Automotive: Folgt Diesel-Gate bald Digi-Gate

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Guten Tag,

viele haben es so erwartet: Dass die Autobauer beim sogenannten Diesel-Gipfel gestern zu einem radikalen Kurswechsel von der Politik gezwungen werden, war aufgrund der Historie und der Zusammensetzung des runden Tisches kaum zu erwarten. Die Hersteller haben sich nun dazu durchgerungen, mehr als fünf Millionen Pkw-Diesel auf eigene Kosten mit einer neuen Software nachzurüsten. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge mit der Emissionsklasse Euro 5 oder teilweise Euro 6. Ziel sei eine durchschnittliche Stickoxid-Verringerung von 25 bis 30 Prozent der nachgerüsteten Fahrzeuge, heißt es aus Berlin.

Ist das der große Wurf? Mitnichten. Die deutschen Hersteller wissen ziemlich genau, dass wegen manipulierter Abgaswerte und Kartellvorwürfen das gute Image vom Auto „made in Germany“ angeknackst ist. Darf man einer aktuellen Studie von YouGov glauben, so fühlen sich zwei von fünf Deutschen in ihrem Vertrauen in die deutsche Automobilindustrie verunsichert. Und das hat dramatische Folgen: 44 Prozent der potenziellen Autokäufer halten es demnach aktuell nicht für sinnvoll, ein Fahrzeug zu erwerben. Weiteres Ergebnis: Gut jeder vierte potenzielle Autokäufer hat wegen der öffentlichen Debatte überlegt, sich statt eines Autos von einem deutschen Hersteller ein Fahrzeug von einer ausländischen Marke zu kaufen. Angesichts dieser Ergebnisse gilt es nun für Hersteller und Politik gleichermaßen zu handeln. Überhastete Dieselfahrverbote wären genauso der falsche Ansatz wie das Auslatschen alter Pfade seitens der Industrie. Es rächt sich jetzt, dass Alternativen zum Elektrofahrzeugantrieb, etwa Brennstoffzellen oder LNG, stiefmütterlich behandelt wurden.

Welche Folgen hat das Dieselgate für die Logistikdienstleister im Bereich Automotive? Sie fürchten bei abnehmender Produktion weniger Umsatz – zumal sie schon wegen der Automatisierung und Digitalisierung verunsichert sind. Auch das Thema sollten die Autobauer nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn die Folgen eher schleichend zu spüren sind.

Just in diesen Tagen ist eine interessante Studie des Beratungsunternehmens MHP und der Hochschule Reutlingen veröffentlicht worden, die im Gedröhne um Diesel-Gate medial fast untergegangen ist (siehe News der Woche). Die Quintessenz: Knapp die Hälfte der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie sind durch zunehmende Automatisierung und Digitalisierung bedroht. Laut der Studie könnten bis 2030 repetitive Tätigkeiten durch den Einsatz intelligenter Roboter und Systeme ersetzt werden. Vor allem Transportroboter und fahrerlose Transportsysteme werden der Studie zufolge Menschen in der (Produktions)-Logistik ersetzen.

Klar, wer gut qualifiziert ist, muss sich weniger Gedanken über die Zukunft machen, aber auch hier gibt es Ausnahmen: operative Einkäufer beispielsweise. Sie könnten, im Gegensatz zu strategischen Einkäufern, sehr schnell durch intelligente Tools ersetzt werden. Wer operativ einkauft, sollte daher den Rat der Studienmacher beherzigen: am besten schnell über ein weiterführendes Studium in Bereich Supply Chain Management nachdenken.

Einen guten Start in den Tag wünscht trotz dieser Meldungen

 

Thilo Jörgl Chefredakteur LOGISTIK HEUTE

Thilo Jörgl
ehem. Chefredakteur (bis 2018)

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