Automobilindustrie: Milliardenstrafe versus Milliardeninvestition

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Guten Tag,

na das nenne ich mal eine harte Woche für die Autostadt Wolfsburg: Nicht nur, dass der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg vom FC Bayern München – oder besser gesagt von dessen Spieler Robert Lewandowski – innerhalb von neun Minuten mit fünf Toren völlig überrannt wurde (was unter anderem zu wilden Spekulationen darüber führte, wie man so einen Fünffachtreffer überhaupt nennt, bislang hatte sich ja maximal der Hattrick eingebürgert). Auch für den Automobilkonzern der Stadt hätte es nicht schlimmer kommen können: Eine Software, die heimlich die Abgaswerte senkt, ist in etwa elf Millionen Volkswagen-Automobile eingebaut – was hat man sich dabei nur gedacht? Die wahrscheinlichste Antwort ist: wohl gar nichts. Schließlich kommen die Hersteller seit Jahren auch mit ihren teilweise abstrus niedrig angegebenen Durchschnittsverbrauchswerten ganz gut durch. Einen Strich durch die Wolfsburger Rechnung machten allerdings gerade die Amerikaner. Das Volk, das wohl am wenigsten durch seine besonders umweltschonenden Fahrzeuge bekannt ist. Aber sei´s drum, veräppeln lassen wollte man sich auch jenseits des großen Teichs nicht – wenn schon ein kraftstrotzendes, schadstoffschleuderndes Straßenungeheuer, dann bitte auch offensichtlich. Inzwischen haben sowohl die US-Justizbehörde als auch die New Yorker Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen VW aufgenommen. Und auch der Nachbarstaat Kanada nimmt Untersuchungen auf. Für den Volkswagen-Konzern könnte das empfindliche Folgen haben: Eine Strafe von 18 Milliarden US-Dollar allein in den USA steht im Raum. VW-Chef Prof. Dr. Martin Winterkorn kostete das gestern bereits seinen Posten – er trat am Nachmittag zurück.

Ein anderer Autobauer investiert seine Dollars da lieber in die Logistik: Das Daimler-Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars erweitert für 1,3 Milliarden Euro sein US-Werk in Tuscaloosa, Alabama (siehe News der Woche). Aufkeimende Gerüchte, dass auch in den Fahrzeugen mit Stern „spezielle“ Steuerungssoftware zum Einsatz kommt, weist der Konzern – wie auch der Rest der Automobilindustrie – zurück.

Was vom sogenannten Dieselgate bleibt, ist ein tiefer Kratzer im sonst so blank polierten Made-in-Germany-Emblem und die Erkenntnis: Hätten die Wolfsburger das Geld für die Entwicklung der Software mal lieber in den VfL gepumpt, dann wären sie diese Woche vielleicht sogar zwei öffentlichen Schmähungen entgangen.

Eine entspannte Lektüre wünscht Ihnen

Nadine Bradl
Redakteurin LOGISTIK HEUTE

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