Compliance: Über welche Fallstricke Samsung stolpert

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Guten Tag, mit der Entwicklung moderner Smartphones konnte Samsung in den vergangenen Jahren dem Branchenriesen Apple Marktanteile abringen. Im September 2016 kratzte dann ein ärgerlicher Vorfall am Image der Südkoreaner: Der Akku eines nagelneuen Galaxy Note 7 fing Feuer. Es folgte eine Rückrufaktion. Doch der Konzern bekam das Problem nicht in den Griff und stellte die Produktion des Vorzeigemodells komplett ein.
 
Der nächste Kratzer am Image des Mischkonzerns: Im November berichtete die Zeitung „The Guardian“ darüber, dass malaysische Samsung-Zulieferer nepalesische Arbeiter zu sklavenähnlichen Bedingungen Mikrowellen herstellen lassen würden. Details dazu: 14 Stunden schuften, keine angemessenen Pausen, Menschen, denen die Pässe abgenommen wurden. Samsung überprüfte die Vorwürfe vor Ort – und zog jetzt die Reißleine. Ein Vertrag mit einer Leiharbeitsfirma wurde gekündigt, sogenannte „Samsung Migrant Worker Guidelines“ erlassen, regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen bei Lieferanten versprochen (siehe News der Woche).
 
Zugegeben: Die Supply Chains in der Elektronikindustrie sind komplex. Und die meisten Unternehmen haben seitenlange Compliance-Regelungen erlassen. Aber Papier und gelebte Praxis sind zwei Paar Stiefel, wie das Beispiel Samsung zeigt. Ohne Vor-Ort-Kontrollen bei Lieferanten geht es offenbar nicht. Transparenz über die gesamte Lieferkette ist nötig. Das Supply Chain Management bekommt eine hohe Verantwortung.
 
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich wieder an den hervorragenden Vortrag von Prof. Christopher Tang auf der Konferenz EXCHAiNGE 2013. Der Wissenschaftler aus Kalifornien zeigte den Einkäufern und SCM-Verantwortlichen Wege zu profitablen und zugleich moralisch vertretbaren Supply Chains auf. Flapsig ausgedrückt lässt sich sein Credo auf den Satz reduzieren: Geiz ist nicht geil! Denn Firmen dürfen bei der Lieferantenauswahl nicht nur auf Preise, sondern müssen auch auf Punkte wie Qualität und Compliance achten. Und Professor Tang empfiehlt, Anreizsysteme für Zulieferer zu entwickeln, die zu Verbesserungen bei Leistung und Compliance führen. Nur so könnten Firmen seiner Meinung nach die drei großen P-Ziele erreichen: Planet, People and Profit. Dem ist nichts hinzuzufügen.
 
Eine erkenntnisreiche Newsletterlektüre wünscht
 
Thilo Jörgl
Chefredakteur LOGISTIK HEUTE
 
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Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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