrieb, weitere 36 Implementierungen sind geplant. Die standardisierte Planungslösung wurde zuletzt über eine Fernimplementierung als Reaktion auf diecoronabedingten Reisebeschränkungen umgesetzt.

FuturMaster unterstützte Heineken bei der Verbesserung der Datenerfassungsprozesse, außerdem nahm es eine erweiterte Analyse der Absatzmuster und -mengen vor. Auf diese Weise entstand eine aggregierte und konsolidierte Ansicht der Nachfrage, die die Prognosegenauigkeit verbesserte und Kosteneinsparungen ermöglichte. Die Erhöhung der wöchentlichen Vorhersagegenauigkeit sorgte für mehr Flexibilität, während die bessere Granularität effektivere Werbeaktionen ermöglichte. Die Lagerbestände ließen sich reduzieren, während sich die Produktverfügbarkeit für die Kunden erhöhte. „FuturMaster hat ein sehr gutes Verständnis für die Realität und die Besonderheiten von Heineken. Die Beziehung der beiden Unternehmen hat den Erfolg bei der Entwicklung und Einführung des S&OP-Kernprogramms ermöglicht“, sagt Carlo Bisagni, Global IT Lead & S&OP-Kernprogramm von Heineken.

Außerdem hat Heineken ein dreimonatiges Experiment zum Nachweis des Nutzens der vorgeschlagenen intelligenten Lieferkettenplanung der nächsten Generation durchgeführt. „Wir haben festgestellt, dass Menschen der Schlüssel zum Erfolg unserer Unternehmensstrategie und damit auch zu unserer IT-Strategie sind. Also müssen wir sie in den Mittelpunkt stellen“, erklärt Bisagni. Im Experiment zeigte sich, dass Benutzer durch eine umfassendere Visualisierung besser eingebunden werden konnten. Die Drill-Down-Fähigkeit der Prognosen und flexible Anpassungsoptionen der standardisierten Vorlage ermöglichten es Benutzern, die Applikation an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen. FuturMaster konnte Heineken auch bei der Aufrechterhaltung der neuen Fähigkeit mit einem robusten Support-Modell unterstützen, das auf dem Wissenstransfer, der Leistungsüberwachung und den Prozessleistungsindikatoren aufbaut.

Heinekens S&OP-Ansatz soll sich künftig darauf konzentrieren, geschäftskritische Erkenntnisse in großem Umfang zu liefern, indem die Analytik und die KI-Funktionen der implementierten Lösung für eine optimierte Anwendererfahrung genutzt werden. Den Einsatz der FuturMaster-Funktionen für maschinelles Lernen sieht die Brauerei als Möglichkeit, kurzfristige Prognoseanpassungen zu verbessern. Hinzukommt die Umstellung auf eine Cloud-native Software-as-a-Service (SaaS)-Lösung von FuturMaster, die es ermöglicht, die technologischen Lösungen in großem Umfang und mit hoher Geschwindigkeit in den weltweit operierenden Unternehmen einzusetzen. tm

Heineken

Heineken ist ein 1864 von Gerard Heineken in Amsterdam gegründetes Brauereiunternehmen in Familienbesitz, das in über 70 Ländern tätig ist und seine Marken in mehr als 190 Ländern vertreibt. Weltweit wurden 2020 rund 84.000 Mitarbeitende beschäftigt. Das Unternehmen, dessen Hauptsitz in Amsterdam liegt, stellt über 250 verschiedene Produkte her, darunter internationale, regionale und lokale Marken. Der Umsatz von Heineken betrug im Jahr 2019 in Deutschland 97,7 Millionen Euro.

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Artikel SCM: Stabiles Bier
Seite 120 bis 121 | Rubrik BEST-PRACTICE-PROJEKTE