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Der Einzelkämpfer vereinsamt

Setlog
Open Source

Der Einsatz von Open-Source-Software spielte für die Verbesserung logistischer Prozesse bisher keine große Rolle. Aber das ändert sich gerade. Warum IT-Dienstleister, die auf den Zug aufspringen, künftig erfolgreicher als der Wettbewerb sein werden, erläutert Ralf Düster, Vorstandsmitglied und SCM-Experte bei Setlog.

Kaum zu glauben: Im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Digitalisierung, findet man noch Arztpraxen, die ihre Kollegen oder Patienten bitten, ihnen ein Fax mit den nötigen Informationen zu senden. Doch nicht nur im privaten Alltag spielt das 1966 erstmals von Xerox vorgestellt Gerät noch eine Rolle. Auch in der Logistik spuckt der Kommunikationsdinosaurier in einigen Büros noch bedrucktes Papier aus.

Zugegeben: Bei den meisten Logistikern haben längst andere Systeme das Fax abgelöst. Doch die Krux im Lieferkettenmanagement ist trotzdem vorhanden. Jeder Akteur arbeitet in der Regel mit seinem eigenen System. Die Händler und Industriebetriebe mit ihren Warenwirtschaftssystemen, die Spediteure mit bewährten Transportmanagementsystemen (TMS), Logistikunternehmen mit den Lagerverwaltungssystemen (LVS) und die Lieferanten hängen oft an ihren Excel-Tabellen.

Im Logistikalltag heißt das, dass Daten über Excellisten und E-Mails laufen – und wenn es brennt, greift mancher gerne zum Telefonhörer, um das Feuer zu löschen. In jüngster Zeit rüttelten ein paar clevere Start-ups den Bereich Logistik wach: Es waren die digitalen Speditionen. Mit ihren Plattformen schoben sie sich zwischen die beteiligten Akteure und trieben die Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse voran. Mit Erfolg. Daten- und der Warenfluss funktionieren jetzt, in aller Regel, besser. Die richtige Verwendung und Steuerung von guten Daten werden zum neuen Erfolgsrezept für Transport und Logistik.

Das gilt auch für den Einkauf und das Supply-Chain-Management. Doch mit den besten Daten ist man schlecht beraten, wenn sie in xls-Dateien schlummern oder händisch zwischen den Akteuren per E-Mail transferiert werden müssen. Eine Lösung der Herausforderungen ist moderne SCM-Software. Mit OSCA (kurz für „Online Supply Chain Accelerator“) ermöglicht beispielsweise Setlog das digitale Management der Lieferkette in einem cloudbasierten Tool mit kundenindividuellen Erweiterungen unter Integration aller an der jeweiligen Supply Chain beteiligten Partnern. Mehr als 150 Marken aus den Bereichen Bekleidung, Elektronik, Nahrungsmittel, Konsumgüter und Hardware in 90 Ländern nutzen die Lösung. Sie macht die Kette für alle transparent – Lieferverzögerungen und neue -termine können beispielsweise in Echtzeit an alle Akteure übermittelt werden. Die kollaborative Kommunikation läuft über ein einziges Tool.

Was mithilfe eines Dashboards in puncto Übersichten und Warnfunktionen wie „to do“-Meldungen einfach funktioniert, erforderte bisher eine intensive Vorbereitung. Die Integration von Partnern auf Plattformen war in der Vergangenheit aufgrund der gestiegenen Komplexität in der Logistik kostenintensiv, der Aufwand für die Anbindung über Schnittstellen nahm zu. Setlog entwickelte bislang kundenspezifische Lösungen für den Datenfluss – je nach Anforderung war das mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Doch die IT-Welt verändert sich. Die Kunden wünschen sich einfache Integrationen, damit Datenflüsse, be- und Abstimmungsprozesse entschleunigt werden. Der Schlüssel dazu heißt: Open Source. Für den Aufbau von Kundenplattformen, auf denen alle Partner rund um den Globus zusammenarbeiten können, ist eine schnelle Implementierung der API (API, kurz für Application Programming Interfaces) über Open Source, also Open Source-Standardschnittstellen, nur von Vorteil.

Wenn das Stichwort Open-Source-Software fällt, stutzen immer noch einige aus der Logistik. Denn für die Optimierung logistischer Abläufe spielte sie bisher kaum eine Rolle. Doch das ändert sich gerade. Das Credo der Experten heißt: IT-Dienstleister in der Logistik, die Open Source einsetzen, kommen schneller zum Erfolg. Ja, Open Source erweist sich sogar als Vertriebsunterstützung. Denn viele Kunden können den Mehrwert inzwischen gut einschätzen. Gerade in puncto Schnittstellen kann Open Source der Community helfen, nicht nur schneller und effizienter zu werden, sondern auch Standards zu schaffen. Das heißt: Nicht mehr jeder entwickelten Standards aufwändig selbst, sondern mehrere Anbieter greifen auf die gleichen Grundlagen zurück – selbstverständlich unter Einhaltung aller Regeln. Das ist ein großer Hebel für alle an einer Plattform beteiligten Partner. Das heißt aber nicht, dass jeder mit allen Daten machen darf, was er will. Die Intelligenz der Daten bleibt bestehen, nur der Fluss wird besser.

Setlog erkannte die Vorteile dieser neuen IT-Welt. Das Unternehmen ist Gründungsmitglied des Open Logistics e.V., dem Förderverein der Open Logistics Foundation. Es setzt auf den Einsatz von Open Source-Komponenten für Dienste und Services in der Plattformökonomie von morgen, der Silicon Economy. Standardisierte-Schnittstellen sind laut Prof. Dr. Dr. h. c. Michael ten Hompel, Chef des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML und Mitinitiator der Open Logistics Foundation, für niemanden in der Logistik – weder für Verlader und Spediteure noch für die IT-Dienstleister – ein Heiligtum. Denn die Intelligenz liegt nach wie vor in der Software selbst. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Logistik auf ihrem Weg der Standardisierung zu unterstützen – ganz speziell im Bereich Schnittstellen.

Beim Thema Datentausch heben heute noch einige Logistiker mahnend den Zeigefinger und verweisen darauf, dass sich Unternehmen nicht die Datenhoheit nehmen lassen dürfen und die Sicherheit beim Transfer gewährleistet werden muss. Oft fehlt ihnen das Wissen über die Lösungen für diese Herausforderungen. Fakt ist aber auch: Grundsätzlich ist das Vertrauen der Kunden in IT-Systeme in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Plattformen werden heute sensible Informationen anvertraut – nicht nur Bits & Bytes über Transporte, sondern beispielsweise auch technische Skizzen und Muster zu Neuerscheinungen. Jeder der Akteure muss sich darauf verlassen können, dass die Prozesse sicher sind. Als Gründungsmitglied der International Data Spaces Association IDSA ist Setlog dabei auch offen für Open Source-Lösungen, die die Infrastruktur betreffen.

Fazit: Wer in der Logistik in Silos arbeitet, Systeme abschottet und Medienbrüche akzeptiert, wird über kurz oder lang den Anschluss verlieren. Kollaboration ist der Schlüssel für das Tor in die neue Logistikwelt. Open-Source-Software, speziell standardisierte Schnittstellen, können IT-Dienstleistern in der Logistik – gerade Mittelständlern – helfen, ihre eigenen Lösungen zu verbessern. Die Einzelkämpfer werden vereinsamen.

Open Source

Mit dem Begriff Open Source bezeichnet man Software, deren Quelltext öffentlich und von Dritten eingesehen, verändert und genutzt werden kann. Open-Source-Software kann meistens kostenlos genutzt werden.

Einzelpersonen machen Software oftmals aus altruistischen Beweggründen zu einer Open Source. Firmen und Organisationen haben in der Regel andere Intentionen, so zu handeln: Sie wollen Kosten im Entwicklungsbereich sparen und Marktanteile erhöhen. User, die dazu befähigt sind, können die Software den eigenen Herausforderungen und Bedürfnissen anpassen. Möglich ist auch die Publikation einer Abspaltung. Sogenannte Pull Requests tragen zur kontinuierlichen Verbesserung der Software bei.

Über den Autor

Ralf Düster ist Vorstandsmitglied von Setlog. Er ist Experte für Global Sourcing, Supply-Chain-Management und Logistik in der Bekleidungs- und Konsumgüterindustrie. Der Mitbegründer des Unternehmens ist zudem gefragter Referent für Konferenzen und Symposien.

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