Autonome Lkw: Wie DB Schenker eine Speziallösung schnell umsetzen konnte

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Guten Tag,

fast perfekt hat der Logistikdienstleister DB Schenker am Dienstag in seinem Standort im Nürnberger Hafen eine Demonstration einer neuen Transportlösung auf die Beine gestellt. Fast perfekt nur, weil das Sommerwetter einen Tag Pause machte und es im Hof just in dem Moment zu schütten begann, als Vertreter des Dienstleisters und des Fahrzeugbauers Kamag ihre „Weltpremiere“ Fachjournalisten präsentierten: einen automatisierten „Wiesel“ (siehe News der Woche). Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, das für den Transport von Wechselbrücken in Logistikhöfen ausgelegt ist.   Bisher mussten Mitarbeiter des Dienstleisters mit vier „normalen“ Wiesels Hunderte Wechselbrücken zum Be- beziehungsweise Entladen über den Hof fahren. Ein ziemlich öder Job. Meist ist der Fahrweg gerade mal 100 Meter lang. Einer der Jobs fällt künftig weg. Denn der mit (Laser-)Sensorik vollgestopfte neue Wiesel sucht sich, gesteuert vom IT-System, selbst mit Tempo 10 km/h den Weg zum nächsten „Container auf Füßen“ und transportiert diesen zur vorbestimmten Rampe. Alles ohne Fahrer.
 
Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn zum einen mussten strenge Sicherheitsvorschriften bei dem Projekt beachtet werden. Das Gerät darf beispielsweise keinesfalls eine Person auf dem Logistikhof touchieren oder gar anfahren. Zum anderen muss das Versuchsfahrzeug auch bei Nacht, Nebel und widrigen Wetterverhältnissen seine Arbeit flink und zuverlässig verrichten. Insofern hatte der strömende Regen auch etwas Gutes: Denn der Projektleiter konnte zeigen, dass das Fahrzeug nicht nur bei Idealbedingungen funktioniert.
 
Interessant ist das Projekt aus mehreren Gründen: Denn die Genehmigung für automatisierte Lkw auf einem Betriebsgelände geht deshalb relativ zügig, weil dort andere Vorschriften gelten als im öffentlichen Verkehrsraum. Und man braucht auch keine aufwendige Infrastruktur, wie sie etwa auf der „Datenautobahn“ A9 zwischen München und Nürnberg für Laster gerade aufgebaut wird. Man kann also davon ausgehen, dass nach der Testphase mit dem Fokus auf Robustheit, Kostenoptimierung und Sicherheit das Beispiel Nürnberg Schule machen wird.
 
Erik Wirsing, Vice President Global Innovations bei der Schenker AG, hat mir im Gespräch auch schon verraten, wohin die Reise gehen soll: Dem „Diesel-Wiesel“ soll schon bald eine Batterie in den Bauch implantiert werden. Der „E-Wiesel“ würde die Umwelt schonen. Und wenn man weiß, dass Nürnberg Dreh- und Angelpunkt für das sogenannte Platooning-Projekt von DB Schenker ist, kann man eins und eins leicht zusammenzählen: Zum automatisierten Wiesel könnte bald ein automatisiertes Andocken der Platooning-Lkw kommen. Und auch innerhalb seiner Logistikzentren sammelt der Dienstleister bereits Erfahrungen mit Fahrerlosen Transportsystemen (FTS).
 
Was heißt das für die Zukunft? Der Weg zum vollautonomen Truck auf der Autobahn wird ein sehr langer sein. Weitaus kürzer ist der Weg, wenn es um die Automatisierung von Fahrzeugen innerhalb von Logistikhöfen oder -zentren geht. Hier hat der Weg für DB Schenker in Nürnberg am Dienstag begonnen – bei strömendem Regen.
 
Eine erkenntnisreiche Newsletter-Lektüre wünscht mit (wieder) sonnigen Grüßen
 
Thilo Jörgl
Chefredakteur LOGISTIK HEUTE

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Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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