Auto-ID: Der Handgriff zieht in die Cloud

Manuelle Prozesse lassen sich in der Logistik noch immer nicht wegdenken – aber effizienter gestalten. Dazu müssen Informationen zu händischen Arbeitsabläufen allerdings in Daten umgewandelt werden.

Auch aus manuellen Prozessen können Logistiker mit dem richtigen Equipment smarte Daten generieren. Bild: BillionPhotos.com/AdobeStock
Auch aus manuellen Prozessen können Logistiker mit dem richtigen Equipment smarte Daten generieren. Bild: BillionPhotos.com/AdobeStock
Sandra Lehmann
Motion Mining

Für die vielbeschworene digitale Zukunft der Industrie sieht man in den Bereichen, in denen Ware hergestellt und bewegt wird, noch zu wenige Anzeichen. Beispielsweise funktioniert die Kommissionierung im Lager auch heute noch meist mit ausgedruckten Picklisten und manueller Kraft. Viele Prozesse der Wertschöpfungskette werden noch händisch betrieben und gesteuert, was sich negativ auf die Effizienz auswirken kann. Liegen keine oder zu wenige Daten im IT-System vor, können diese auch nicht für die Planung, Steuerung und Erfolgskontrolle genutzt werden. Das kann, wie zuletzt die Corona-Pandemie aufgezeigt hat, negative Auswirkungen haben: Denn Daten sind nicht nur die Basis für kosteneffiziente, sondern vor allem auch für resiliente Supply Chains, die im Normalfall und auch im Krisenfall zuverlässig „laufen“ müssen.

Um effiziente und resiliente Wertschöpfungsketten zu schaffen, führt kein Weg daran vorbei, Systeme, Anlagen und Menschen unternehmensübergreifend digital zu vernetzen. So entsteht End-to-End-Transparenz über sämtliche Prozesse – von den Rohstofflieferanten bis hin zu den Kunden. Ein wichtiger Aspekt dieser Transparenz in der Logistik ist es, dass die Verantwortlichen jederzeit genaue Daten darüber haben, welche Prozesse wo und auf welche Weise ablaufen beziehungsweise wo sich Objekte und Waren genau befinden. Durch Methoden wie Process Mining und Task Mining haben Unternehmen bereits heute Zugriff auf vielseitige, digital vorliegende Daten aus den IT-Systemen für Enterprise Resource Planning, Logistik und Produktion.

Mehrwert durch Vernetzung

Diese Daten liefern zwar Informationen über den gesamten Prozess vom Rohstoff bis zum Anwender, liegen aber meist nur in Silos isoliert vor. Das ist kontraproduktiv, denn der Mehrwert entsteht erst durch ihre Vernetzung und die Umwandlung in relevante Informationen für Analysen und Verbesserungen. Bei manuellen Prozessen widerum stellt sich die Frage: Wie bekomme ich die Daten über Handgriffe und Wege von Mitarbeitern überhaupt in mein IT-System?

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Welche Handlungen die Mitarbeiter in einem Lager genau ausführen und welche Wege sie zurücklegen, ist oft nicht im Detail bekannt und daher schwer auf die Effizienz hin zu überprüfen. Machen die Mitarbeiter viele Umwege? Führen sie aufgrund von Erfahrungswissen Handlungen aus, die im Prozess eigentlich nicht vorgesehen und daher nicht im System abgebildet sind? Oder auf den Aspekt der Ergonomie bezogen: Müssen Mitarbeiter beispielsweise oft schwere Waren aus höheren Regalen herunterheben, während leichtere in besser erreichbarer Höhe liegen? Wenn Unternehmen Antworten auf Fragen wie diese bekommen, hat das zwei Vorteile: Sie bekommen die Möglichkeit, die Effizienz ihrer Prozesse zu erhöhen und ihren Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern.

Motion Mining hilft

Eine Lösung dafür, Daten der Lagermitarbeiter zu Arbeitsabläufen und Wegen ins IT-System zu bringen, bietet das sogenannte Motion Mining. Zur anonymen Erfassung der verschiedenen Tätigkeiten kommen Wearables, am Körper getragene Sensoren, und kleine, im Lager stationierte Sender (Beacons) zum Einsatz. Mit deren Hilfe können Unternehmen die Bewegungen und Aktivitäten exakt erfassen und digital verwertbar machen. sln

Autorin: Daniela Oppmann, Leiterin Business Development Logistik, Salt Solutions, Würzburg.

Was ist Motion Mining?

Mittels Motion Mining können Unternehmen transparentere Supply Chains schaffen.

Motion Mining umfasst technische Lösungen, mit denen Unternehmen Daten aus manuellen Prozessen wie etwa den Arbeitsabläufen in einem Lager mithilfe von mobilen Sensoren automatisch und anonym ins IT-System bringen, damit sie für Analysen und Verbesserungen zur Verfügung stehen.

Quelle: Salt Solutions

Was ist RFID?

RFID ermöglicht die genaue Lokalisierung von Objekten mithilfe von Funktechnologie. Unternehmensübergreifend im Einsatz, ermöglicht RFID hohe Transparenz über den Verbleib aller Waren und Objekte in der gesamten Supply Chain und damit effizientere Logistikprozesse.

Quelle: Salt Solutions

Checkliste

Ist Ihre Logistik transparent genug?

  • 1. Wissen Sie jederzeit, wo sich alle Ihre Waren befinden?
  • 2. Sind Sie sicher, dass Ihre Prozesse den Lagermitarbeitern effizientes Handeln ermöglichen?
  • 3. Sind Ihre Kunden stets mit Ihrer Lieferfähigkeit zufrieden?
  • 4. Ist Ihre Logistik nur ein Kostenfaktor, statt zur Wertschöpfung und zum Gewinn beizutragen?
  • 5. Sind Sie auf Störungen der Supply Chain wie Naturkatastrophen, politische Umbrüche oder Ausfälle von Lieferanten vorbereitet und können Sie rasch reagieren?

Wenn Sie auf eine oder mehrere Fragen mit Nein antworten, lohnt es sich, über eine schrittweise Erhöhung des Digitalisierungsgrades Ihrer Logistikprozesse nachzudenken.

Quelle: Salt Solutions

Zusätzliche Systeme

Warum eine IoT-Plattform plus Edge- und Cloud-Computing?

IoT-Plattformen ermöglichen die Vernetzung verschiedenartiger Geräte und Applikationen im Internet der Dinge. Nur sie sind leistungsstark genug, um die riesigen Datenmengen, die bei einer Digitalisierung der Supply Chain anfallen, in Echtzeit zu verarbeiten. Über die Cloud laufen die Daten zusammen und stehen standortübergreifend zur Verfügung. Edge-Computing schließlich bringt die Cloud ins Unternehmen: Von Cloud-Anbietern administrierte Edge-Geräte, direkt an einem Logistiksystem oder einer Montagelinie aufgestellt, bieten Cloud-Leistung, gleichzeitig sind aber Datenvolumen, Datenströme und Übertragungsstrecke signifikant niedriger. Sicherheits- und zeitkritische Daten werden weiterhin On-Premise gespeichert und verarbeitet.

Quelle: Salt Solutions

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Artikel Auto-ID: Der Handgriff zieht in die Cloud
Seite 30 bis 31 | Rubrik AUTO-ID