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Ausbildung: Spanier in der Oberpfalz

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Redaktion (allg.)

Der Intralogistikanbieter Witron bildet in Parkstein junge Menschen aus aller Welt zum Industrieelektriker aus.
Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa strömen zunehmend junge Leute nach Deutschland, um hierzulande eine Ausbildung zu machen oder eine Karriere zu starten. Einer von ihnen ist Alejandro González López. Der 21-Jährige hat in seinem Heimatland Spanien nach dem Abitur eine Ausbildung im Bereich Helikopterwartung gemacht, fand danach aber keinen Job. Seit August 2012 absolviert er nun eine zweijährige Ausbildung zum Industrieelektriker, Fachrichtung Betriebstechnik, bei der Witron Logistik + Informatik GmbH in Parkstein in der Oberpfalz.
González López nimmt an dem Witron- Programm „Transnationale Ausbildung“ teil. Bereits 2010 hat der Intralogistikanbieter dieses Projekt mit einer Pilotgruppe – bestehend aus drei Azubis aus Spanien und den USA – gestartet. „Die duale Ausbildung ist für uns das stärkste Mittel, um Wachstum sicherzustellen. Deshalb reifte vor drei Jahren der Gedanke, sie auch Mitarbeitern aus anderen Ländern anzubieten“, erinnert sich Witron- Personalchef Theo Zeitler. „Die größte Herausforderung zu Programmstart war, dass die Jugendlichen nach Deutschland kommen, vier Wochen Sprachunterricht haben und dann in die zehn Kilometer entfernte Berufsschule Weiden entsendet werden, wo viele Berufsschullehrer Dialekt sprechen“, erklärt der Personaler. Im Blockschulunterricht verbringen die Teilnehmer insgesamt 24 Schulwochen in Weiden. Im Unternehmen haben sie zusätzlich intensiven Deutsch-Sprachunterricht.
Trotz skeptischer Stimmen verlief der erste Pilotjahrgang gut und so stellte Witron 2011 erneut neun Lehrlinge aus Spanien, USA, England, Belgien und Norwegen ein. Im Jahr 2012 folgten acht Teilnehmer aus Spanien, den USA und Kolumbien. Die vierte Gruppe startete 2013 mit neun Auszubildenden aus Spanien, den USA, England und Venezuela.
Mittlerweile haben die ersten beiden Gruppen die Ausbildung erfolgreich absolviert. Einige von ihnen wurden sogar für besonders gute Leistungen ausgezeichnet. „Es sind auch schon transnationale Lehrlinge als Schülersprecher in der Berufsschule gewählt worden. Daran sieht man, dass das besonders motivierte Leute sind, die sich mit ganz viel Ehrgeiz und Engagement ihrer Aufgabe widmen“, betont Zeitler. Alle elf Absolventen seien im Anschluss bei Witron geblieben. Auf Basis dieser Erfolgsbilanz werde derzeit diskutiert, zusätzlich zur Ausbildung zum Industrieelektriker auch die Schwerpunkte IT oder Mechanik anzubieten.
Führungskräfte für morgen
Neben der Ausbildungsvergütung und den Ausbildungskosten stellt Witron während der gesamten Ausbildung eine Unterkunft. In den ersten drei bis vier Monaten sind die Teilnehmer in Gastfamilien untergebracht, später in einem eigenen Apartment. Pro Jahr bezahlt Witron darüber hinaus jedem Azubi zwei Familienheimflüge. Bisher hat das Unternehmen das Projekt aus der eigenen Tasche finanziert. Seit Januar 2013 gibt es aber das EU-Programm „MobiPro“, über das sich solche Projekte finanzieren lassen. Rund 5.000 junge Spanier sollen in den kommenden vier Jahren im Rahmen dieses Projektes in Deutschland einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle erhalten. „Wir werden in Zukunft auf dieses Programm zurückgreifen, wenn das möglich ist“, sagt Zeitler.
Doch auch unabhängig davon trage die Investition spätestens in vier bis fünf Jahren Früchte, wenn die Absolventen genügend Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt haben. „Dann können wir sie beispielsweise in ihrem Heimatland in Schlüssel- und Führungspositionen einsetzen, etwa als Team- oder Projektleiter“, ergänzt der Personaler. „Für uns ist das ein Riesengewinn, weil sie dann auch etwas von deutscher Kultur und Sprache verstehen und davon, wie Witron tickt. So schlagen wir eine Brücke in diese Länder“, betont er. Vor Ort sei es nicht immer einfach, geeignete Fachkräfte zu finden, die auch zum Unternehmen passen. Und bereits heute ist Witron weltweit in mehr als 50 Ländern mit Projekten tätig.
„In Spanien lassen sich junge Leute leichter für unsere Transnationale Ausbildung begeistern als in anderen Ländern“, fährt Zeitler fort. Der Druck durch die schwierige Arbeitsmarktsituation sei einfach höher. Zudem würden junge Leute dort bereits mit Ausbildungs- und Sprachprogrammen auf den Schritt ins Ausland vorbereitet. Ein Beispiel ist das Praktikantenprogramm Leonardo, über das Witron schon zum dritten Mal junge Spanier für vier Monate nach Parkstein geholt hat, die bereits ausgelernt oder studiert haben. Viele von ihnen wurden übernommen.
In anderen Ländern Europas oder in den USA sei die Nachwuchssuche aber schwieriger, so Zeitler. „Wir sprechen hier bewusst unsere ausländischen Mitarbeiter an, die schon in einem Bezug zur Firma stehen. Das hat sich zunehmend positiv entwickelt, einfach durch Mundpropaganda“, erklärt der Manager. Während ihrer Ausbildung erlernen die angehenden Industrieelektriker beispielsweise, wie sich Schaltschränke verdrahten und bestücken lassen oder wie elektrische Systeme gemessen, analysiert und geprüft werden. Die Lehrlinge installieren elektrische Anlagen und nehmen sie in Betrieb, warten die Systeme und halten sie instand.
Zu den Ausbildungsvoraussetzungen zählen neben einer abgeschlossenen Schulausbildung technisches Interesse und Verständnis sowie handwerkliches Geschick. Einen hohen Stellenwert haben neben einer starken Persönlichkeit auch Flexibilität und Reisebereitschaft sowie gute Englischkenntnisse. Denn schon während der Ausbildung sind die Teilnehmer mit den Projektteams im Ausland unterwegs. „Am meisten freue ich mich auf die Auslandserfahrung“, sagt Zoltán Sipos, der seit August 2012 an dem Programm Transnationale Ausbildung teilnimmt. Vor seinem Wechsel zu Witron hat der 20-jährige Slowake bereits vier Jahre lang zwei elektrotechnische Ausbildungen in Spanien absolviert. „Wir haben zuerst hier im Haus in der Fertigung gearbeitet. Dann waren wir auf Montage in der Schweiz. Bis März 2014 bin ich nun in Norwegen“, berichtet sein Azubi-Kollege González López.
Chance trotz Sprachbarriere

Beide Lehrlinge sehen die Ausbildung bei Witron als große Chance. „Wir bekommen Hilfe, wenn wir sie brauchen. Aber die deutsche Sprache muss ich noch weiter lernen, auch für die Schule“, sagt González López. Nach der Transnationalen Ausbildung will er wie Sipos bei Witron bleiben und praktische Erfahrungen sammeln. Beide möchten momentan nicht zurück in ihr Heimatland. Die Lehrlinge würden das Programm auch anderen jungen Leuten empfehlen – allein schon wegen des bayerischen Biers, meinen sie augenzwinkernd.
Anja Kiewitt
Witron
Die Witron Logistik + Informatik GmbH mit Sitz in Parkstein in der Oberpfalz erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von 200 Mio. Euro. Weltweit beschäftigt der Hersteller von Materialfluss- und Lagersystemen 1.600 Mitarbeiter.
Dieser Artikel erschien in der LOGISTIKHEUTE-Ausgabe 1-2/2014

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