Vereinigte Staaten von Europa – die Wunschvorstellung amerikanischer E-Commerce-Firmen?

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Guten Tag, in diesen warmen Tagen lohnt sich ein Blick in eine neue Studie aus dem E-Commerce-Bereich. „Internationalizing Your Brand in 2017“ ist die Studie überschrieben, deren Ergebnisse so mancher Onlinehändler hierzulande mit Interesse begutachtete. Die heiße Kernbotschaft lautet: Etwa ein Drittel der führenden US-amerikanischen E-Commerce-Händler plant in den kommenden vier Jahren den Markteintritt in Deutschland (siehe News der Woche).

Für die Studie hat die Agentur Worldwide Business Research Digital im Auftrag von Arvato 200 Entscheidungsträger in US-Firmen nach ihren „Europa-Strategien“ befragt. Die Gretchenfrage lautet: Müssen sich jetzt deutsche Onlinehändler warm anziehen, wenn die Wettbewerber über den Atlantik aufs Smartphone kommen? Wer sich die Studie genauer ansieht, kann durchatmen. Denn gleich ein paar Fakten sind auffällig.

So wollen 96 Prozent der Befragten Großbritannien als Sprungbrett nach Europa nehmen, weil viele dort Filialen haben. Großbritannien? Angesichts das planlosen Agierens der britischen Regierung in Sachen Brexit ist es wohl eher fraglich, ob das immer mehr ausgeleierte Sprungbrett den Firmen künftig Flügel verleihen wird, um auf den Kontinent zu hüpfen. Und hier einmal angekommen, gilt es für die Amerikaner gleich eine ganze Reihe von Stolpersteinen zu umgehen. Verschiedene Sprachen und Kulturen sind das eine. Sehr unterschiedliche Zahlungs- und Einkaufsvorlieben das andere. Onlineshopping in Deutschland funktioniert anders als in Rumänien.

In puncto E-Commerce sind wohl die Vereinigten Staaten von Europa eine Wunschvorstellung so manches US-Unternehmens. Zugegeben, der Onlinegigant Amazon ist inzwischen in weiten Teilen Europas sehr erfolgreich. Aber dahinter stehen ziemlich helle Köpfe – und bis zum Einfahren der Ernte brauchte Amazon in Europa einen langen Atem.

Bleibt zu hoffen, dass es die US-Firmen, die hierzulande ihre ersten Schritte wagen, gut vorbereitet sind. Und es ihnen nicht so geht wie dem Handelsriesen Wal-Mart, der sich im heißen Sommer des Jahres 2006 komplett aus Deutschland verabschiedete – nach acht harten Aufbaujahren und angeblich Verlusten im dreistelligen Millionenbereich. Damals verkauften die Amerikaner zähneknirschend sämtliche 85 Filialen an ihren Konkurrenten Metro.

Aktuell ist Wal-Mart auch nicht „amused“. Denn ausgerechnet aus Deutschland bekommt die schwächelnde Supermarktkette Konkurrenz: Der Billig-Discounter Lidl hat im Juni die ersten drei US-Filialen eröffnet, binnen eines Jahres sollen etwa 100 weitere an der Ostküste folgen. Das neue Werbemotto des Konzerns könnte man mit „Heidi hilft“ überschreiben. Denn das in den USA sehr bekannte Ex-Supermodel Heidi Klum will bald ihre eigene Modekollektion in dem Discounter anbieten. US-Präsident Trump wird angesichts dieser neuen Aktivitäten aus Deutschland vermutlich noch weniger „amused“ über die Exportnation sein, als er es ohnehin schon ist. Sein Problem.

Einen unbeschwerten Start in den Tag wünscht

Thilo Jörgl
Chefredakteur LOGISTIK HEUTE

Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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