Logistikimmobilien: Wachsen Lager bald in den Himmel?

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Guten Tag, der Münchner Osten galt vor 30 Jahren als kleine Schmuddelecke der bayerischen Landeshauptstadt: schlechte Wohngegend, Bus- statt U-Bahnanbindung, Fluglärm. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Wo sich einst der alte Airport befand, steht heute ein neues Messegelände im Stadtteil Riem samt gutem U-Bahnanschluss, modernem Shoppingcenter und attraktiven Grünanlagen. Zehntausende Menschen leben hier, Dutzende Unternehmen haben sich an der Autobahn A94 zwischen Trudering und dem Kombiterminal Riem angesiedelt.
 
Demnächst wird Riem bei Logistikern, genauer: Logistikimmobilienexperten, auch aus einem anderen Grund in aller Munde sein: Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass unweit der Galopprennbahn von 1897 ein 7.000 Quadratmeter großes Lager entsteht, in das Transporter über eine Rampe in den zweiten Stock fahren können. Klar, das ist teuer. Aber der Entwickler, der sich das leistet, profitiert auch von den hohen Mietpreisen für Lagerflächen in dieser Gegend. Angeblich möchte ein anderer Developer ganz in der Nähe sogar ein Lager bauen, das sowohl ein oder zwei Stockwerke in die Erde als auch ein Stockwerk gen Himmel geht.
 
Diese Entwicklungen sind neu. Mehrstöckige Lager kennen wir bisher nur aus Seattle, Singapur oder Paris, also Metropolen, wo man für Lagerflächenmieten noch deutlich tiefer in die Tasche greifen muss als in der beschaulichen Stadt mit dem „Laptop und Lederhosen“-Image. Wenn man dem Report „Last Mile / City Logistics“ von CBRE Glauben schenken darf, wird man künftig auch in anderen deutschen Ballungsräumen „vertikale Lagerlösungen“ finden (siehe News der Woche). Ich selbst bin noch etwas skeptisch, ob solche kostspieligen Lösungen außerhalb der Top-5-Logistik-Hotspots hierzulande ein Renner werden. Die Revitalisierung von alten Industrieanlagen ist in der Regel eine günstigere Alternative, als in die Höhe zu bauen.
 
Die Krux ist aber, dass viele Kommunen keine Flächen für die Logistik rausrücken und die Bundesregierung weiterhin darauf bedacht ist, dass immer weniger Grünflächen versiegelt werden. Aber das geht an der Realität vorbei. Die Welt wird globaler, der E-Commerce boomt. Und irgendwo müssen die Millionen Pakete ja gepackt und gelagert werden.
 
Noch ein Trend, den CBRE sperrig mit re-logistification bezeichnet, lohnt einer genaueren Betrachtung: Mehr leere Einzelhandels- und Bürogebäude werden künftig als „kleine Lagerhäuser“ genutzt. Bestes Beispiel: Der Onlinehändler (und Logistikspezialist!) Amazon. Er mietet in München eine Lagerfläche, die einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt liegt. Und in Berlin packt er Pakete an der Vergnügungsmeile Kurfürstendamm. Nur so können die Amerikaner überhaupt das Versprechen einhalten, bestimmte Artikel binnen einer Stunde in der Innenstadt auszuliefern.
 
Die CBRE-Studie zeigt auch deutlich: Treiber der Paketflut sind vor allem junge Menschen, die immer öfter und immer mehr Waren per Handyklick vor die eigene Wohnungstüre liefern lassen.
 
E-Commerce – und übrigens auch Industrie 4.0 – sind die Haupttreiber schneller Veränderungen von Logistikimmobilien. Ich bin gespannt, wie stark sich das bereits in diesem Jahr bei den Einreichungen für den Logistikimmobilien-Preis Logix widerspiegeln wird, dessen neuer Medienpartner LOGISTIK HEUTE ist. Die Bewerbungsphase hat schon begonnen. Der Gewinner wird am 4. Oktober auf der Immobilienmesse EXPO REAL verkündet. Wer es nicht weiß: Die Wissensdrehscheibe der Immobilienexperten findet auf dem Münchner Messegelände statt – also im Osten der Stadt.
 
Einen entspannten Start in den Tag wünscht

Thilo Jörgl
Chefredakteur LOGISTIK HEUTE

Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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