CeBIT: Industrial Data Space vorgestellt

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Guten Tag, Barcelona, März 2004. In der Szene-Disko „Baja Beach“ holen sich einige Hundert Gäste an der Bar Bier, Sangria und andere berauschende Getränke. Eine Geldbörse hat keiner dabei. Freibierfete? Weit gefehlt. Jeder bezahlt, indem er durch ein RFID-Gate geht. Der Clou: Jeder Gast hatte vor dem Bestellen des ersten Sangria-Eimers einen reiskorngroßen RFID-Chip unter die Haut gespritzt bekommen. Und bei jeder Bestellung wurde automatisch der fällige Betrag für Cerveza, Sangria & Co. von dem zuvor mit einem bestimmten Betrag aufgeladenen Chip abgebucht. Es wurde gefeiert, bis der Arzt kam.
 
Hannover, März 2016. Auf der Fachmesse CeBIT, die diese Woche auf dem Messegelände über die Bühne geht, wird auch gefeiert (siehe News der Woche). Zumindest zivilisiert. Es wird unter anderem ein RFID-Chip vorgestellt, der unter den Zeigefinger „gespritzt“ wird. Damit kann der Nutzer dann Türen öffnen, Zugang zu PCs bekommen oder sich als Bediener einer Maschine identifizieren lassen. Karte oder Schlüssel sind passé. Angeblich werden die Daten sogar verschlüsselt. Der auf der Messe vorgestellte Chip unter der Haut schaffte es sogar bis in die Tagesthemen.
 
Dorthin schaffte es natürlich auch die Kanzlerin, die es sich nicht nehmen ließ, sich beim Messe-Spaziergang über Innovationen zu informieren. Drohnen, Objekte aus 3D-Druckern, Roboter und Modelle für eine vernetzte Stadt bekam sie zu sehen. Und sie bekam etwas Gegenwind aus der Wirtschaft zu spüren. Ein Grund: der lahmende Breitbandausbau. 2008 wollte Merkel das Problem des fehlenden schnellen Internets binnen eines Jahres gelöst haben. 2015 surften „nur“ 64 Prozent aller Haushalte mit 50 Mbit pro Sekunde. Und andere Industrieländer? Die denken schon über die Einheit Gigabit nach.
 
Während die Regierung noch an digitalen Altlasten arbeitet, denkt der Verein Industrial Data Space schon einen Schritt weiter. Hier sind 16 Unternehmen, der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) und die Fraunhofer-Gesellschaft zusammengeschlossen. Auf der Messe präsentierten sie in einem Eckpunkte-Papier ihre Empfehlungen zu einem international offenen Datenraum. Eine wichtige Sache: Denn schließlich ist der sichere Datenaustausch zwischen Firmen ein wichtiger Eckpfeiler von Industrie 4.0.
 
Eckpapiere, Vorträge, wirtschaftspolitische Botschaften. Die CeBIT ist immer noch eine wichtige Wissensdrehscheibe, auch wenn die Schau, die bis vor zwei Jahren eine Publikumsmesse war, kein Besuchermagnet mehr ist. Gerne erinnern wir uns zurück: 1995 lockte die Messe bei der Vorstellung von Windows 95 noch 750.000 Menschen aufs Messegelände. 2015 waren es noch 200.000 Fachbesucher.
 
Eine erhellende Newsletterlektüre wünscht
 
Thilo Jörgl
Chefredakteur LOGISTIK HEUTE

Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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