Handel: Warum Lidl-Logistiker gerade feiern

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Guten Tag,

es ist eine rare Spezies, aber es gibt sie noch: Die Familienunternehmer, die in fetten Jahren einen fetten Bonus an die Mitarbeiter zahlen. Zum Beispiel Ernst Probst, der Chef des Ulmer Schmierstoffspezialisten Liqui Moly. Im Februar 2017 schüttete der schwäbische Ölbaron seinen 800 Mitarbeitern jeweils 11.000 Euro Jahresprämie für 2016 aus. Augenzwinkernd in Richtung Autokonzerne schrieb der 60-jährige Lebemann in einer Mail an die Belegschaft: „Das ist doppelt so viel Prämie, wie es dieses Jahr beim Daimler gibt.“ Weiter hieß es: „Ich liebe es, Sie zu erfreuen und Sie zu überraschen!“

Erfreut waren am 21. Juli wohl auch 3.300 Logistik-Mitarbeiter des Discounters Lidl: Der Neckarsulmer Konzern kündigte an, mit den bisher an den Logistik-Tarifvertrag gebundenen regionalen Lagergesellschaften den Arbeitgeberverband zu wechseln. Konkret heißt das: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt sollen die Kommissionierer und Staplerfahrer, die aktuell in 20 Logistikzentren ihr Brot verdienen, nach dem besseren Einzelhandelstarif bezahlt werden (siehe News der Woche). Ziel des Beschlusses sei es, eine deutschlandweite Vereinheitlichung der bei Lidl geltenden Tarifverträge zu erlangen, hieß es aus der Neckarsulmer Zentrale.

Der Schritt ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen werden so historisch gewachsene Strukturen vereinheitlicht. Zum anderen sind Logistiker nicht mehr gegenüber anderen Mitarbeitern benachteiligt. Interessant ist die Entscheidung auch, weil der Discounter für die Aktion tief in die Kasse greifen muss. Und Lebensmitteleinzelhändler sonnen sich bekanntlich nicht in Traummargen. Insofern wäre beispielsweise ein Vergleich von Liqui Moly und Lidl unfair.

Gejubelt hat über die Entscheidung übrigens auch die Gewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaftler hätten nämlich gerne, dass sich andere Unternehmen Lidl zum Vorbild nehmen – allen voran Zalando und Amazon. Bekanntlich fordert Verdi seit Mai 2013 die Aufnahme von Tarifverhandlungen für die inzwischen mehr als 13.000 Amazon-Angestellten und will die Konditionen des Versand- und Einzelhandels durchsetzen. Doch bisher kam es zu keiner Annäherung der beiden Parteien, stattdessen immer wieder zu Streiks, die aber Amazon durch sein inzwischen auf 31 Logistikzentren angewachsenes Europa-Lagernetzwerk locker wegsteckt. Man fragt sich dennoch, ob sich die Amerikaner irgendwann die als sparsam geltenden Schwaben zum Vorbild nehmen?

 

Einen unbeschwerten Start in den neuen Tag wünscht

Thilo JörglChefredakteur LOGISTIK HEUTE

 

P.S.: Eine Vielzahl von Bewerbungen für den Supply Chain Management Award 2017 hat uns erreicht. In den kommenden Wochen werden Experten unseres Partners Strategy&, der Strategieberatung von PwC, ein Audit durchführen und die Finalisten benennen. Vertreter der nominierten Unternehmen dürfen dann ihre Konzepte auf der EXCHAiNGE – The Supply Chainers‘ Conference am 26. September 2017 in Frankfurt am Main präsentieren. Der Clou: Alle Teilnehmer der Konferenz dürfen ihre Bewertung über die Konzepte abgeben. Das Ergebnis fließt dann in die Jurysitzung vor Ort ein. Wenn Sie selbst dabei sein wollen: Alle Infos finden Sie unter www.exchainge.de

Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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