Der Roboter: der neue beste Freund des Menschen?

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Guten Tag, der Mensch hat es so an sich, mit anderen Wesen Freundschaften zu schließen. Vor Jahrtausenden zähmte er den Wolf. Der Hund wurde zu einem treuen Begleiter, der bei der Jagd, beim Bewachen des eigenen Hab und Guts oder bei der Rettung von Menschen große Dienste geleistet hat. Nun schickt sich der Mensch an, mit einem anderen Wesen Freundschaft zu schließen. Roboter, von vielen als Arbeitsplatzvernichter gefürchtet, haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit Hunden, vor allem wenn sie in der Logistik eingesetzt werden.

Der „EffiBOT“ etwa folgt den Mitarbeitern der Deutsche Post DHL Group auf Schritt und Tritt wie ein gut erzogener Vierbeiner. Der EffiBOT schleppt aber noch viele Kilogramm Pakete oder kommissionierte Teile aus dem Lager mit und entlastet so den Menschen. Ähnliches gilt für den IFOY-Gewinner „iGo neo CX 20“ von Still. Das intelligente Fahrzeug folgt dem Lageristen und bleibt so lange stehen, bis es mit der kommissionierten Ware beladen ist. Der Mensch muss weniger schleppen, der Roboter hat aber mit dem Menschen eine intelligente Steuerung, so können sie im Team vieles leisten. Das haben viele Firmen erkannt. Wie Marco Prüglmeier, Projektleiter Innovationen und Industrie 4.0 in der Logistik bei BMW neulich auf der Konferenz LDC! in Frankfurt erklärte, setzt sein Unternehmen künftig ausschließlich auf Roboter, die ähnlich wie die vorigen Beispiele mit den Menschen kollaborieren.

Auch das Apportieren, eine wichtige Qualifikation von Jagdhunden, beherrschen manche Roboter. Hat ein Schnäppchenjäger bei Amazon ein begehrtes Smartphone erlegt, so bringt es häufig ein von Kiva Systems entwickelter Roboter zum Lageristen, der es dann für den Versand bereitmacht. Wenn es um die von Schnäppchenjägerinnen besonders gern anvisierten Schuhe geht, bringt der Kommissionierroboter „TORU“ in einigen Lagern die Beute vom Regal zum Versand.

Dank künstlicher Intelligenz können Maschinen aber mittlerweile mehr als Hunde. Chatbots etwa können menschliche Sprache immer besser verstehen und im Service bei Standardanfragen ohne menschliches Zutun dem Kunden helfen. Die Mitarbeiter können sich auf die komplexeren und interessanten Anfragen konzentrieren. Eine neue Studie des Beratungsunternehmens BearingPoint fand heraus, dass eine intelligente Kombination von Menschen und Robotern die beste Leistung im Kundenservice erreicht. Mehr dazu lesen Sie in der News der Woche.

Bei aller Begeisterung für die Roboter − sie werden auch den Menschen Tätigkeiten abnehmen und damit Arbeitsplätze auflösen oder stark verändern. Wie allerdings das Beispiel mit dem Kundenservice zeigt, entstehen für den Menschen neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Um den Mitarbeitern die Angst vor den neuen Gefährten zu nehmen, hilft frühzeitige Kommunikation.

Dr. Jan Thido Karlshaus, Chief Customer Officer des Global Technology Sector von DHL Supply Chain, erklärte im Interview mit LOGISTIK HEUTE, wie sein Unternehmen auf einen frühen Dialog mit Mitarbeitern bei der Einführung des EffiBOTs setzte. Und BMW bespricht schon auf Jahre im Voraus Robotikprojekte in der Logistik mit dem Betriebsrat. So wird die Ankunft des neuen Kollegen nicht der Anfang einer Horrorgeschichte, sondern der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Eine angenehme Lektüre wünscht Ihnen

László Dobos
Redakteur LOGISTIK HEUTE


PS: Mit den Robotern kommen neue Kollegen in die Lager. Schön wäre es aber auch, wenn neue Kolleginnen in die Logistik kämen. Denn leider sind Frauen in den Bereichen Transport und Logistik stark unterrepräsentiert. Die Europäische Union hat nun eine Plattform initiiert, um die Berufe in diesen Sektoren für Frauen attraktiver zu machen. Dort können Firmen zeigen, wie sie Frauen für die Berufe gewonnen haben und sich zum Thema Gleichberechtigung austauschen.

Redaktion (allg.)

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